Kaufhäuser Die Fusion zwischen Kaufhof und Karstadt wackelt

Auf oder abwärts? Erfolg oder Scheitern? Wohin die Reise geht, ist bei der geplanten Fusion von Karstadt und Kaufhof derzeit ungewiss. Nun sind offenbar erst einmal die Banken am Zug.

(Foto: Jens Kalaene/dpa)
  • Die Landesbank Baden-Württemberg stellt dem kanadischen Kaufhof-Eigentümer HBC ein Art Ultimatum. Demnach soll HBC bis zum 30. September Kreditbedingungen erfüllen.
  • HBC steckt bereits jetzt in finanziellen Schwierigkeiten. Der Druck der Landesbank könnte die Fusion mit Karstadt verhindern.
  • Um das Geschäft der Warenhäuser geht es bei einem möglichen Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof nicht: Im Fokus stehen die Immobilien.
Von Michael Kläsgen

Die Lage bei Galeria Kaufhof spitzt sich weiter dramatisch zu. Eine Fusion mit Karstadt rückt deswegen wieder etwas weiter in die Ferne. Eigentlich sollte zwischen den Eigentümern der beiden Warenhäuser längst eine Einigung erzielt sein. Als Grund für die Verzögerung wurde auf beiden Seiten angeführt, dass gerade Ferienzeit sei und sich die zuständigen Mitarbeiter der beteiligten Banken im Urlaub befänden. Ein Brief der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), welcher der Süddeutschen Zeitung vorliegt, deutet auf ein anderes, gravierenderes Problem hin.

In dem Schreiben vom 31. Juli stellt die Bank dem kanadischen Kaufhof-Eigentümer Hudson's Bay Company (HBC) verklausuliert quasi ein Ultimatum zum 30. September. Bis spätestens dahin soll HBC die mit der Landesbank vor drei Jahren vereinbarten Kreditbedingungen erfüllt haben. Falls das nicht der Fall sein sollte, könnte LBBW den Kredit in Höhe von 1,34 Milliarden Euro fällig stellen. HBC müsste das Geld danach gegebenenfalls zurückzahlen. In Anbetracht der Finanzlage des kanadischen Unternehmens erscheint es gegenwärtig unwahrscheinlich, dass es dazu in der Lage wäre.

Solange die Kaufhof-Eigentümer aber eine für die Landesbank befriedigende Antwort schuldig bleiben, wackelt auch die geplante Fusion zwischen Kaufhof und Karstadt. Das wirkliche Problem ist also nicht, dass die Banker im Urlaub sind, sondern dass sie auf Seiten von HBC offenbar im Moment nicht mitziehen können. Ihre eigenen Regeln schreiben ihnen vor, dafür zu sorgen, dass die Kreditbedingungen eingehalten werden. Doch bislang ist HBC den Forderungen nicht nachgekommen. Deswegen lässt die sogenannte Deutsche Warenhaus AG, bestehend aus 34 000 Mitarbeitern und fast 200 Kaufhäusern, weiter auf sich warten. Sie wäre nach El Corte Ingles aus Spanien der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas - zusammengezimmert aus der Not heraus, weil Kaufhof und Karstadt seit Jahren vor allem gegenüber dem Onlinehandel an Umsatz verlieren.

Das Warenhausgeschäft wäre bei der Fusion allerdings so gut wie nichts wert. Eigentlich geht es bei der Fusion fast nur um Immobilien. Als HBC vor knapp drei Jahren Kaufhof erwarb, finanzierte ein Konsortium rund um die LBBW den Kauf von 41 der insgesamt 96 Kaufhof-Gebäude mit dem besagten Darlehen in Höhe von 1,34 Milliarden Euro. Zweimal im Jahr prüft das Konsortium, ob HBC die in dem Kreditvertrag gemachten Zusagen einhält.

Der Trend bei Kaufhof ist eindeutig: Die Verluste nehmen zu

Eines der wichtigsten Kriterien bei der Beurteilung durch die Banken ist die Geschäftsentwicklung von Kaufhof, des Mieters der Gebäude. HBC hatte den Banken Gewinne versprochen, tatsächlich rutscht Kaufhof aber von Jahr zu Jahr tiefer in die roten Zahlen. Die Kanadier geben die Zahlen von Kaufhof nicht gesondert bekannt, nach SZ-Informationen erhöhte sich der Verlust inklusive aller Aufwendungen des Kölner Warenhauses jedoch im abgelaufenen Geschäftsjahr zum 31. Januar im Vergleich zum Vorjahr noch einmal von minus 88 Millionen Euro auf minus 98 Millionen Euro. Der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg im gleichen Zeitraum von minus 79 auf minus 86 Millionen Euro. Die Entwicklung ist damit klar negativ. Vor dem Hintergrund erscheint es so gut wie ausgeschlossen, dass HBC die Kreditbedingungen erfüllen kann. Die LBBW hatte sich in den vorhergehenden Prüfungen immer wieder vertrösten lassen. Diesmal aber fügt sie hinzu, dass ihre Geduld Ende September enden könnte. Weitere Banken könnten dann Kredite fällig stellen und Geld von HBC oder Kaufhof fordern. Die finanziellen Schwierigkeiten würden sich damit noch erhöhen.

Die Geschäftsführung um Kaufhof-Chef Roland Neuwald hat bezeichnenderweise bereits für den Fall der Fälle vorgesorgt. Das Management lässt sich von der renommierten internationalen Insolvenzverwaltung White & Case beraten. Anwalt Biner Bähr hat Erfahrung mit Warenhäusern. Er war schon dabei, als Hertie pleiteging und ist auch darauf spezialisiert, seine Mandanten vor dem Risiko der Insolvenzverschleppung zu bewahren. Geschäftsführer stehen nach deutschem Recht auch gegenüber den Gläubigern, also unter anderem den Banken, in der Verantwortung. Eine Verletzung der Treuepflicht kann dann möglicherweise einen Straftatbestand darstellen, der entsprechend geahndet werden könnte. Es liegt daher auf der Hand, dass sich die Kaufhof-Geschäftsführung rechtlich absichern will.

Für den österreichischen Karstadt-Eigentümer und Immobilienunternehmer René Benko, der großes Interesse an den Kaufhof-Gebäuden hat, macht der Banken-Brief die Fusion noch komplizierter, als sie ohnehin ist. Trotz wochenlanger Verhandlungen lassen sich die Schulden, die er von HBC bei einer Vereinbarung übernehmen müsste, offenbar im Moment nicht genau beziffern. Aber das wäre womöglich für ihn verkraftbar. Schlechter aus seiner Sicht wäre es, wenn Kaufhof tatsächlich Insolvenz anmelden müsste. Dann würde das Warenhaus am Ende vielleicht aufgespalten und die Teile in einem Bieterverfahren verkauft. Für Benko blieben in diesem hypothetischen Fall voraussichtlich weniger Immobilien übrig als bei einem Zusammenschluss mit den Kanadiern.

Klar ist, solange die sich nicht mit der LBBW geeinigt haben, stocken die Verhandlungen, vielleicht bis Oktober oder länger.

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