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Geldpolitik:Was die Fed-Entscheidung für Deutschland bedeutet

Die US-Notenbank erhöht den Leitzins. Warum jetzt unter anderem deutsche Aktienkurse steigen.

Die Fed erhöht den Leitzins - wieso steigen nun in Deutschland die Aktienkurse?

Die Zinserhöhung in den USA gilt als Signal der Stärke. Amerikas Wirtschaft wächst, obwohl China schwächelt. Sonst hätte die US-Notenbank Federal Reserve den Schritt nicht getan. Mehr Wirtschaftswachstum bedeutet potenziell höhere Unternehmensgewinne. Darauf schaut die Börse. Der Dax legte am Vormittag 2,7 Prozent zu und näherte sich wieder der Marke von 11 000 Punkten. Auch an anderen Börsen in Europa stiegen die Kurse.

Wie reagiert die EZB auf die Zinswende in den USA?

Die EZB bleibt auf ihrem Kurs. Sie wird den Leitzins wohl noch die kommenden zwei Jahre bei 0,05 Prozent belassen. Gleichzeitig läuft das Anleihekaufprogramm weiter: Bis mindestens März 2017 sollen monatlich 60 Milliarden Euro in den Markt gepumpt werden, insgesamt 1,5 Billionen Euro. "Wenn es dann nicht reicht, können wir weitermachen", sagte EZB-Präsident Mario Draghi zuletzt. Solange das Programm läuft, wird die EZB den Leitzins nahe null lassen. Ziel der EZB-Maßnahmen ist es, die Konjunktur anzuschieben und die Mini-Inflation im Euro-Raum nach oben zu treiben.

Was bedeutet das für Deutschland?

Die Billiggeld-Ära geht weiter. Sparer werden weiterhin unter niedrigen Zinsen leiden. Andererseits gibt es günstige Immobilien- und Verbraucherkredite. Auch der deutsche Staat kann sich günstig verschulden.

EZB und Fed gehen unterschiedliche Wege: Passiert das häufiger?

Das gab es zuletzt Ende der 1980er Jahre. Damals war die Konjunkturentwicklung gegenläufig: In den USA gab es eine Rezession, in Deutschland boomte die Wirtschaft aufgrund der Wiedervereinigung. Die Fed senkte die Zinsen, die Bundesbank erhöhte die Sätze. Daraufhin kam es zu heftigen Turbulenzen am Währungsmarkt. Das britische Pfund wertete drastisch ab und musste das damalige europäische Wechselkurssystem verlassen. Auch die italienische Lira kam unter Druck. Dieses Mal sind die Konjunkturaussichten ähnlich unterschiedlich, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen: Europa hinkt den USA bei der wirtschaftlichen Entwicklung hinterher.

Was bedeutet die US-Zinswende für Europa?

Die höheren Zinsen locken Kapital in die USA. Dadurch steigt die Dollar-Nachfrage. Der Wert der US-Währung nimmt zu, der Euro bleibt dagegen schwach. Europas Einheitswährung hat seit Frühjahr 2014 gut 20 Prozent gegenüber den Dollar verloren. Der Euro geriet wenige Stunden nach der Zinsanhebung in den USA auch wieder unter Druck und kostete rund 1,08 Dollar. Für Europas Wirtschaft ist das gut: Der schwache Euro stärkt die Exportindustrie, was wiederum die Erholung der Gesamtkonjunktur in Europa stützt. Gleichzeitig werden Importe aus dem Dollar-Raum teurer, was die Inflation erhöhen dürfte. Die EZB möchte in der Euro-Zone eine durchschnittliche Teuerungsrate von zwei Prozent erreichen. Diese liegt derzeit nur bei 0,1 Prozent.

Was machen die anderen Zentralbanken?

Die Bank of England hat nach der Bankenkrise ebenfalls jede Menge Geld in die Märkte gepumpt. Der britische Leitzins liegt mit 0,5 Prozent noch auf dem niedrigsten Stand. Die britische Zentralbank dürfte mit der Zinswende noch warten. Die japanische Notenbank liegt mit ihrem Leitzins von 0,0 bis 0,1 Prozent nicht viel über dem der USA. Auch sie kauft mit frischem Geld Anleihen, um das Finanzsystem flüssig zu halten.

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