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Handelsstreit zwischen USA und China:Neue Strafzölle könnten Apple-Produkte treffen

Donald Trump und Tim Cook

Apple-Chef Tim Cook im vergangenen Jahr bei einem Gespräch mit US-Präsident Trump.

(Foto: Alex Brandon/AP/DPA)
  • Auch iPhone-Hersteller Apple warnt die Trump-Regierung vor weiteren Strafzöllen gegen China.
  • Dies könne Produkte wie die Apple Watch sowie Lautsprecher und Kopfhöhrer des Konzerns für amerikanische Konsumenten teurer machen.
  • Zu den Folgen für das iPhone äußerte sich der Konzern nicht. Trump soll Apple-Chef Cook einem Medienbericht zufolge zugesichert haben, das Smartphone von Zöllen zu verschonen.

Der iPhone-Hersteller Apple hat die Regierung von Donald Trump vor neuen Strafzöllen gegen China gewarnt. Nach Angaben des Konzerns würden die geplanten Maßnahmen im Umfang von 200 Milliarden Dollar pro Jahr zu höheren Preisen für amerikanische Verbraucher führen. Betroffen sei voraussichtlich eine "breite Palette" an Produkten, darunter die Apple Watch sowie bestimmte Kopfhörer und Lautsprecher, heißt es in einem auf Mittwoch datierten Schreiben des Konzerns an den US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer.

Ob die geplanten Zölle auch das iPhone treffen könnten, teilte das Unternehmen nicht mit. Konzernchef Tim Cook soll allerdings schon vor Monaten eine Zusage von Trump bekommen haben, wonach das umsatzstärkste Apple-Produkt von den Importzöllen ausgenommen bliebe, berichtete die New York Times. Apple lässt das Smartphone wegen der niedrigen Lohnkosten in China produzieren, ein Importzoll von zehn oder gar 25 Prozent wäre ein harter Schlag für den Konzern.

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Trump hat gegen China bereits Strafzölle auf Waren im Wert von 50 Milliarden Dollar verhängt und steht nun kurz davor, die Maßnahmen auf weitere Waren im Wert von 200 Millliarden Dollar auszuweiten. Die entsprechende Anhörungsfrist lief am Donnerstag ab. Sollte Trump die neuen Strafen verhängen, wäre etwa die Hälfte aller Einfuhren aus China mit zusätzlichen Zöllen belegt. China kündigte bereits an, umgehend zu kontern - mit Strafzöllen auf US-Importe im Wert von 60 Milliarden Dollar. China importiert aus den USA lediglich Waren im Wert von 130 Milliarden und kann nicht in selber Höhe zurückschlagen. Das Land hätte aber die Möglichkeit, höhere Zollsätze zu verlangen oder in China ansässige US-Konzerne zu gängeln.

Am Freitag drohte Trump vor Journalisten erneut mit noch härteren Maßnahmen gegen das Land. Die 200 Milliarden Dollar, die jetzt schon Thema seien, könnten sehr bald umgesetzt werden, sagte er an Bord der Air Force One. "Und ich hasse es, das zu sagen, aber dahinter sind weitere 267 Milliarden Dollar, die kurzfristig angeordnet werden können, wenn ich es will." Sollte Trump diese Drohungen wahr machen, wären die gesamten Importe aus China in Höhe von zuletzt gut 500 Milliarden Dollar mit Strafzöllen belegt. Dann ließe sich wohl auch das iPhone nicht mehr verschonen.

Im Kern geht es Trump um Chinas Industriepolitik

Neben Apple warnten auch Konzerne wie Dell oder Hewlett Packard vor den Folgen von Trumps Handelspolitik. Zölle auf Netzwerkgeräte etwa würden die Preise für Konsumenten erhöhen und möglicherweise auch zu Jobverlusten führen, heißt es in einem Brief, den die Konzerne an den US-Handelsbeauftragten schickten. Sollte die Regierung Zölle in Höhe von zehn bis 25 Prozent einführen, "würde dies einen großen, unverhältnismäßigen wirtschaftlichen Schaden" anrichten.

Der Einzelhandelsverband "National Retail Federation" (NRF) beziffert die Kosten für amerikanische Kunden auf etwa sechs Milliarden Dollar pro Jahr. "Strafzölle werden China nicht von seinen unfairen Praktiken abbringen", sagte NRF-Vertreter Jonathan Gold bei einer Anhörung des US-Handelsbeauftragten. Auch in der republikanischen Partei ist das Unbehagen über Trumps Handelspolitik zuletzt gewachsen. Doch bislang sieht es nicht so aus, als würde der Präsident seinen Kurs ändern.

Es ist nicht nur das große Handelsdefizit, das Trump gegen China aufbringt. Im Kern geht es um die Industriepolitik des Landes. Trump wirft China den Diebstahl geistigen Eigentums von US-Unternehmen vor. Im Zentrum seiner Kritik steht Pekings Zukunftsstrategie "Made in China 2025": Die Parteikader haben darin mehrere Bereiche definiert, in denen das Land künftig führend sein soll, darunter der Bau von Autos und Flugzeugen sowie die Pharmaindustrie. Trump sieht dieses Programm als Angriff auf die wirtschaftliche Vormachtstellung der USA.

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