Export Der deutsche Exportrekord ist eine Steilvorlage für Trump

Deutsche Luxusfahrzeuge werden auf dem Leipziger Flughafen in einen Jumbo verladen. Ziel: Los Angeles (Archivbild)

(Foto: imago stock&people)

Deutschland verkauft so viele Waren ins Ausland wie nie zuvor. Das dürfte den Zorn des protektionistischen US-Präsidenten weiter vergrößern.

Von Alexander Hagelüken

Es wirkt wie eine Vorlage für Donald Trump: Deutschland hat 2016 so viel Waren ins Ausland verkauft wie noch nie. Der neue Export-Rekord dürfte die Kontroverse mit dem neuen US-Präsidenten weiter anheizen. Die amerikanische Regierung behauptet, zahlreiche Nationen verschafften sich gegenüber den Vereinigten Staaten unfaire Vorteile. Neben Mexiko und China geriet dabei besonders die Bundesrepublik ins Visier.

Trumps Berater Peter Navarro wirft Deutschland Ausbeutung vor. Der Euro sei wie eine Deutsche Mark, sein niedriger Wert schenke Deutschland einen Vorteil gegenüber wichtigen Handelspartnern. Die Bundesregierung weist das scharf zurück. Für den niedrigen Euro-Kurs ist schließlich die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank verantwortlich - und die entscheidet unabhängig.

Die neuen Zahlen dürften den Argwohn im Weißen Haus dennoch verstärken. Erst am Dienstag wurde bekannt, dass das amerikanische Handelsdefizit auf ein neues Vierjahreshoch gestiegen ist (siehe Grafik unten). Besonders viele Importe kommen aus China - und aus Deutschland. 44 Prozent des amerikanischen Handelsdefizits mit der EU entfallen auf die Bundesrepublik. Das ist doppelt so viel wie der deutsche Anteil an der europäischen Wirtschaftsleistung.

Der neue deutsche Handelsrekord - der Überschuss stieg auf 253 Milliarden Euro, die Exporte auf 1,2 Billionen Euro - dürfte die Protektionisten im Weißen Haus zusätzlich bestätigen. Trump drohte bereits mehreren Staaten, die nicht in seinem Sinne parieren, mit Strafzöllen von bis zu 45 Prozent. So etwas verstößt gegen die seit Jahrzehnten gültigen Regeln der Welthandelsorganisation WTO. Doch Trumps Respekt gegenüber langjährigen Partnerstaaten und internationalen Vereinbarungen ist gering.

Für Deutschland sind Trumps Ankündigungen bedrohlich: Die besondere deutsche Exportstärke bedeutet auch, dass Deutschland viel zu verlieren hat, wenn die US-Regierung zu protektionistischen Maßnahmen greifen sollte. Etwa zehn Prozent der deutschen Exporte gehen in die USA. Der Löwenanteil der Ausfuhren geht allerdings in die EU. So war es mit 708 Milliarden Euro auch 2016. Dabei nahmen die Exporte in die anderen europäischen Staaten um 2,2 Prozent zu, während die Ausfuhren in Drittstaaten leicht abnahmen.

Insgesamt gesehen ist der neue Exportrekord eine Überraschung, weil sich 2016 zahlreiche Risiken für die Weltwirtschaft abzeichneten. Doch weder schlitterte die Volksrepublik China in eine Rezession noch richtete der niedrige Ölpreis große Schäden an. Auch der Rückgang der Ausfuhren nach Großbritannien nach dem Brexit-Votum und der Wertverfall des Pfundes, der deutsche Waren verteuert, verhinderten den deutschen Exportrekord nicht.