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Partnersuche:Wer zahlt beim ersten Date?

Weinrestaurant in Berlin, 1936

Ein Mann und eine Frau sitzen in einem Restaurant in Berlin im Jahr 1936. Damals war noch klar: Sie genießt, er zahlt.

(Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)

Nach wie vor sehen viele den Mann in der Pflicht. Doch klar ist nur: Es ist kompliziert - auch wenn sich in den vergangenen Jahrzehnten einiges geändert hat.

Es ist der Moment, der vieles zerstören kann bei einem Date: Der Kellner tritt an den Tisch, die Rechnung in der Hand und fragt: "Getrennt oder zusammen?" Und als entscheide die Antwort auch gleich über die Zukunft der beiden Datepartner, macht sie einige Menschen nervös. Vor allem Männer, wie ein Blick in Onlineforen zeigt. Soll er die Frau einladen? Erwartet sie es sogar? Oder fühlt sie sich dadurch bevormundet? Das Thema ist kompliziert. Fest steht nur: Nichts steht fest. Aber es gibt ein paar Anhaltspunkte.

Die versucht auch Horst Wenzel den Männern und Frauen zu geben, die in seinen Workshops die Wer-zahlt-beim-ersten-Date-Frage stellen. Der Datingcoach hat mit seiner "Flirtuniversity" in Köln bereits mehr als 1000 Singles beraten - vom 18-Jährigen, der von seiner Mutter angemeldet wird, bis zum 67-Jährigen, der eine Scheidung hinter sich hat. "Es gibt bei vielen die Erwartungshaltung, dass der Mann zahlt", sagt Wenzel. Das hat eine Umfrage gezeigt, die er online gestartet hat: Dort haben fast 60 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer angegeben: "Ganz klar, der Mann." Einer anderen Umfrage zufolge, die das Datingportal Elitepartner in Auftrag gegeben hat, ist es immerhin jeder vierten Frau wichtig, eingeladen zu werden.

"Für sie war der Typ gestorben, als er ihren Hamburger nicht zahlen wollte."

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Eine solche Frau erzählte Wenzel mal von einem Date, das aus ihrer Sicht ziemlich missglückt war. "Für sie war der Typ in dem Moment gestorben, als er ihren Hamburger nicht zahlen wollte", sagt Wenzel. Deshalb hat er eine konservative Empfehlung: "Als Mann sollte man erst mal zahlen, wenn man dieses Risiko vermeiden will." Aber: Nur wenn man das auch will.

Hat sich etwa gar nichts verändert in den vergangenen hundert Jahren? Trotz Emanzipation und Feminismus? "Doch", sagt Knigge-Coach Inge Wolff vom Arbeitskreis Umgangsformen International (AUI). "Diese uralten Mann-Frau-Umgangsformen kommen ja aus einer Zeit, in der die Frau gar kein Geld hatte", sagt sie. Der Mann verdiente das Geld. Bis 1977 durfte die Frau nur arbeiten, "soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist", wie es im Bürgerlichen Gesetzbuch hieß. Bis 1958 konnte der Ehemann die Arbeit seiner Frau sogar kündigen, ohne sie zu fragen, wenn dadurch "die ehelichen Interessen beeinträchtigt" wurden.

Die Zeiten haben sich geändert und damit auch die Frage, wer beim Date zahlt. "Heute ist es eine Frage der Absprache", sagt Wolff. Am besten sollte man schon beim Vorschlag, miteinander essen zu gehen, deutlich machen, ob man den anderen einladen möchte. Die Frage "Wollen wir zusammen essen gehen?" könne missverstanden werden. Besser sei: "Hast du Lust, mit mir essen zu gehen? Ich würde dich gern einladen" - egal ob Mann oder Frau. Der andere könne dann immer noch sagen: "Gern, aber lass uns jeder für sich bezahlen", sagt Wolff. "Denn es gibt eine Reihe von Frauen, die das nicht wollen, weil sie sich dadurch abhängig fühlen."

Doch was, wenn man vorher nichts abgesprochen hat, und der Kellner erwartungsvoll am Tisch steht? In Filmen greift dann die Frau zur Handtasche, signalisiert, dass sie zahlen will, bis der Mann sagt: "Ich mach das schon." Im Englischen gibt es sogar einen Begriff für diesen Griff zum Portemonnaie: "the reach". Datingcoach Wenzel findet das Spiel wichtig, weil beide dadurch signalisieren, dass sie zahlen wollen. "Das sorgt dafür, dass der andere sich wertgeschätzt fühlt." Wer dann letztendlich zahle, sei zweitrangig.

Der Zahlende hat jedoch einen psychologischen Effekt auf seiner Seite: Der Eingeladene fühlt sich eher verpflichtet, etwas zurückzugeben - und sei es nur eine Stunde seiner Zeit. Wenzel spricht dabei vom Prinzip der Reziprozität. "Das kennt man aus dem Supermarkt: Man darf einen Brotaufstrich probieren und will dann dieser Firma etwas zurückgeben." Was dazu führe, dass man den Brotaufstrich eher kaufe. "Das funktioniert auch beim Date", sagt Wenzel. Denn da komme noch ein zweiter psychologischer Effekt hinzu: "Wenn ich etwas für den anderen investiere, dann macht das die Person in meinen Augen attraktiver." Wer extra für ein Date von München nach Hamburg fährt, hat demnach so viel Mühe und Geld in das Treffen gesteckt, dass ihm der Datepartner automatisch begehrenswerter erscheine.

Ganz übel, wenn sie ihm großspurig einen Geldschein über den Tisch reicht

Am einfachsten ist die Bezahlfrage ohnehin, wenn sich beide gefallen und es nicht nur bei einem Date bleiben soll. Denn dann kann man nach dem Essen sagen: "Ich bezahle jetzt, du kannst ja beim nächsten Mal zahlen." Das könne selbstverständlich auch eine Frau sagen, finden beide Coaches. So neu ist diese Idee nämlich gar nicht. In einem Benimmratgeber der Zentralsparkasse Wien aus den Sechzigerjahren steht zwar noch: "Er bestellt für beide, und sie redet womöglich nicht dazwischen." Doch schon damals wurde empfohlen, dass unter Umständen die Frau zahlt. "Es kann ja sein, daß er noch studiert, während sie schon recht gut verdient", heißt es dort. Aber: "Natürlich sieht es gar nicht nett aus, wenn sie vor dem Ober großspurig ihre Geldbörse zieht oder vor aller Augen einen Geldschein über den Tisch reicht." Da bekomme der Herr "bestimmt einen roten Kopf" und fühle sich "recht jämmerlich". Die "Dame" solle ihm lieber heimlich einen Schein in die Brieftasche stecken oder "vorher stillschweigend die Kinokarten besorgen". Immerhin das hat sich geändert.

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