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Rechtsstreit:Männer-Mangel beim Online-Dating

  • Eine 47-jährige Frau aus England hat einen Rechtsstreit gegen eine Online-Dating-Agentur gewonnen.
  • Sie hatte das Unternehmen verklagt, weil ihrer Meinung nach zu wenige Männer zur Auswahl standen.
  • Die Frau war seit 2013 bei dem Unternehmen angemeldet und wollte einen wohlhabenden Geschäftsmann finden. Sie bezahlte dafür einen Mitgliedsbeitrag von rund 14.000 Euro.

Romantische Augenblicke wie diesen erhoffen sich viele Nutzer und Nutzerinnen von Online-Dating-Portalen.

(Foto: Tamas Kovacs/AP)

14.000 Euro, so viel Geld war Tereza Burki aus Chelsea ein passender Mann wert. Die Summe bezahlte sie an ein Elite-Dating-Unternehmen, mit dem Wunsch, einen gutverdienenden festen Freund zu finden. Ihrer Meinung nach standen ihre dafür jedoch zu wenige Männer zur Auswahl. Tereza verklagte die Firma - und bekam nun Recht.

Am Mittwoch kam das Gericht in England zu dem Entschluss, dass das Unternehmen sein Versprechen einer "exklusiven" Mitgliedschaft nicht gehalten hatte. Die Agentur Seventy Thirty mit Sitz in London bezeichnet sich selbst auf ihrer Homepage als "erstes exklusives, Luxus-Matchmaking-Unternehmen". Matchmaking ist nichts anderes als eine maschinelle Partnerschaftsvermittlung, die auf ein besonders Erfolg versprechendes Hilfsmittel setzt: Algorithmen. Besonders ausgetüfftelte und ausgewogene Formeln sollen Menschen einander vorschlagen, bei denen die Chancen auf gegenseitige Zuneigung besonders hoch stehen.

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Nachdem Burki ihren Vertrag mit dem Anbieter unterzeichnet hatte, erfuhr sie von der Agentur, dass für sie etwa 100 Männer infrage kommen könnten. Was aber offenbar nicht stimmte. "Es geht um eine Frau, die zu einem Kauf verleitet wurde, bei dem ihr falsche Hoffnungen gemacht wurden", sagte der Richter Richard Parkes dem Guardian. "Es ist ihnen sozusagen misslungen, der Frau das anzubieten, wofür sie gezahlt hat."

Die 47-Jährige hatte sich 2013 bei der Dating-Firma angemeldet. Die geschiedene, dreifache Mutter, war auf der Suche nach einem Mann, der ihren Anforderungen entspricht. Diese waren nicht gerade bescheiden. Tereza wollte, schreibt der Guardian, einen "anspruchsvollen Gentleman" finden, der in der Finanzwirtschaft beschäftigt ist. Ein wohlhabender Geschäftsmann, der auch gerne verreist. Ihren Kinderwunsch sollte er auch teilen - sie hätte immer schon am liebsten vier gehabt. Diesen Suchkriterien würden aber wohl längst nicht alle der 100 aktiven männlichen Mitglieder entsprechen. "Hätte Tereza Burki über die wahre Zahl der Männer Bescheid gewusst, wäre sie nicht beigetreten", war sich der Richter sicher.

Zu hoch gesteckte Vorstellungen

In der Anklage verlangte Tereza Burki den Mitgliedsbeitrag von 12.600 Englischen Pfund - knapp 14.000 Euro - zurück. Dazu sollte noch ein Schadenersatz für ihre verzweifelte Suche kommen. Die Dating-Agentur ließ das aber nicht einfach auf sich sitzen und verklagte Burki ebenfalls, auf üble Nachrede. Ihre Internet-Rezensionen sollen demzufolge geschäftsschädigend gewesen sein und Unwahrheiten beinhaltet haben. Am Ende bekam Burki ihren Beitrag zurück und weitere 500 Pfund (558 Euro) an Entschädigung. In der Gegenklage erhielt die Agentur allerdings 5000 Pfund für eine vom Gericht als verleumderisch befundene Google-Bewertung von Burki aus dem Jahr 2016. Dabei wären laut Richter Parkes sogar einige Männer in der Kartei der Agentur gewesen, die zu Terezas Ansprüchen gepasst hätten. Nur eben nicht so viele wie versprochen. Die Agentur im Internet als "betrügerisch" darzustellen, wertete er trotzdem als Verunglimpfung.

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