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Tech-Konzerne:Die Strafe erlaubt Facebook, so weiterzumachen wie bisher

Überall Facebook - lässt sich das noch aufhalten?

(Foto: AFP)

Die Regulierungsbehörde FTC verhängt eine Strafe über fünf Milliarden Dollar gegen Facebook. Das ändert wenig. Aber wer kann die Digitalkonzerne regulieren?

Im Jahr 1890, der Westen Nordamerikas hörte gerade auf, "der Wilde" zu sein, verabschiedeten Senat und Repräsentantenhaus der USA den Sherman Antitrust Act, das erste Gesetz gegen Monopolisten. Grund war der Wandel des Landes von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Landarbeiter verloren ihre Jobs, immer mehr Kapital konzentrierte sich bei Konzernen wie Standard Oil. Die beherrschenden Konzerne von heute heißen Google, Facebook oder Amazon. Dass nach der Europäischen Union nun auch der amerikanische Staat untersucht, ob die marktbeherrschende Stellung dieser Technologiekonzerne den Menschen schadet, ist deshalb richtig. Ob allerdings hinter dem neu erwachten Eifer auch die richtigen Absichten stecken, darf man bezweifeln.

Unzweifelhaft, und von vielen Experten und Wissenschaftlern seit Langem beklagt, ist, dass sich sehr viel Geld und Macht bei einigen Technologiekonzernen angesammelt hat. Das Problem dabei: Diese Firmen sind börsennotiert und gewinnorientiert. Würden sie in ihrem Streben nach Macht und Geld nachlassen, würden sie sich selbst schaden. Setzt man daher auf freiwillige Selbstkontrolle, kommt genau das heraus, was man zurzeit bei Facebook sehen kann.

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Weil das soziale Netzwerk 2016 unerlaubt Nutzerdaten an die Analysefirma Cambridge Analytica weitergab, muss es nun zahlen. Auch Maßnahmen für die Zukunft sollen getroffen werden.

Der Konzern akzeptiert die Fünf-Milliarden-Strafe der Regulierungsbehörde FTC, weil sie ihm im Grunde erlaubt, so weiterzumachen wie bisher. Facebook lebt von den Daten seiner Nutzer. Das wäre nicht verwerflich, doch das Unternehmen wird der Verantwortung, die sich damit verbindet, nicht gerecht. Das beste Geschäft macht Facebook eben, wenn die Leute lange auf der Plattform bleiben, und das tun sie besonders bei Beiträgen, die niedere Instinkte ansprechen. Erhebt sich dagegen Protest, schraubt man allenfalls ein wenig am Algorithmus, der die Beiträge für die Nutzer auswählt. Wirklich viel ändert sich dadurch nicht.

Wenn es gut läuft, führt die falsche Motivation dazu, dass das Richtige geschieht

Das Kartellrecht, so scheint es, ist für den Umgang mit Tech-Konzernen nicht das richtige Mittel. Diese Sicht verkennt aber die vielen indirekten Folgen von deren Quasimonopolen. Wer zum Beispiel mögliche Konkurrenten einfach aufkaufen kann, wer mit mehr als üppigen Gehältern viele der besten Forscher anwerben kann, nimmt Start-ups die Luft zum Atmen, blutet die Universitäten aus, erstickt jeden Wettbewerb im Keim.

Ob dies die Motivation der Trump-Regierung ist, nunmehr verstärkt gegen die Tech-Konzerne vorzugehen, muss allerdings als eher unwahrscheinlich gelten. Zwar gibt es schon seit einiger Zeit in der US-Politik eine mächtige Gegenbewegung gegen die Tech-Konzerne. Dieser "Techlash" speist sich aber aus unterschiedlichen Motiven. Die Demokraten stört die Ballung von Macht und Kapital bei den Konzernen. Trumps Republikaner dagegen mögen die traditionell liberale Gesinnung der Silicon-Valley-Konzernbosse nicht; der Präsident ärgert sich häufig über die Washington Post, die Amazon-Chef Jeff Bezos gehört. Auch Apples CEO Tim Cook zählt nicht zu seinen Freunden.

Wenn es gut läuft, führt die falsche Motivation dazu, dass das Richtige geschieht und die Konzerne wenigstens etwas von ihrer Macht abgeben müssen. Es kann aber auch weniger gut laufen. Technologiefeindlichkeit könnte befördert werden, persönliche Animositäten die Entscheidung darüber überlagern, ob ein Kartellverfahren angestrengt werden soll. Beides wäre gleich schlecht.

Leserdiskussion Ihre Meinung zum Umgang mit Facebook und Co.

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Seit einiger Zeit gibt es in der US-Politik eine mächtige Gegenbewegung gegen die Tech-Konzerne. Nun mobilisiert die Regierung unter Trump das Kartellrecht.