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Start-up:Was Finanzguru verdient

Posieren klappt schon, Gewinne sollen folgen: Start-up-Gründer Alexander Michel (links) und Benjamin Michel.

(Foto: oH)

Ihre App haben die Zwillings-Gründer bei der TV-Show "Die Höhle der Löwen" präsentiert, die Deutsche Bank ist Investor. Und wie läuft das Geschäft? Ein Blick in die Zahlen.

Von Nils Wischmeyer, Köln

Die "Eine-Million-Euro-App" ist ein Aushängeschild, das sich die wenigsten deutschen Unternehmer umhängen können. Alexander und Benjamin Michel, Zwillinge und gemeinsame Gründer des Unternehmens "Dwins", haben das mit ihrer dazugehörigen App Finanzguru geschafft. Bei der TV-Show "Die Höhle der Löwen", bei der Investoren Ideen bewerten und reales Geld investieren, haben sie mit einer Finanzierung bereits vor zwei Jahren eine Million Euro und damit einen der größten Einzeldeals der Show abgeräumt.

Die Idee, die die Michel-Zwillinge präsentiert haben, ist ein kluges Haushaltsbuch mit Vergleichsfunktion. Nur eben als App. Nutzer können ihre Bankkonten sehen, die Ausgaben und Einnahmen werden nach Kategorien wie Essen, Kleidung und Miete geordnet und analysiert. Wem der Stromvertrag der App zu teuer vorkommt, dem schlägt sie einen Wechsel vor.

Es ist ein Modell, das die Bankbranche elektrisiert, weil es neuen Zugang zu den Kunden gewährt. Die Deutsche Bank ist dafür bei Dwins und damit der Marke Finanzguru eingestiegen, das Finanz-Start-up Numbrs, das einen ähnlichen Service bietet, sollen Investoren zwischenzeitlich mit einer Milliarde Euro bewertet haben.

Wie bei vielen Start-ups bleibt die Frage: Kann man damit Geld verdienen? Erfolg im Fernsehen, Kundenwachstum oder die nächste Finanzierungsrunde klingen oft nach Ruhm und großem Geld. Schmallippig werden viele Start-ups, wenn man sie fragt, was sie verdienen oder umsetzen. Die allerwenigsten veröffentlichen Zahlen, und wenn, dann nur solche, die sie gut aussehen lassen oder die für sich genommen wenig aussagen.

Bei Finanzguru ist das anders, vielleicht auch, weil die Gründer von der Pike auf das Bankwesen gelernt haben. In den kommenden Tagen werden die Zwillings-Gründer daher ihren Geschäftsbericht für das vergangene Geschäftsjahr einreichen. Die Süddeutsche Zeitung konnte den bereits testierten Abschluss vorab einsehen und sich ein Bild davon machen, wie so ein digitales Haushaltsbuch mit Wechselempfehlung im Jahr 2019 lief.

Der Verlust bei Finanzguru ist stark gestiegen

Wie viele Start-ups will Dwins zunächst wachsen, und das ohne Rücksicht auf Profite. Dem Abschluss zufolge lag der Umsatz des Start-ups im Jahr 2019 allerdings nur bei 81 000 Euro und damit bei weitaus weniger als im Jahr zuvor. Damals standen noch 270 000 Euro an Umsätzen zu Buche. Da die Kosten sich nicht reduzierten, sondern wuchsen, erhöhte sich auch der Verlust deutlich. 2018 stand noch ein Jahresverlust von knapp 850 000 Euro in der Bilanz, im Jahr 2019 waren es 2,26 Millionen Euro.

Was aber hat den Umsatzeinbruch verursacht? Im Geschäftsbericht wird dafür vor allem ein Grund aufgeführt: Vergangenes Jahr kam eine neue EU-Richtlinie ins Spiel, die die Anbindung von Fintechs wie Finanzguru an Banken regelt. Sie sollte das Online-Banking einfacher machen, erschwerte aber vielen Fintechs das Leben, weil sie kleinteilig und kompliziert ist. Viele Ressourcen von Dwins liefen in die Anpassung und Wiederherstellung von Anbindungen an die Banken. "Wir haben fast das ganze Jahr damit verbracht, unsere Systeme anzupassen, damit alles wieder glatt läuft", erklärt Alexander Michel.

Um das Ruder rumzureißen, hat Dwins sein Geschäftsmodell umgekrempelt. Die App analysiert zwar nach wie vor das eigene Konto und schlägt beispielsweise einen Stromwechsel vor. Doch statt wie anfangs mit Vergleichsportalen zu kooperieren, setzt Finanzguru nun auf wenige, ausgewählte Partner. Davon verspricht man sich zum einen mehr Provision und zum anderen, dass die Handhabung für den Kunden besser wird, wie Benjamin Michel erklärt.

Ende 2019 hat das Start-up zudem eine Premium-Mitgliedschaft eingeführt, was zusätzlich Geld in die Kasse spielen soll. Und eine eigene Finanzguru-Karte, um auch über das Finanzguru-Konto in Geschäften bezahlen zu können, außerdem eine Versicherungsvermittlung. All das soll 2020 den Umsatz steigern und das Start-up ein kleines Stückchen näher in Richtung Gewinn führen.

Laut Prognose sollen die Umsatzerlöse im laufenden Geschäftsjahr zwischen 600 000 und 900 000 Euro liegen. Benjamin Michel ist optimistisch. "Wir erwarten 2020 einen Umsatz von einer Million Euro bei gleichbleibenden Kosten", sagt der Dwins-Gründer, und rechnet: "Unterm Strich bleibt ein Verlust, aber bereits 2022 könnten wir operativ profitabel sein." Schon 2020 soll der Deckungsbeitrag je Kunde positiv sein, die laufenden Erträge also die laufenden Kosten übersteigen. Das wäre für ein junges Start-up, gerade nach einem harten Jahr wie 2019, durchaus ein Erfolg.

© SZ/koe
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