Geld und Inflation:Löhne steigen wieder stärker als die Preise

Geld und Inflation: Ein Kellner eines Restaurants hält einen Geldbeutel in der Hand: Die Löhne legen zu.

Ein Kellner eines Restaurants hält einen Geldbeutel in der Hand: Die Löhne legen zu.

(Foto: Felix Hörhager/dpa)

Im dritten Quartal legen die Reallöhne zum zweiten Mal in Folge zu - und so stark wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Einige Unternehmen planen allerdings, die Preise weiter zu erhöhen.

Steigende Löhne und nachlassende Inflation haben die Kaufkraft der deutschen Verbraucher im dritten Quartal so stark steigen lassen wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Von Juli bis September legten die Löhne um durchschnittlich 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu - und damit stärker als die Preise, die um 5,7 Prozent anstiegen. Die Reallöhne wuchsen also um 0,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.

Ein größeres Plus gab es zuletzt im Frühjahr 2021. Es ist damit der zweite Zuwachs in Folge: Im zweiten Quartal hatte es mit 0,1 Prozent den ersten Reallohnanstieg seit zwei Jahren gegeben. Für die von einer Rezession bedrohten deutschen Wirtschaft ist die steigende Kaufkraft eine gute Nachricht. Sie erhöht die Wahrscheinlichkeit dafür, dass der private Konsum wieder wächst. Dieser macht etwa zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes aus. "Die Binnenkonjunktur sollte allmählich Tritt fassen, denn die realen Nettoeinkommen der privaten Haushalte dürften aufgrund der hohen Lohnsteigerungen und des nachlassenden Preisdrucks weiter steigen", erwartet etwa die Bundesbank.

Zu der positiven Entwicklung der Reallöhne im Sommer trug die Inflationsausgleichsprämie bei. Diese steuer- und abgabefreie Zahlung von bis zu 3000 Euro je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer, die auch in mehreren Teilbeträgen ausgezahlt werden kann, ist eine freiwillige Leistung der Arbeitgeber. "Auch die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro pro Stunde im Oktober 2022 hatte einen positiven Effekt", hieß es. Unter den Vollzeitbeschäftigten kam das Fünftel mit den geringsten Verdiensten mit 10,3 Prozent auf das kräftigste Nominallohnwachstum. Das Plus für das oberste Fünftel fiel dagegen mit 5,6 Prozent unterdurchschnittlich aus.

Die steigende Kaufkraft könnte allerdings auch wieder gedämpft werden: Deutsche Unternehmen wollen in den kommenden Monaten ihre Kunden stärker zur Kasse bitten, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner Konjunkturumfrage mitteilte. Diese Entwicklung sei vor allem auf die unternehmensnahen Dienstleister und den Großhandel zurückzuführen. Für die Verbraucher hält die Umfrage aber eine positive Nachricht parat: In den konsumnahen Branchen sanken die Preiserwartungen erneut. "Damit ist die Inflation weiter auf dem Rückzug", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen gehen davon aus, dass die Teuerungsrate im November von 3,8 auf 3,5 Prozent gefallen ist. Das wäre der tiefste Stand seit rund zweieinhalb Jahren.

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