Geldanlage Gold kaufen, aber fair

Goldschürfer in Bambari, Zentralafrikanische Republik. Bislang gibt es in Deutschland kaum Gold mit Fair-Trade-Siegel.

(Foto: REUTERS)

Oft wird Gold unter schlimmen Bedingungen für Mensch und Natur geschürft. Es geht aber auch anders, wie erste Beispiele zeigen.

Von Stephan Radomsky

Riesige öde Kraterlandschaften, abgeholzte Regenwälder, verseuchte Flüsse - wo Menschen Gold aus der Erde holen, leidet meist die Natur. Und auch die Menschen selbst. Zugleich gilt das Edelmetall vielen Anlegern noch immer als unverzichtbare Absicherung, gerade auch in der wieder zunehmend unsicheren Weltlage. Wenigstens ein wenig Gold, ein paar Münzen oder ein kleiner Barren, sollten schon im Depot liegen. Oder besser noch im Safe. Zugleich will eine wachsende Zahl von Anlegern ihr Geld aber auch nachhaltig investieren, sowohl ethisch als auch ökologisch korrekt. Beides zusammen ist aber nur schwer zu bekommen.

Anders als im Western liegt das Edelmetall meist nicht in dicken Nuggets in der Erde, sondern nur in geringsten Spuren. Je nach Marktpreis kann es sich aber schon lohnen, Vorkommen auszubeuten, die lediglich ein Gramm pro Tonne Abraum enthalten. Zugrunde gelegt, dass seriösen Schätzungen zufolge im Jahr 2015 etwa 3000 Tonnen Gold aus dem Boden geholt wurden, lässt sich erahnen, welche Erdmassen dafür bewegt werden mussten - mit den entsprechenden Folgen für die Landschaften.

Hinzu kommt, dass das Gold oft mit hochgiftigem Quecksilber und Zyanid aus dem Gestein gewonnen wird. Oft, so der Vorwurf von Umweltschützern, gelangen die Chemikalien dann ins Wasser, vergiften Umwelt und Arbeiter. Dabei sind es meist nicht sie, die damit reich werden. Bergleute oder Wildschürfer verdienen in vielen Ländern Afrikas oder Südamerikas nur wenig mit ihrer schmutzigen Plackerei, den eigentlichen Profit machen Minenkonzerne und Aufkäufer.

Banken mit Fokus auf Nachhaltigkeit beurteilen Gold als Anlageklasse daher eher skeptisch. Die genossenschaftliche GLS Bank etwa empfiehlt es ihren Kunden in der Beratung grundsätzlich nicht. Man lehne Rohstoffspekulationen ab, auch weil dabei die Verbindung zur Realwirtschaft fehle, sagte eine Sprecherin. Wolle ein Kunde aber auch nach der Aufklärung über die Problematik in Gold-Aktien investieren, werde ihm das ermöglicht. Barren kaufen und lagern könne er das Gold bei der GLS Bank aber nicht.

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Faires Gold ist selten in Deutschland

Um aber auch die Produzenten zu unterstützen und zugleich die Umweltbelastung beim Abbau wenigstens zu begrenzen, wird seit vergangenem Jahr auch in Deutschland fair gehandeltes Gold zertifiziert. Das Fair-Trade-Siegel soll garantieren, dass die Schürfer vor Ort mindestens 95 Prozent des in London ermittelten Weltmarktpreises erhalten, hinzu kommt eine Prämie von 2000 Dollar pro Kilogramm Gold für Gemeinschaftsprojekte. Dafür müssen die Minen unter anderem Sicherheits- und Umweltstandards einhalten und den Einsatz von Chemikalien beschränken.

Bisher ist hierzulande erst eine Handvoll Gold-Angebote mit dem Fair-Trade-Siegel zertifiziert worden, hauptsächlich gibt es fairen Schmuck. Verbraucher müssen also gezeilt danach suchen.

Ein Beispiel aus der Schweiz zeigt aber, wie es weitergehen könnte: Dort bietet die Zürcher Kantonalbank seit Ende 2015 peruanische Goldbarren mit Fair-Trade-Siegel an. Die sind wegen der höheren Standards zwar etwa fünf Prozent teurer als das konventionelle Gold, die Anleger scheint das aber nicht zu stören, im Gegenteil: Kurz nachdem die Bank die neuen, fairen Barren ins Programm genommen hatte, verkaufte sie im Weihnachtsgeschäft nach eigenen Angaben dreimal so viel Gold wie im Vorjahr.

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