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Hauptversammlung bei Bayer:Bayer drohen Proteste wegen Monsanto-Übernahme

Demonstrator take part during a protest against Monsanto Co in Bogota

Während der Bayer-Hauptversammlung in Bonn werden viele Demonstranten erwartet, die gegen die Monsanto-Übernahme protestieren.

(Foto: REUTERS)
  • Bei der heutigen Hauptversammlung des Chemiekonzerns Bayer werden auch große Demonstrationen gegen die Monsanto-Übernahme erwartet.
  • Bauern, Ärzte, Umweltschützer und Globalisierungskritiker wollen dagegen protestieren, dass der Markt für Saatgut, Pestizide und ähnliche Produkte von riesigen Unternehmen beherrscht wird.
  • Die Aktionäre von Bayer können nicht über die Monsanto-Übernahme abstimmen. Sie dürfen höchstens dem Management ihre Meinung sagen.

Die alte Kartoffeldampfmaschine steht schon in Bonn. Bauer Gerhard Portz kam damit von der Mosel. Früher kochten die Bauern in so einer Maschine die Kartoffeln für ihre Schweine. "Wir haben die Kartoffeldampfmaschine zu einer Patentverbrennungsmaschine umgebaut", sagt Georg Janßen, 61, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Dass die Konzerne Patente auf Pflanzen besitzen, ist eine der Sorgen von Janßen und Portz.

An diesem Freitag steht die Protestmaschine am Platz der Vereinten Nationen. Die Aktionäre des Pharma- und Chemie-Konzerns Bayer müssen auf dem Weg zur Hauptversammlung im World Conference Center daran vorbeilaufen - an der Maschine und den Plakaten der vielen Menschen, die gegen die Übernahme von Monsanto durch Bayer demonstrieren wollen. 66 Milliarden Dollar bietet der deutsche Konzern für das US-Unternehmen. Es ist einer von drei großen Zusammenschlüssen, die derzeit in der Agrochemie-Branche laufen. Auch die beiden US-Konzerne Dupont und Dow Chemical tun sich zusammen und der chinesische Staatskonzern Chem China kauft den Schweizer Saatgut-Spezialisten Syngenta. Es geht um viel Geld, ein Monopoly-Spiel auf dem Acker. Aus sechs mach drei Konzerne mit mehr Macht über das, was die Landwirte auf ihren Feldern säen und ausbringen, was Menschen essen und wie sie leben.

Gegen die neuen Mächte demonstrieren am Freitag auf dem Platz vor der Halle Imker, Bauern, Kirchenleute, Gewerkschafter, Politiker, Kritiker von Globalisierung und Kapitalismus, Umweltschützer, Ärzte und kritische Aktionäre. Sie sehen in den Giganten auch eine Gefahr für sozialen Frieden und Demokratie, denn Menschen, die hungern, weil sie sich Lebensmittel nicht leisten oder selbst erzeugen können, begehren auf. Hunger und die wachsende Weltbevölkerung sind auch Argumente der Konzerne.

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Die AbL hat 5000 Mitglieder, ein Winzling im Vergleich zum Deutschen Bauernverband. Der kleine und der große Verband nehmen für sich in Anspruch, für die Bauern zu sprechen. Bauer ist kein gesetzlich geschützter Begriff. Jeder darf sich so nennen, egal ob er zehn Hektar bewirtschaftet oder einige Hundert, egal ob er zehn Schweine mästet oder Tausende, egal ob er konventionell wirtschaftet mit synthetischen Herbiziden, Dünger und Antibiotika oder auf all das verzichtet.

Janßen ist seit mehr als drei Jahrzehnten Geschäftsführer der AbL. In der Organisation sind sowohl konventionelle als auch Bio-Bauern Mitglied, bloß bäuerlich müssen sie sein. Und bäuerlich bedeutet für Janßen einen schonenden Umgang mit der Natur und eine überschaubare Größe. Aber wie groß darf ein Hof sein, um als bäuerlich zu gelten? Janßen will sich nicht festlegen. Für den Lobbyisten stehen Bayer und Monsanto jedenfalls nicht für einen schonenden Umgang mit Menschen, Tieren, Pflanzen und Böden, sondern für eine ausbeutende industrielle Landwirtschaft.

Der Agrar-Ingenieur hat viele Kämpfe gefochten. "Die Menschen wünschen sich einen Systemwechsel", ist Janßen überzeugt. Er hat auch die Organisation "Wir haben es satt" mitgegründet. Zur Demonstration im Januar während der Grünen Woche in Berlin kamen 18 000 Menschen. Janßen ist kein lauter Mann. Er weiß, dass sich der Wandel nur langsam vollzieht. Er redet leise, aber eindringlich. "Ich bin geduldig und ungeduldig zugleich, ungeduldig wenn es um die Sauereien in der Welt geht", sagt er.

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Am Platz der Vereinten Nationen hat im alten Bundeshaus auch der Crop Trust, der Welttreuhandfonds für Kulturpflanzen, seinen Sitz. Der Fonds will die Artenvielfalt sichern. In einem Berg auf Spitzberger unterhält er eine Saatgutbank, dort sollen fast 900 000 Sorten lagern. Auf der weißen Fahne, die im Wind flattert, ist die "Mission" der Organisation zu lesen, "Securing our food forever". Das ist ein großes Versprechen, und es klingt, wie das Versprechen der Konzerne die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung sichern. Im Rat der Spender sind viele Länder vertreten, aber auch Saatgutfirmen wie Syngenta, Dupont Pioneer, KWS Saat und - indirekt über den Verband Crop Life International - noch ein paar mehr, unter anderem Bayer, Monsanto, Basf und Dow.