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Corona-Krise:Britische Wirtschaft bricht um mehr als 20 Prozent ein

FILE PHOTO: The spread of the coronavirus disease (COVID-19), in London

Abstandhalter in der Londoner Innenstadt: Die britische Wirtschaft wurde von der Corona-Krise besonders hart getroffen.

(Foto: REUTERS)

Die Pandemie trifft das Land härter als jede andere große Industrienation: In den vergangenen Monaten schrumpfte die Wirtschaft Großbritanniens so stark wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen.

Die britische Wirtschaft ist im Frühjahr wegen der Corona-Pandemie in einem Rekordtempo abgestürzt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) brach von April bis Juni um 20,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal ein. Nach Angaben der britischen Statistikbehörde ist dies der stärkste Rückgang in einem Quartal seit Beginn der Aufzeichungen im Jahr 1955. Kein anderes großes Industrieland hat ein so starkes Minus gemeldet. In Europa traf es Spanien mit einem Rückgang von rund 19 Prozent allerdings ähnlich hart. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal mit 10,1 Prozent nur etwa halb so stark. Auch die US-Wirtschaft brach in dieser Größenordnung ein.

Da die britische Wirtschaft bereits im vorangegangenen Vierteljahr schrumpfte, befindet sie sich nun auch offiziell in der Rezession. Die Pandemie hat Großbritannien besonders stark zugesetzt: Bislang wurden der Johns Hopkins University zufolge 313 394 Infektionen festgestellt, 46 611 starben an Covid-19. Die Regierung von Premierminister Boris Johnson hatte nach anfänglichem Zögern einen harten Lockdown durchgesetzt, der weite Teile der Wirtschaft zum Erliegen brachte.

Zuletzt ging es aufwärts

Inzwischen gibt es aber auch Signale, dass die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt mit der Aufhebung vieler Beschränkungen wieder wächst. Im Juni allein legte sie um 8,7 Prozent gegenüber Mai zu, wie das Statistikamt betonte. "Die Wirtschaft begann sich im Juni zu erholen", sagte Jonathan Athow vom Office for National Statistics. "Trotzdem liegt das BIP immer noch ein Sechstel unter dem Niveau vom Februar, bevor das Virus zuschlug."

Nach Prognose der britischen Notenbank wird das Bruttoinlandsprodukt dieses Jahr insgesamt um 9,5 Prozent fallen - ein Konjunktureinbruch, wie ihn Großbritannien seit rund 100 Jahren nicht mehr erlebt hat. Im kommenden Jahr soll dann ein Wachstum von neun Prozent folgen. Die Krise hinterlässt deutliche Spuren am Arbeitsmarkt: Im zweiten Quartal wurden so viele Jobs vernichtet wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Die Zahl der Beschäftigten fiel von April bis Juni um 220 000.

© SZ vom 13.08.2020
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