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Fanartikel:Manchen Fans geht das zu weit

Den Weg in die Modewelt hat die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland geebnet. "Seitdem hat sich Fußball zu einem Familien-Event entwickelt", erklärt er. Große Hoffnungen setzen Vereine und Ausrüster auf die Frauen-Weltmeisterschaft in diesem Jahr in Deutschland, die das Fußballmode-Fieber noch einmal steigern könnte.

Trotz der Modelinien: Noch bestimmt der Fanblock das Merchandising-Geschäft. "Das Trikot ist mit Abstand die umsatzstärkste Fantextilie", sagt Thomas Spiegel, Sprecher von Schalke 04. Einzig bei St. Pauli halten sich die beiden Segmente heute schon die Waage. Da viele Vereine die Freizeit-Kollektionen deutlich ausbauen wollen, wird deren Bedeutung aber weiter zunehmen.

"Wir arbeiten stetig an neuen modischen Ansätzen", sagt ein Sprecher von Adidas. Der Ausrüster aus Herzogenaurach hat sechs Erstliga-Klubs unter Vertrag. Der 1. FC Köln wird zudem von der Adidas-Tochter Reebok eingekleidet.

Die Roten Teufel sind die Ausnahme

Der einzige Verein, der sich im Modebereich zurückhält und weiblichen Fans nicht einmal ein speziell geschnittenes Trikot anbietet, ist der 1. FC Kaiserslautern. Die Roten Teufel beschränken sich jenseits der Trikots auf Kappen und Unterwäsche.

St. Pauli dagegen peilt schon das nächste Ziel an: das Ausland. "Wir beliefern schon mehrere Shops im Ausland, sind in England, in Wien und Kopenhagen vertreten", sagt Stefan Hoffmeister von der Vertriebsfirma Upsolut. "Das wollen wir ausweiten."

Den Wettbewerb durch die anderen Klubs fürchtet er nicht. "Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu anderen Bundesliga-Vereinen, sondern vielmehr zu Modemarken", sagt er. "Auch ein Bayern- oder Dortmund-Fan kann in seiner Freizeit ein Totenkopf-Shirt tragen."

Entfremdung der Kiez-Kicker?

Grenzenlos sind die Möglichkeiten der Vermarktung allerdings nicht - das muss der FC St. Pauli gerade schmerzhaft erfahren. Schicke Modelinien, teure Logenplätze für Geschäftsleute über der Haupttribüne und große Werbebanner an der angrenzenden Kindertagesstätte: Vielen Fans geht das zu weit. Binnen kurzer Zeit haben mehr als 4000 Anhänger eine Internet-Petition gegen die Kommerzialisierung ihres Vereins unterzeichnet und drohen mit Stadion-Boykott. Einige haben sich schon ganz von den Kiez-Kickern abgewendet und pilgern jetzt zum Hamburger Fünftligisten Altona 93.

Ganz ohne Kommerz und Trikotverkäufe kommt der aber auch nicht aus. Wobei das Original-Trikot lediglich moderate 35 Euro kostet. Laut Dirk Barthel, dem Vereinsvorsitzenden, ist das Geschäft im Fanshop trotzdem überschaubar: "Pro Woche kommen zehn bis 15 Leute."