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General Motors vor dem Börsengang:Phönix aus dem Schrotthaufen

General Motors muss so schnell wie möglich wieder ein normales börsennotiertes Unternehmen werden. Entscheidend ist aber, dass die Aktien zu einem vernünftigen Preis verkauft werden.

Nikolaus Piper

Erinnert sich noch jemand an die bitteren Tage im November? General Motors hatte den Verkauf seiner deutschen Tochter Opel an den Zulieferer Magna abgesagt, und ganz Deutschland war empört über den Konzern aus Detroit - Politiker, Gewerkschaften und die betroffenen Arbeitnehmer sowieso. Der Niedergang von Opel und die Leiden der Belegschaften schienen immer weiter zu gehen.

General Motors - Opel

General Motors will wieder an die Börse. Für Obamas Wirtschaftsteam und das GM-Management kommt es jetzt aber darauf an, Erfolge nicht unter politischem Druck zu gefährden.

(Foto: dpa)

All das ist heute vergessen. Der Pleitekonzern GM schreibt wieder Gewinne, verzichtet auf weitere Staatshilfen, investiert in Europa und hat sich jetzt sogar zu Strafzahlungen verpflichtet für den Fall, dass die Investitionszusagen nicht eingehalten werden. Und noch in diesem Jahr wird GM als rundum erneuertes Unternehmen an die Börse zurückkehren.

Hinter all dem steht eine erstaunliche Erfolgsgeschichte: der Wiederaufstieg von GM aus der Pleite. Es ist zunächst ein Erfolg für Barack Obama. Der Präsident stand bei Amtsantritt 2009 vor der Alternative, GM mitten in der Finanzkrise untergehen zu lassen und dabei unkalkulierbare Risiken einzugehen. Oder aber immer weiter Steuermilliarden in ein Fass ohne Boden zu zahlen. Obama entschied sich für eine dritte Lösung: GM ging in den staatlich kontrollierten, "chirurgischen" Konkurs; der einst größte Autobauer der Welt wurde für befristete Zeit zum Staatsunternehmen, das Weiße Haus setzte das alte Management ab und bestellte ein neues.

Das Wagnis zahlte sich aus. Durch den Konkurs reduzierten sich GMs Schulden und Kosten dramatisch. Der von Obama berufene Chef, Ed Whitacre, ein ruppiger Texaner, der seine Karriere in der Telefonindustrie gemacht hat, räumte mit der Bürokratie in der GM-Zentrale auf, verkürzte Entscheidungswege und stärkte die Verantwortung der einzelnen Manager. Plötzlich kann GM wieder Autos mit Gewinn verkaufen. Die Chancen, dass der Konzern auch die Sanierung von Opel schafft, stehen gut.

Es ist fast ein kleines Wunder. Trotzdem sind zwei Vorbehalte nötig. Erstens hat das neue GM-Management zwar die alten Strukturen in Detroit beseitigt, doch ob das Unternehmen in den neuen Strukturen auch konkurrenzfähige Autos bauen kann, muss sich erst noch zeigen. Bisher verkauft GM lediglich die alten Modelle zu niedrigeren Kosten und mit besserem Marketing. Das ist nicht wenig, reicht aber nicht aus. Zum Beispiel hängt GM noch viel zu sehr vom Verkauf benzinschluckender Kleinlaster und Geländewagen ab. Zukunftsfähig ist der Konzern erst, wenn er es versteht, sparsame und umweltfreundliche Autos aller Klassen zu vernünftigen Kosten auf den Markt zu bringen. Die Entwickler bei Opel in Rüsselsheim werden bei diesem Test eine Schlüsselrolle spielen.

Zweitens ist die Operation GM zwar ein ökonomischer Erfolg, politisch hat sie Obama aber nicht geholfen. Im Gegenteil: Die Tatsache, dass GM und der Konkurrent Chrysler, wo die Sanierung wesentlich weniger gut läuft, immer noch Staatsunternehmen sind, trägt zur Frustration und zur Wut vieler Amerikaner auf Washington bei. Wenn nichts geschieht, werden die Demokraten bei den Kongresswahlen im November eine verheerende Wahlniederlage erleiden. Obama braucht also gute Nachrichten, und eine solche gute Nachricht wäre der Börsengang von GM. Dieser Börsengang bekommt damit ein gewaltiges politisches Gewicht, was der Sache nicht guttut.

Keine Frage: General Motors muss so schnell wie möglich wieder ein normales börsennotiertes Unternehmen werden. Entscheidend ist aber, dass die Aktien bei einem der größten Börsengänge in der US-Geschichte zu einem vernünftigen Preis Käufer finden. Dies hängt nicht nur von GM ab, sondern auch von der Verfassung der Aktienmärkte insgesamt. Wie die im Herbst sein wird, weiß heute niemand. Für Obamas Wirtschaftsteam und das GM-Management kommt es jetzt darauf an, Erfolge nicht unter politischem Druck zu gefährden.

© SZ vom 18.08.2010/mel
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