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Flugverkehr im Winter:Briten drohen Chaos-Flughäfen mit Strafen

Das Versagen am Londoner Flughafen Heathrow hat ein Nachspiel: Die britische Regierung denkt über die Einführung von Strafen nach, wenn es zu solch massiven Ausfällen und Verspätungen wie in London kommt.

Wütend wird in Großbritannien und Frankreich über Konsequenzen aus dem Schneechaos diskutiert. Die Regierung in London will die viel kritisierten Flughafenbetreiber offenbar disziplinieren: Sie erwägt die Einführung von Strafen für Flughäfen, wenn es zu massiven Ausfällen und Verspätungen wie zuletzt in Heathrow kommt.

Snow and ice continue to disrupt travel at Heathrow

Gestrandete Passagiere am Londoner Flughafen Heathrow am 21. Dezember. Das Schneechaos könnte nun Konsequenzen für die Airport-Betreiber haben.

(Foto: dpa)

"Es sollte eine wirtschaftliche Strafe für Service-Versagen geben", sagte Verkehrsminister Philip Hammond der Sunday Times. Der Zufriedenheit der Fluggäste müsse ein größeres Gewicht eingeräumt werden. Bisher könne die britische Flugaufsicht nur Strafen etwa bei Sicherheitsmängeln verhängen. Hammond will nun eine Gesetzesänderung vorantreiben.

Dem Heathrow-Betreiber BAA, einer Tochter des spanischen Ferrovial-Konzerns, wird vorgeworfen, an der Schneeräum- und Enteisungstechnik gespart und letztlich nicht ausreichend Kapazitäten vorgehalten zu haben. So soll Heathrow etwa mit maximal 35.000 Litern Enteisungsmittel pro Tag geplant, aber 100.000 Liter gebraucht haben. Verkehrsminister Hammond schlug vor, eine gemeinsame Reserve an Enteiser für alle Airports zu schaffen.

Das vorweihnachtliche Flugchaos in London mit tagelanger Sperrung einer Landebahn, Hunderten Flugausfällen und tagelangen Verspätungen war durch eine vergleichsweise geringe Schneemenge bei Temperaturen nur knapp unter dem Gefrierpunkt ausgelöst worden. Der Sunday Telgraph berichtete, Heathrow habe in seinen eigenen Unterlagen einen Schneefall von zwei Zentimetern bereits als "Sturm" deklariert, was den Stopp des Flugbetriebs rechtfertige. Außerdem habe der Flughafen deutlich weniger Enteisungsgeräte und Schneeräumer als angegeben zur Verfügung gehabt.

Laut Sunday Times versuchen auch einige Fluggesellschaften, Schadensersatzansprüche gegen den Flughafenbetreiber geltend zu machen. BAA-Vorstandsvorsitzender Colin Matthews, der im vergangenen Jahr mehr als eine Million Euro verdient haben soll, hat bereits auf seine Jahresprämie für dieses Jahr verzichtet haben.

Auch in Frankreich ist der Frust wird nach den vielen ausgefallenen Flügen groß, und auch dort erhebt eine Fluggesellschaft Vorwürfe gegen die Flughafenbetreiber. Air France hat den Pariser Flughafen Charles de Gaulle kritisiert. Es sei nicht akzeptabel, dass das Drehkreuz über nicht genügend Enteisungsmittel für Flugzeuge verfüge, sagte der Chef der Gruppe Air France-KLM, Pierre-Henri Gourgeon. Der Flughafen bei Paris hatte mitten im Weihnachtsverkehr Enteisungsmittel aus Deutschland und den USA bestellen müssen, um seine Vorräte aufzufüllen. Auch die Politik reagierte: Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet kündigte eine Überprüfung an.

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