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Freihandel:Beide Seiten können vom Freihandel profitieren

Doch die Gespräche gestalten sich schwierig. Nach fast 14 Jahren ist nur eines der fünf geplanten Abkommen in Kraft getreten. Viele afrikanische Regierungen befürchten, dass der unbeschränkte Handel mit Europa ihre Wirtschaft noch mehr schwächt. Ihre Angst: Die meist überlegenen europäischen Produkte werden afrikanische Güter in der Heimat verdrängen und einen Erfolg auf den europäischen Märkten verhindern; gleichzeitig können sich die kleinen Industrien des Kontinents ohne den Schutz durch Zölle nicht halten.

Dass die EPAs Risiken für die verletzlichen Ökonomien Afrikas mit sich bringen, bestätigen auch Experten. "Durch die Öffnung für europäische Importe wird der Druck auf die Landwirtschaft und die wenig entwickelte verarbeitende Industrie in Afrika deutlich steigen", schreibt eine Gruppe von Afrika-Ökonominnen des Hamburger Giga-Instituts in einer kürzlich veröffentlichten Analyse.

Die Handelsbeziehungen zu reformieren, so die Forscherinnen, erscheine aber trotzdem geboten: Schon seit Jahrzehnten nämlich gewährt die EU den Ländern des Kontinents einseitig Handelserleichterungen - ohne dass sich an den Grundproblemen afrikanischer Volkswirtschaften groß etwas geändert hätte. Die Ökonominnen sehen in den EPAs deshalb auch eine Chance: Wenn die EU die afrikanischen Partner bei wirtschaftlichen Reformen unterstütze und ihnen dabei helfe, die negativen Effekte abzufedern, würden beide Seiten vom Freihandel profitieren.

Für George Aguzia, den ghanaischen Geflügelhändler, könnte das bedeuten, dass er künftig vielleicht keine Hühner mehr auf dem Markt verkauft. Sondern auf einer großen Geflügelfarm mitarbeitet, die mit Hilfe von europäischem Startkapital aufgebaut wurde und auch für den Export produziert - durchaus ein Grund, sich gegen die Flucht übers Mittelmeer zu entscheiden.

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