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Rassismusdebatte in den USA:Facebook kündigt Maßnahmen gegen Hassbotschaften an

Facebook Rassismus Trump

Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist unter Zugzwang geraten.

(Foto: AFP)

Entsprechende Beiträge sollen gelöscht oder gekennzeichnet werden. Zuvor hatten Unternehmen wie Unilever und Honda mit Werbeboykotts Druck aufgebaut - und auch jetzt sind nicht alle überzeugt.

Facebook hat einen neuen Umgang mit Inhalten angekündigt, die gegen die Regeln des Sozialen Netzwerks verstoßen. Konzernchef Mark Zuckerberg zufolge sollen Anzeigen gelöscht werden, in denen behauptet wird, dass Menschen einer gewissen Herkunft, Religion oder sexuellen Orientierung eine Gefahr für die Sicherheit oder Gesundheit darstellten. Inhalte von allgemeinem Interesse, die gegen die Regeln verstießen, würden nun gekennzeichnet, hieß es weiter. Alle Posts und Werbespots zu Wahlen sollen mit einem Link zu maßgeblichen Informationen versehen werden. Es gebe bei den neuen Maßnahmen "keine Ausnahmen für Politiker", erklärte Zuckerberg.

Eine Sprecherin bestätigte, dass nach der neuen Vorgehensweise auch eine umstrittene Botschaft im vergangenen Monat von Präsident Donald Trump zu Briefwahlen gekennzeichnet worden wäre. Zuletzt war unter den Mitarbeitern des US-Konzerns und Kongressabgeordneten der Unmut über die bisherige Praxis von Facebook gewachsen, als hetzerisch empfundene Botschaften des Präsidenten unangetastet zu lassen.

Facebook betonte in einer Stellungnahme, jährlich Milliarden Dollar in die Sicherheit seiner Community zu investieren. Der Konzern arbeite kontinuierlich mit externen Experten zusammen, um seine Richtlinien zu überprüfen und zu aktualisieren. Dank dieses Engagements würden fast 90 Prozent der Hasskommentare gefunden, bevor Nutzer auf sie aufmerksam machten. "Wir wissen, dass wir mehr zu tun haben", erklärte ein Unternehmenssprecher. Facebook werde deshalb noch weitere Instrumente, Technologien und Richtlinien entwickeln.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg kündigte in einem Livestream an, es würden auch die Standards für Werbung erhöht, um dort abwertende und hasserfüllte Botschaften bezüglich ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Vorlieben zu blockieren. "Ich stehe gegen Hass und alles, was zu Gewalt anstachelt", so Zuckerberg.

Honda und Unilever stoppen Facebook-Werbung

Wegen seines umstrittenen Umgangs mit rassistischen, hetzerischen und manipulativen Inhalten ist Facebook zuletzt immer stärker unter Druck geraten. Der Konsumgüterriese Unilever und der Autobauer Honda hatten vor Zuckerbergs Ankündigungen am Freitag bekanntgegeben, in den USA vorerst keine Werbeanzeigen mehr bei dem Online-Netzwerk und seiner Tochter Instagram zu schalten. Damit erhielt eine in der Vorwoche gestartete Boykottaktion gegen die Plattform bedeutenden Zulauf.

Etliche andere Unternehmen, darunter der US-Mobilfunk-Gigant Verizon und die bekannten Outdoor-Marken The North Face und Patagonia haben sich der Initiative #StopHateForProfit angeschlossen. Unilever - dessen Eiscreme-Marke Ben & Jerry's ebenfalls schon mit dabei war - geht nun noch einen Schritt weiter - denn eigentlich ging es bei der Aktion zunächst nur um einen Werbe-Boykott im Juli. Unilever will aber sogar das ganze restliche Jahr auf bezahlte Werbung verzichten - nicht nur bei Facebook, sondern auch bei Twitter. An der Börse gerieten Facebook und Twitter nach dieser Mitteilung stark unter Druck.

US-Bürgerrechtsorganisationen rufen seit vergangenen Woche FIrmen zum Boykott gegen Facebook auf. So soll der Konzern an einer empfindlichen Stelle getroffen werden - Facebook macht fast seinen ganzen Umsatz mit Werbeerlösen. Die US-Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt hat die Kritik an Facebook, zu nachlässig mit kontroversen Beiträgen umzugehen, wieder stark aufflammen lassen. Dazu trug auch Konzernchef Mark Zuckerberg wesentlich bei, der sich weigerte, gegen umstrittene Aussagen von US-Präsident Donald Trump einzuschreiten.

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Die Skepsis bleibt

Mit den neuesten Ankündigungen überzeugt Facebook längst nicht alle Kritiker. "Wir glauben nicht, dass Facebook gewalttätige und spalterische Reden auf seinen Plattformen effizient verwalten wird", teilte der US-Schokoladenproduzent Hershey in einer von der Zeitung USA Today zitierten Erklärung mit. Trotz wiederholter Zusicherungen von Facebook, Maßnahmen zu ergreifen, habe man bisher keine wirklichen Fortschritte gesehen. Das Unternehmen, eines der weltweit führenden in seiner Branche, bestätigte zudem, sich dem Boykottaufruf anzuschließen und bis Juli alle Anzeigen zu stoppen. Zudem wolle es seine Ausgaben für Facebook und Instagram für den Rest des Jahres um ein Drittel kürzen.

Auch der Konzern Coca-Cola erwägt der Zeitung zufolge, seine Anzeigen auf allen Plattformen der Sozialen Medien für mindestens 30 Tage auszusetzen und seine Werbestrategie zu überdenken. "Wir erwarten auch eine größere Verantwortlichkeit und Transparenz von unseren Social-Media-Partnern", hieß es demnach in einer Erklärung von Präsident und Geschäftsführer James Quincey.

© SZ/dpa/mane/jobr/bix/ihe
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