Wohnraum für Geflüchtete:Ein Zuhause für Vertriebene

Lesezeit: 3 min

Wohnraum für Geflüchtete: Eine Wohnung zu finden, ist in vielen Großstädten schon so extrem schwer. Für geflüchtete Personen kommen aber auch noch rechtliche Hürden dazu.

Eine Wohnung zu finden, ist in vielen Großstädten schon so extrem schwer. Für geflüchtete Personen kommen aber auch noch rechtliche Hürden dazu.

(Foto: Giorgio Fochesato/ Westend61/ imago images)

Auch Privatpersonen können ihre Wohnung an Geflüchtete vermieten. Aber das ist nicht immer ganz einfach. Worauf beide Seiten achten sollten.

Von Julian Erbersdobler

Ankerzentren, Notunterkünfte, Wohnheime: Je nach Bundesland gibt es in Deutschland ganz unterschiedliche Modelle, wie Geflüchtete hier ankommen - und bleiben. Andrea Kothen von der Hilfsorganisation Pro Asyl beschäftigt das Thema schon länger. Sie sagt: "Leider gibt es seit einigen Jahren eine Renaissance der Massenunterkünfte für Geflüchtete, auch bedingt durch bundesgesetzliche Vorgaben. Das ist auch deshalb ein Problem, weil es die private Vermietung, ja eigentlich das normale Wohnen, schwieriger macht." Kothen hat schon 2015 einen Leitfaden für Menschen erstellt, die Wohnraum an Geflüchtete vermieten wollen.

Wie sollte man also am besten vorgehen, wenn man diesen Plan hat? Am meisten Sinn mache es, sich zuerst an die nächste Behörde zu wenden, die für die Unterbringung von Geflüchteten in der Umgebung zuständig ist - meistens das Sozialamt des Kreises oder der Stadt. Wenn die Verwaltung grundsätzlich bereit ist, Geflüchtete in Privatwohnungen unterzubringen, wird sie im nächsten Schritt prüfen, ob die angebotene Wohnung oder das Zimmer überhaupt geeignet ist. "In Einzelfällen kam es vor, dass sich Leute bei uns meldeten, die eine heruntergekommene, faktisch unvermietbare Butze hatten und dachten: Für arme Flüchtlinge ist die noch gut genug", sagt Andrea Kothen.

Ein privater Mietvertrag kann auch eine Lösung sein

Wenn Zustand und Höhe der Miete in Ordnung sind, kann der Vermieter mit der Behörde einen Mietvertrag abschließen. So läuft es zumindest in der Regel bei Vermietern mit größeren Häusern. Inwiefern auch einzelne, kleine Wohnungen in Frage kommen, unterscheidet sich von Amt zu Amt. Für potenzielle Vermieter kann es also auch eine Alternative sein, einen privatrechtlichen Mietvertrag zu schließen.

In diesem Fall wendet sich der Geflüchtete selbst an die Behörde und äußert seinen Umzugswunsch oder stellt einen entsprechenden Antrag. Dafür müssen allerdings einige Bedingungen erfüllt sein. Zum Beispiel die behördliche Erlaubnis, dass die Person überhaupt eine private Unterkunft als Mieter beziehen darf.

Wohnraum für Geflüchtete: Jonas Kakoschke, 38, hat ein Portal gegründet, auf dem Geflüchtete WG-Zimmer finden können.

Jonas Kakoschke, 38, hat ein Portal gegründet, auf dem Geflüchtete WG-Zimmer finden können.

(Foto: Lena Kuntz)

Sollte die oder der Geflüchtete kein ausreichendes eigenes Einkommen haben, kommt es außerdem darauf an, ob das Sozialamt die Miete für die neue Wohnung übernimmt. Das Amt hat Vorgaben, wie groß die Wohnung pro Person höchstens sein darf und wie viel sie kosten darf. Die Heizkosten werden - ebenfalls bis zu einer bestimmten Höhe - auch vom Amt übernommen.

Jonas Kakoschke hatte 2014 zwar keine ganze Wohnung frei, aber immerhin ein Zimmer in seiner Berliner WG. Kurz davor lernte der Grafikdesigner mehrere Geflüchtete kennen, die ihm von den unwürdigen Zuständen in Lagern erzählten. Und so entschloss er sich, das freie Zimmer an eine geflüchtete Person zu vermieten. Am Ende fand er nicht nur den passenden Mitbewohner, sondern gründete auch gleich mit Mareike Geiling ein Online-Portal, auf dem man sich melden kann, wenn es einem so wie ihm geht.

Mittlerweile heißt die Initiative "Zusammenleben Willkommen". "Unsere Haupttätigkeit ist die Vermittlung von WG-Zimmern an Geflüchtete, aber wir beraten auch Vermieterinnen und Vermieter, die eine ganze Wohnung zur Verfügung stellen wollen", sagt Kakoschke. Das komme allerdings deutlich seltener vor. Insgesamt gingen die Anfragen zurück. Das habe aber auch damit zu tun, dass die Initiative selbst sich in den Jahren verändert hat. "Wir schauen uns die WGs heute viel genauer an als früher." Gerade 2015 hätte man sich über jede Anfrage gefreut, erzählt Kakoschke. Damals gab es aber auch viel mehr Geflüchtete, die akut ein Zimmer gesucht haben.

Mittlerweile schaut das Team genauer hin. Ist die Wohnung in Ordnung? Aber auch: Wie offen sind die Mitbewohnerinnen und Mitbewohner wirklich gegenüber Geflüchteten? "Es macht am Ende ja nur Sinn, wenn sich beide Seiten wohlfühlen." Auf der Website können sich nicht nur Menschen melden, die selbst ein Zimmer frei haben, sondern auch Geflüchtete, die eines suchen. Neben Videos mit Hilfestellungen in Deutsch, Englisch und Arabisch gibt es auch die Möglichkeit, einen ehrenamtlichen Tandempartner zu finden, der bei der Wohnungssuche unterstützt.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusWohnungslosigkeit
:"Außer meinen Sohn habe ich niemanden mehr"

Der IS hat versucht, sie umzubringen. Deshalb floh Narges A. mit ihrem Kind nach München. Die Sozialpädagogin Cornelia Merkle half ihr, eine Wohnung zu finden. Eine Geschichte über das Ankommen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB