Smarte Sonnenbrille:"Hey Facebook, nimm ein Video auf"

Brille Ray-Ban and Facebook

Auf den ersten Blick ist die "Ray-Ban-Stories" kaum von einer herkömmlichen Sonnenbrille zu unterscheiden.

(Foto: Ray-Ban and Facebook/AFP)

Der Social-Media-Konzern bringt eine smarte Brille auf den Markt: eine Ray-Ban mit zwei Kameras und einem Mikrofon. Das perfekte Spionagewerkzeug?

Von Simon Hurtz, Berlin

Wo Ray-Ban draufsteht, ist künftig Facebook drin. Gemeinsam haben die Unternehmen eine smarte Sonnenbrille entwickelt, die optisch kaum von einer klassischen Ray-Ban zu unterscheiden ist. Doch im Gestell steckt jede Menge Technik: Wer die "Ray-Ban Stories" trägt, kann Fotos und Videos aufnehmen, Musik hören und telefonieren. Das 300-Dollar-Gadget wird zum Start nur in den USA und fünf weiteren Ländern angeboten, Deutschland zählt nicht dazu.

Ein Ziel hat Facebook schon erreicht: Man wolle eine Diskussion über Privatsphäre und soziale Normen auslösen, sagte Facebook-Manager Andrew Bosworth. Genau das ist passiert. Als Facebook die Brille Ende vergangener Woche präsentierte, stellten Dutzende US-Medien die gleiche Frage: Ist das eine Sonnenbrille - oder eine Spionagebrille?

Eine kleine, weiße LED leuchtet auf, sobald ein Video aufgezeichnet wird. Erfahrungsberichte aus den USA zeigen aber, dass fast niemand das Licht bemerkt, erst recht nicht draußen im Sonnenschein. Einer Journalistin, die für ihren Test die LED abklebte, teilte Facebook mit, das verstoße gegen die Nutzungsbedingungen. Stalker dürfte das kaum abschrecken.

Immerhin wird es schwierig, Menschen heimlich über einen längeren Zeitraum hinweg zu filmen. Facebook begrenzt die Dauer der Aufzeichnung auf 30 Sekunden. Will man weitere Fotos oder Videos schießen, muss man den Bügel berühren oder mit der Brille sprechen: "Hey Facebook, nimm ein Video auf." Als neues James-Bond-Spielzeug kommt die Ray-Ban damit eher nicht infrage.

Vor acht Jahren floppte Google Glass, auch Snapchat scheiterte mit einer smarten Brille. Im Gegensatz zur Konkurrenz setzt Facebook eher auf Design als auf Technik. Man kann weder live streamen, noch werden Informationen über die Umgebung ins Blickfeld projiziert. Die "Ray-Ban Stories" soll ein Mode-Accessoire mit ein paar Zusatzfunktionen sein. Zumindest Facebook-Manager Bosworth ist überzeugt, dass die Brille soziale Normen verschieben wird: In zehn Jahren werde man sich fragen: "Warum macht deine Brille keine Fotos? Das ist doch komisch."

© SZ
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