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Karstadt und René Benko:Abschied vom Luxus

Karstadt

Kaufhauskette Karstadt: Szene vor einer Filiale in Hannover

(Foto: dpa)
  • Die Zukunft von Kaufhof entscheidet sich in den kommenden Tagen. Entweder erhält René Benko den Zuschlag - oder der kanadische Konzern Hudson's Bay Company.
  • Nun wurde bekannt, dass Benko drei Karstadt-Luxuskaufhäuser an einen thailändischen Konzern verkauft. Die Immobilien behält Benko allerdings.
  • In Branchenkreisen wird Benkos Vorstoß als taktischer Schachzug gewertet. Benko wolle so seine Kompetenz im Warenhausgeschäft unterstreichen.

Bis die Entscheidung fällt, kann es sich nur noch um Tage handeln. Spätestens Ende Juni könnte dem Vernehmen nach klar sein, wie die Zukunft der Warenhauskette Kaufhof aussieht. Ob der nordamerikanische Kaufhauskonzern Hudson's Bay Company den Zuschlag erhält oder aber Karstadt-Eigner René Benko und seine Immobilien- und Handelsgruppe Signa Retail. Der Bieterkampf ist in vollem Gange. Es gilt, den Kaufhof-Eigentümer Metro zu überzeugen.

Am Dienstag gab Benko überraschend bekannt, dass die Mehrheit an den drei gut laufenden Karstadt-Luxuskaufhäusern, Oberpollinger in München, Alsterhaus in Hamburg und Kadewe in Berlin, verkauft ist. Ab sofort hält die italienische Luxuskaufhauskette La Rinascente, die zum thailändischen Handelskonzern Central Group gehört, 50,1 Prozent an der Kadewe-Gruppe. Benkos Firma Signa Retail werde aber langfristig mit 49,9 Prozent beteiligt bleiben, beteuerte Benko. Bei wichtigen strategischen Entscheidungen sei Einstimmigkeit vereinbart. Dabei geht es um den Betrieb der Warenhäuser. Die Immobilien bleiben weiter in Besitz von Benko.

Die Pläne sind jedenfalls ehrgeizig: Einen europäischen Marktführer in der Luxusklasse wollen die beiden Partner formen und gemeinsam einen dreistelligen Millionenbetrag investieren. Es werde intensiv geprüft, Wettbewerber in Deutschland und der Schweiz zu übernehmen, heißt es. La-Rinascente-Chef Vittorio Radice und Kadewe-Group-Manager André Maeder sollen gemeinsam die Führung übernehmen.

Für den Rest von Karstadt, also die rund 80 Warenhäuser sowie die Sport-Häuser der Gruppe, soll sich mit dieser Partnerschaft nichts ändern. Benko hatte die Trennung der in "The Kadewe Group" gebündelten Luxuskaufhäuser von den mehr als 80 übrigen Filialen schon länger vorangetrieben. Er wollte die drei Luxushäuser aufwerten und dazu Sortimente wie Schuhe, Schmuck und den Feinschmeckermarkt ausbauen.

René Benko Mehrheit an Oberpollinger, Alsterhaus und Kadewe verkauft
René Benko

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Sie sind die Luxuskaufhäuser des Karstadt-Konzerns. Jetzt verkauft Eigentümer René Benko die Mehrheit an ihnen an den italienischen Konzern La Rinascente.   Von Kirsten Bialdiga, Düsseldorf

In Branchenkreisen wird Benkos Vorstoß als taktischer Schachzug gewertet. Mit La Rinascente im Rücken wolle der 38-jährige Österreicher seine Kompetenz im Warenhausgeschäft unterstreichen und Kritiker in den Reihen des Kaufhof-Verkäufers Metro überzeugen. Schon am Sonntag hatte Karstadt-Chef Stephan Fanderl Jobgarantien in Aussicht gestellt und so versucht, die Arbeitnehmer auf seine Seite zu ziehen. Sie fürchten im Fall eines Zusammenschlusses von Karstadt und Kaufhof um ihre Arbeitsplätze. "Wir schließen keine Standorte", hatte Fanderl gesagt. An Doppelstandorten mit Kaufhof- und Karstadt-Filialen könnten künftig unterschiedliche Sortimente angeboten werden, wenn Signa Kaufhof übernehme.

Handelsexperten hatten hingegen immer wieder darauf hingewiesen, dass ein Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof vor allem dann sinnvoll sei, wenn Doppelstandorte geschlossen werden - um Einsparungen zu erzielen und die Konkurrenzsituation zu verbessern. Auch sei fraglich, ob das Versprechen von Jobgarantien im Bieterkampf um Kaufhof Benko einen Vorsprung verschaffen könnten. Denn der Metro-Konzern hatte laut Insidern zuvor ohnehin schon Beschäftigungsgarantien für die Käufer zur Bedingung gemacht. Jeder Interessent für Kaufhof müsse ein schlüssiges Konzept vorlegen, hatte Metro-Chef Olaf Koch gesagt.

Kaufhof Mit Luxus zurück zum Erfolg
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Konkurrenz für René Benko: Die Handelskette Hudson's Bay steht vor dem Einstieg ins Rennen um Kaufhof. Die Kanadier haben bereits ein Konzept, wie sie die deutschen Warenhäuser künftig ausrichten könnten.   Von Kirsten Bialdiga

Das Rennen um die Metro-Tochter ist offen - auch die Kanadier bringen sich in Stellung

Es bleibt also spannend, das Rennen um Kaufhof. Erst vor wenigen Tagen hatte die nordamerikanische Hudson's Bay ihr Interesse an Kaufhof nochmals deutlich gemacht. Für die Kanadier wäre die Kaufhof-Übernahme ihr erster Schritt nach Europa. In größerem Ausmaß Filialen zu schließen, würde für sie wohl keinen Sinn ergeben. Ziel ist es vor allem, Kaufhof profitabler zu machen, in die Häuser zu investieren und den Onlinehandel nach vorn zu bringen. Hudson's Bay kann mit langer Erfahrung im Handelsgeschäft aufwarten und damit punkten, in jüngster Zeit verschiedene Kaufhausketten übernommen und erfolgreich integriert zu haben.

Nur ein Beteiligter kann sich in dieser Situation schon jetzt entspannt zurücklehnen. Es ist Tos Chirathivat, der Chef des thailändischen Handelsriesen Central Group aus Bangkok. Vor vier Jahren übernahm er die italienische La Rinascente, nun gehört ihm auch noch die Mehrheit an der Kadewe Group, dem Filetstück des gesamten Karstadt-Konzerns. Elf glamouröse Warenhäuser betreibt La Rinascente in ganz Italien. Zusammen mit der dänischen Illum erwirtschaftet die Gruppe derzeit rund 600 Millionen Euro Umsatz und beschäftigt rund 1600 Mitarbeiter.

Für Chirathivat war schon die italienische Luxuskaufhauskette ein Glücksgriff: Der Einstieg in Mailand war sein erster Vorstoß nach Europa. Für 260 Millionen Euro legte sich der Asiate das 150 Jahre alte Kaufhaus-Unternehmen aus der Modemetropole zu. "Wenn wir La Rinascente besitzen, steht uns die Tür offen", sagte der Spross einer der mächtigsten Unternehmerfamilien Thailands damals. Mit der Mehrheit an der Kadewe Group hat er das nun bewiesen.