Japan: Katastrophe Toyota stellt Fertigung in Europa vorübergehend ein

Japans Regierung hat ihre Wirtschaftsprognose erstmals seit sechs Monaten nach unten korrigiert. Auch der Autohersteller Toyota kämpft mit den Folgen der Katastrophe. Unterdessen schwanken in Tokio erneut die Häuser.

Der weltgrößte Autobauer Toyota stellt wegen Engpässen beim Teilenachschub in Folge der Katastrophe in Japan die Fertigung an fünf europäischen Standorten vorübergehend ein. Wie das Unternehmen bekanntgab, sind davon Montageanlagen und Motorfabriken in Großbritannien, Montagewerke in Frankreich und der Türkei sowie ein Motorenwerk in Polen betroffen. Der Betrieb werde zwischen dem 21. April und 2. Mai für fünf Tage ausgesetzt, hieß es.

Atomkatastrophe in Japan

Minamisoma, die Geisterstadt

Toyota hatte bereits zuvor angekündigt, Ende des Monats die Produktion in den meisten seiner 14 Werke in Nordamerika für vier bis fünf Werktage einzustellen. Bisher greift Toyota auf seine Teilelager zurück. Die Teilelieferanten in der japanischen Heimat leiden jedoch weiter unter den Folgen der Katastrophe, was sich auf Toyotas Produktion auswirkt.

Derweil ist in Hamburg das erste Containerschiff, das nach dem Tsunami den Hafen von Tokio verlassen hat, angekommen. Die MOL Majesty wird seit Dienstagabend am Containerterminal Altenwerder entladen. Die Wasserschutzpolizei habe auf dem Schiff vorsorglich die Radioaktivität gemessen, sagte der Deutschland-Chef der Reederei. Es sei jedoch keine erhöhte Strahlung festgestellt worden. Das war auch nicht zu erwarten, da das Schiff die japanischen Gewässer bereits verlassen hatte, als erstmals radioaktive Substanzen aus dem Reaktor Fukushima ausgetreten sind.

Die japanische Regierung hat nun ihre Einschätzung der allgemeinen Wirtschaftslage im Land wegen der Katastrophe erstmals seit sechs Monaten nach unten korrigiert. Das Erdbeben und der Tsunami vom 11. März hätten erhebliche Auswirkungen auf die wichtigen Exporte, die Produktion und den Privatverbrauch, hieß es.

Nachbeben in Tokio

Die Natur gönnt den Menschen in Japan unterdessen keine Atempause: Der Nordosten des Landes ist am Mittwoch wieder von einem starken Nachbeben erschüttert worden. Nach Meldungen des Fernsehens erreichte das Beben eine Stärke von 5,8 - eine Tsunami-Warnung wurde jedoch nicht herausgegeben. Augenzeugen berichteten, erneut hätten auch in der Metropole Tokio Häuser geschwankt. Berichte über Verletzte oder Schäden lagen zunächst nicht vor.

Währenddessen kämpfen die Techniker im zerstörten Kernkraftwerk Fukushima-1 weiter verzweifelt gegen den Super-GAU: Dazu pumpen die Männer weiter hochgradig verseuchtes Wassers am Reaktor 2 ab. Mit Hilfe von Behelfspumpen leiten sie Wasser, das sich in einem Tunnelschacht des Reaktors angesammelt hat, in einen Auffangbehälter des Turbinengebäudes, wie die Nachrichtenagentur Jiji Press meldete. Die verseuchten Brühe behindert die Bemühungen zur Kühlung der Reaktoren.

Japan hatte am Vortag die Strahlengefahr genauso hoch eingestuft wie bei der ukrainischen Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren. Es gibt jedoch auch Experten, die der japanischen Einschätzung widersprechen. So ist die Gefahr, die von den japanischen Reaktoren ausgeht, aus Sicht der Internationalen Atomenergie-Behörde IAEA nicht so groß wie in der Sowjetunion 1986.

Derweil gehen die Aufräumarbeiten in der Unglücksregion weiter. Der Flughafen Sendai nahm am Mittwoch seinen Betrieb teilweise wieder auf. Der Airport war von dem Jahrhundert-Tsunami vor etwa einem Monat überschwemmt worden. Die Wiedereröffnung des Flughafens macht es für Helfer aus dem Großraum Tokio und dem Westen des Landes einfacher, in die Unglücksregion zu gelangen.

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