Autoversicherung:Durchschnittlich 49 km/h schnell

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Autoversicherung: Ein Blechschaden nach einem Unfall. Ohne Versicherung kann die Reparatur sehr teuer werden.

Ein Blechschaden nach einem Unfall. Ohne Versicherung kann die Reparatur sehr teuer werden.

(Foto: Armin Weigel/picture alliance / dpa)

Die Huk-Coburg hat 528 Millionen Autofahrten analysiert: Die meisten sind kurz, die Geschwindigkeit niedrig. Für den Versicherer sind das wertvolle Erkenntnisse.

Von Herbert Fromme, Köln

Bei einer durchschnittlichen Autofahrt in Deutschland bewegen Fahrerin oder Fahrer ihr Fahrzeug über 14 Kilometer und erreichen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 49 Kilometern in der Stunde. Das hat der größte Autoversicherer Huk-Coburg bei seinen Telematik-Tarifen gemessen.

Nun fahren die Kunden mit Telematik-Tarif möglicherweise langsamer als Autofahrer, die mit 200 Stundenkilometern über die Autobahn heizen. Dennoch zeigen die Daten, dass im Schnitt sowohl die Länge der Fahrten als auch die Geschwindigkeit moderat sind.

Rund 450 000 der in Coburg versicherten Autos haben derzeit einen kleinen Sensor an der Windschutzscheibe, der Beschleunigung, Geschwindigkeit und Position erhebt und mithilfe des Handys an den Versicherer sendet. Ab April meldet der Sensor auch Unfälle. Wer gut fährt, erhält Rabatte. Insgesamt hat das Huk-System in den vergangenen Jahren 528 Millionen Fahrten mit 7,4 Milliarden Kilometern und 4,7 Billionen Beschleunigungspunkten ausgewertet.

Künftig wollen die Coburger auch Policen unter der Marke von Dritten anbieten

Für die Huk-Coburg sind die Daten von größter Bedeutung, um zu verstehen, woher Schäden kommen und wie sie vermieden werden könnten. Der Marktführer, der 2021 um 430 000 auf 13,4 Millionen versicherte Fahrzeuge zulegte, hat die Allianz schon lange abgehängt. Der größte deutsche Versicherer stagnierte in der Kernsparte Kfz-Versicherung 2021 bei 8,7 Millionen Stück.

Digitale Neuerungen sind für die Coburger dabei der entscheidende Hebel. Sie kamen Jahre vor der Allianz mit einem eigenen Versicherer für Online-Abschlüsse auf den Markt. Jetzt will Konzernchef Klaus-Jürgen Heitmann weitere Geschäftsfelder mit digitalen Mitteln erobern. Mit dem saarländischen Start-up Neodigital gründet er gerade einen neuen Autoversicherer, der künftig auch unter der Marke von Dritten Policen anbietet.

Wenn ein Versicherer selbst keine Lust mehr hat, das komplexe und kostenintensive Geschäft mit der Autoversicherung zu betreiben, kann er das dem Gemeinschaftsunternehmen von Neodigital und Huk-Coburg überlassen - aber seine eigene Marke draufkleben und eine Provision kassieren. Es muss nicht bei Versicherern bleiben: "Wenn Tchibo sagt, ich möchte über meine Filialen Autoversicherung anbieten, wäre auch das grundsätzlich denkbar", sagt Heitmann.

Inzwischen sind die Coburger außerdem in das Geschäft mit Gebrauchtwagen eingestiegen und bieten Auto-Abos an. Über den Versicherer können Kunden auch Werkstattleistungen, die nichts mit einem Unfall zu tun haben, günstiger buchen. Für solche Dienstleistungen baut die Huk-Coburg zusammen mit den Rivalen HDI und LVM sogar eine eigene digitale Plattform auf: Onpier soll Versicherer, andere Interessierte und Dienstleister zusammenbringen. Dann kann auch ein kleiner Anbieter ohne eigenes Werkstattnetz seinen Kunden zum Beispiel einen günstigen Reifenwechsel anbieten.

Es geht Heitmann immer darum, so viele Kontaktpunkte wie möglich zu seinen Kunden aufzubauen. Er befürchtet, dass die ebenfalls in der Kfz-Versicherung aktiven Autohersteller oder andere branchenfremde Konzerne den Versicherern die Kunden wegnehmen könnten.

2021 ist gut gelaufen für die Gesellschaft, auch wenn die durchschnittlichen Prämien beim Marktführer um rund drei Prozent gesunken sind. Der Trend dürfte bei vielen Gesellschaften ähnlich sein, zumindest stagnieren die Preise. Ein Grund: 2020 und 2021 sorgte Corona dafür, dass weniger gefahren wurde und es deshalb nicht so viele Unfälle gab.

2022 könnte das wieder anderes werden, warnt Heitmann. Dazu kommen mögliche Belastungen durch Kapitalmarktturbulenzen, die in Folge des Ukraine-Krieges auf die Versicherer zukommen. "Dann steigt der Druck", sagt Heitmann. Das könnte 2023 wieder für Preiserhöhungen sorgen.

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