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Gipfeltreffen zur Energiewende:Die Zeiten sind vorbei, in denen Konzerne Gesetze mitschrieben

Der Atomausstieg muss perfekter als perfekt werden. Jedes Hintertürchen weckt nur unnötige Erinnerungen an Zeiten, in denen die Konzerne die Gesetze noch mitschrieben.

Ein Konsens, so er denn den Namen am Ende auch verdient, wirkt in alle Richtungen. Er umfasst all jene, die noch vor zwei Jahren an Wahlkampfständen die Vorzüge der Kernenergie priesen, jetzt aber mit dem Tempo des Umschwungs kaum noch mitkommen. Er betrifft Industriebetriebe, die kaum glauben können, dass auch Wind und Sonne einmal günstig und verlässlich Strom bereitstellen können, aber auch Stromkonzerne, die plötzlich vor den Scherben ihres Geschäftsmodells stehen.

Der Lohn wäre eine Modernisierung dieses Landes

Und er fordert die Anti-Atom-Bewegung heraus, für die jedes Jahr mit Atom eines zu viel ist: Selbst die Gegner werden einsehen müssen, dass es immer noch besser ist, das letzte Kernkraftwerk 2022 dichtzumachen als erst 2040. Die Umweltbewegung hat die Kehrtwende mit erstritten. Nun muss sie beweisen, dass sie konstruktiv am Ausstieg mitwirken kann.

Der Lohn wäre eine Modernisierung dieses Landes. Denn die Machtfrage Atom war stets auch eine Strukturfrage; die Entscheidung für die Atomkraft war eben immer auch eine zugunsten von Konzernstrukturen. Nun aber dürften immer häufiger erneuerbare Energien in Konkurrenz auch zu großen Kohlekraftwerken treten. Flexible Gaskraftwerke werden einspringen müssen, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Das nützt nicht nur dem Klima, es öffnet auch neuen Stromanbietern die Türen.

Der Wettbewerb nicht nur um Stromkunden, sondern auch um den effizienten Umgang mit Energie wird wachsen. Kunden werden zu Erzeugern, mit dem Mini-Kraftwerk im Keller.

Die Debatte im Herbst 2010 hat die bestehenden Strukturen konserviert, die Debatte im Frühjahr 2011 aber verändert das Land. Und die Kanzlerin dürfte am Ende um eine wesentliche Erkenntnis reicher sein: Entscheidungen über die Zukunft treffen sich einfach viel besser mit vielen als mit vieren.

© SZ vom 06.05.2011/jobr

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