Digitalwährungen:Zuckerberg wird doch kein Notenbanker

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Digitalwährungen: Meta-Chef Mark Zuckerberg hat die EZB mit seinem Libra-Projekt dazu getrieben, einen digitalen Euro zu entwickeln.

Meta-Chef Mark Zuckerberg hat die EZB mit seinem Libra-Projekt dazu getrieben, einen digitalen Euro zu entwickeln.

(Foto: Pool via CNP /MediaPunch/imago images)

Der Facebook-Gründer verwirft seinen Plan von der eigenen Währung. Auch wenn das Projekt Libra scheitert - es hat die Welt der Zentralbanken verändert.

Von Simon Hurtz und Markus Zydra

Viele Menschen haben es vergessen, aber Mark Zuckerberg hat tatsächlich mal eine Party von Mario Draghi gesprengt. Es war der 18. Juni 2019, der damalige EZB-Präsident hatte führende Geldpolitiker und Wissenschaftler in die portugiesische Stadt Sintra eingeladen - zum elitären Forum der Währungshüter. Da platzte die Nachricht in die Runde, der Facebook-Gründer wolle künftig auch in Währungen machen: Die Idee von Libra war geboren, Milliarden Facebook-Mitglieder weltweit könnten Euro und Dollar verschmähen und durch den Zuckerberg-Silberling ersetzen. Eine Horrorvorstellung für die Notenbanker - die an diesem Tag ziemlich übertölpelt wirkten.

Doch nun ist Schluss. Zuckerberg verabschiedet sich von seinen Ambitionen für eine preisstabile Digitalwährung, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Dem Bericht zufolge soll alles verkauft werden. Auf Nachfrage teilt Meta nur mit, dass es den Bericht nicht kommentiere. Das ist kein Dementi.

Mit dem Ausruf "Dominanz" soll Zuckerberg früher Meetings beendet haben, er bewundert den römischen Kaiser Augustus Caesar und sagte einst auf Latein, der Rivale Google Plus müsse zerstört werden. Kein Projekt ist ihm zu ambitioniert, kein Vorhaben zu anmaßend - am Größenwahn könnte Libra auch gescheitert sein.

Seit Facebook im Sommer 2019 Libra präsentierte, ist viel passiert. Der Konzern will mit dem neuen Namen Meta alte Probleme hinter sich lassen, die Währung heißt jetzt Diem und hat kaum noch etwas mit Libra zu tun. Als "globale ökonomische Revolution" bezeichnete die Wirtschaftsinformatikerin Sarah Spiekermann den Vorstoß damals in der SZ und warnte: "Wenn die europäischen Regierungen nicht innerhalb der nächsten sechs Monate die Libra Association vor harte Servicebedingungen stellen, werden sie zusehen müssen, wie die Geldmacht aus Europa schwindet."

Und so geschah es: Die Angst vor dem Machtverlust setzte Energien frei. Die G-7-Staaten ließen einen Bericht erstellen, der die Gefahren offenlegte, die EZB machte sich sofort an die Planung eines digitalen Euro. In ihrem Bericht von 2020 warnten die Währungshüter, privates Geld vom Schlage Libra könne Europas Souveränität gefährden - finanziell, wirtschaftlich und politisch. Zuckerberg hat die EZB dazu getrieben, eine eigene Digitalwährung zu entwickeln.

Gleichzeitig setzten Politiker Facebook mit strengen gesetzlichen Anforderungen für die Umsetzung des Projekts stark unter Druck. Die Politik mag 15 Jahre zugesehen haben, wie Facebook vom studentischen Start-up zur mächtigsten Kommunikationsplattform avancierte - aber als es um das staatliche Geldmonopol ging, zückten die Staaten ihre Waffen.

Wichtige Verbündete sprangen nach wenigen Monaten ab

Auf Ablehnung war Facebook eingestellt, doch die schnelle und entschlossene Reaktion der Finanzwelt brachte das ganze Projekt ins Schlingern. Facebook hatte mehr als zwei Dutzend große Unternehmen und Zahlungsdienstleister als Partner gewonnen, doch nach wenigen Monaten sprangen wichtige Verbündete ab, darunter Mastercard, Visa, Ebay und Paypal.

Während die Unterstützung schwand, blieb der Druck der Regulatoren und Notenbanken bestehen, und Libra schrumpfte immer weiter. Eine echte Kryptowährung war Libra nie, da die Libra Association als eine Art Zentralbank über die zugrunde liegende Blockchain wachte und nur Mitglieder des Konsortiums darauf Geld schürfen konnten. Aus dem digitalen Geld, gedacht für die ganze Welt und gekoppelt an unterschiedliche Währungen und Staatsanleihen, wurde ein sogenannter Stablecoin, dessen Kurs fest mit dem US-Dollar verbunden ist. Das Projekt wurde in Diem umbenannt, zog von Genf in die USA um, schließlich verließ auch noch Facebooks Krypto-Chef David Marcus das Unternehmen.

Nichts davon half. Heute ist von Facebooks Versuch, das Währungssystem zu revolutionieren, nur noch der digitale Wallet Novi übrig. Damit können Nutzerinnen und Nutzer in den USA und Guatemala Geld in Form eines Stablecoins speichern und verschicken. Novi hat sich dabei für den Pax Dollar entschieden. Die eigene Digitalwährung Diem sucht man in Metas Portemonnaie vergeblich. Im Firmenblog wurde Novi das letzte Mal im Mai 2020 erwähnt. Nachfragen zur Zukunft von Novi will der Konzern nicht kommentieren.

Mit einer eigenen Währung wäre Meta endgültig zum Staat geworden. Seine Plattformen haben mehr Nutzer als Länder Einwohner, die Einnahmen des Konzerns übersteigen das Bruttoinlandsprodukt mancher Volkswirtschaften. Auch die Rechtsprechung liegt größtenteils in Metas Hand, mit dem Oversight Board gibt es sogar eine Art Verfassungsgericht. Falls der Bloomberg-Bericht zutrifft und Meta die Diem Association abstoßen will, muss Zuckerberg seine Karriere als Notenbanker beerdigen.

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