Notenbank In der EZB werden Bildschirme und Mäuse knapp

Hier stockt der Hardware-Nachschub: Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt.

(Foto: dpa)
  • Die EZB kann Geld drucken, scheint intern aber einen extrem sparsamen Kurs zu verfolgen.
  • Weil das IT-Budget für dieses Jahr ausgeschöpft ist, stockt in der Notenbank der Hardware-Nachschub.
Von Markus Zydra

Die Europäische Zentralbank ist eine mächtige Institution in Europa. Sie verfügt in Mengen über das, was den Regierungen häufig fehlt: Geld. Die Finanz-Alchimisten im Frankfurter Euro-Turm können quasi Euro aus dem Nichts erschaffen, mit nur einem Knopfdruck. Dieses Privileg hat die Notenbank schon intensiv genutzt. Im Kampf gegen die Rezession in Europa pumpte die EZB 2,5 Billionen Euro in das Finanzsystem. Geld war nie ein Problem. Bis jetzt - nun allerdings bei der Bank selbst.

Die in Deutschland umstrittene Zentralbank pflegt intern eine Eigenschaft, die in schwäbischen Gefilden als Tugend gilt. Die Rede ist von Sparsamkeit und dem Willen, nur so viel Geld auszugeben, wie man zur Verfügung hat. Das belegt ein Aufruf an alle etwa 5000 Mitarbeiter im Intranet der Notenbank. "Wir bitten alle Kollegen nachzuschauen, ob sie einen Computerbildschirm oder einen Laptop entbehren können", liest man dort. Man möge überschüssige Geräte bitte am Empfang abgeben.

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Es ist ein Hilferuf der mächtigen Notenbank an ihre eigenen Leute, weil das Geld knapp wird für die IT-Infrastruktur. Das Budget für dieses Jahr ist ausgeschöpft. Mitarbeiter bestätigen, dass der Hardware-Nachschub stockt, es gebe vielerorts Wartezeiten für den Ersatz von technischem Gerät. Kürzlich sollten in der Handelsabteilung für Wertpapiere 100 neue Monitore aufgebaut werden. Es waren nur noch 14 Stück vorrätig. Die Belegschaft muss enger zusammenrücken und sich Computerbildschirme teilen.

Dabei könnte der Mangel schnell behoben werden. Die EZB hat ihren Hauptsitz im Frankfurter Osten. Das nächste Elektronikfachgeschäft liegt ganz in der Nähe, dort gäbe es die fehlende IT-Hardware, und an der Kasse könnten die Einkäufer der EZB die stets gedeckte Kreditkarte durchziehen.

Wer an der Quelle sitzt, gerät schnell in Verruf

Doch die Notenbank möchte ihr Budget partout nicht überziehen. Diese Prinzipientreue zum eigenen Haushaltsplan hat einen guten Grund. Zum einen erinnert EZB-Präsident Mario Draghi die Finanzminister der Euro-Staaten regelmäßig daran, die Haushaltsregeln zu beachten. Die Notenbank sollte mit gutem Beispiel vorangehen, auch weil ihr das Geldschöpfungsmonopol für Europas Wirtschaft übertragen wurde. Wer an der Quelle sitzt und sich in den Augen der Öffentlichkeit auch nur dem geringsten Selbstbedienungsverdacht aussetzt, kommt schnell in Verruf. Die EZB verfügt theoretisch zwar über unbegrenzte Mittel. Doch gerade das verstärkt ihre Pflicht, die eigenen Ausgaben so besonnen wie möglich zu kalkulieren. Es geht um die eigene Glaubwürdigkeit. Oder wie es die EZB in ihrer Stellungnahme formulierte: "Die EZB tätigt ihre Einkäufe sehr bewusst."

Nun könnte man der Zentralbank vielleicht eine schlechte Prognose für den IT-Bedarf attestieren oder die Mitarbeiter schelten, weil sie ihre Geräte zu schnell verschleißen. Allein es hilft nichts. Frisches Geld für Computer gibt es wohl erst im nächsten Jahr. Der interne Notfallplan, Geld einer anderen Abteilung umzuwidmen und den klammen IT-Kollegen zuzuweisen, birgt Konfliktpotenzial: So wie die Finanzminister in Europa könnten sich dann die Abteilungsleiter der Bank um Geld streiten.

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