Finanzmarkt:Grüne Anleihen für Europa

Sonnenuntergang

Windrad in Bayern: Investitionen in Ökostrom können Unternehmen mit Hilfe grüner Anleihen finanzieren. Die EU will einen eigenen Standard für diese Schuldscheine entwickeln.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)

Die EU-Kommission will einen eigenen Standard für umweltfreundliche Schuldverschreibungen festlegen. Das soll mehr Klarheit schaffen - doch es regt sich bereits Kritik.

Von Björn Finke, Brüssel

Grüne Geldanlagen sind angesagt - aber welche Investitionen wirklich grün sind, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die EU-Kommission will Anlegern und Konzernen mehr Klarheit liefern und damit den Markt für Öko-Investments fördern. Das soll helfen, die riesigen Investitionen zu ermöglichen, die für Brüssels ehrgeizige Klimaschutzziele nötig sind. Anfang Juli wird Finanzmarktkommissarin Mairead McGuinness eine weitere Initiative zu diesem Thema präsentieren: einen Gesetzesvorschlag für Europäische Grüne Anleihen, auf Englisch EuGB abgekürzt.

Der Süddeutschen Zeitung liegt ein Entwurf der Verordnung vor. Darin werden Standards für diese Öko-Schuldscheine bestimmt. Firmen oder Regierungen müssen die Einnahmen aus den Anleihen demnach für grüne Tätigkeiten nutzen - und bei der Frage, was grün ist, müssen sie sich an die sogenannte Taxonomie halten, welche die Kommission gerade entwickelt. Dieses Klassifizierungssystem legt fest, welche wirtschaftliche Aktivität klima- und umweltfreundlich ist und welche nicht. Dieses weltweit erste System seiner Art soll verhindern, dass Konzerne Greenwashing betreiben, also Geschäfte als grün verkaufen, die es nicht sind.

Die Taxonomie ist allerdings umstritten. Im April präsentierte die Kommission Kriterien dafür, wann wichtige Branchen und Produkte klimafreundlich sind. Doch die heikle Frage, ob und wie Gas- und Atomkraftwerke dem Klima helfen, klammerte die Behörde aus - und will sie bis Jahresende beantworten.

Der Standard ist nicht verpflichtend - ein Problem?

Der neue EU-Standard für grüne Anleihen soll dem Entwurf zufolge nicht verpflichtend sein: Regierungen und Unternehmen können ihn nutzen, wenn sie Schuldscheine für Öko-Investments herausgeben wollen, sie müssen es aber nicht. Stattdessen können sie sich weiter auf einen der vielen bereits existierenden Standards für grüne Anleihen berufen.

Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber findet das nicht schlüssig: "Die Kommission beschwert sich über zu viele Standards für nachhaltige Anleihen und verschärft das Problem dann selbst, indem sie noch einen zusätzlichen freiwilligen Standard schafft", klagt der wirtschaftspolitische Sprecher der christdemokratischen EVP-Fraktion. Zudem seien die Vorgaben des neuen Standards sehr aufwendig für Herausgeber und wenig flexibel.

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