Energie - Jena:Leitung fällt in eisiger Nacht aus: Fernwärme zurück

Deutschland
Eine wegen Havarie-bedingten Bauarbeiten gesperrte Straße in Jena. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa (Foto: dpa)

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Jena (dpa/th) - Mit Pragmatismus und gegenseitiger Unterstützung sind viele Menschen in Jena-Nord dem Ausfall ihrer Fernwärmeversorgung nach einem Wasserrohrbruch begegnet. Sie habe sich die Nacht über in ihrer Wohnung mit ihrer Tochter aneinander gekuschelt, sagte etwa Annett Schulz-Eilenstein am Donnerstagmorgen. Ein Freund habe einen zusätzlichen Heizkörper gebracht. Zwar habe sie kalt duschen müssen. "Aber das war eine neue Erfahrung und ganz gut. Das werde ich jetzt häufiger machen."

Die Friseurin Schulz-Eilenstein und ihre Tochter gehören zu den etwa 15 000 Bewohnern von Jena-Nord, die nach der Havarie einer Leitung ab Mittwochmorgen fast 24 Stunden von der Fernwärmeversorgung abgeschnitten waren. Bei frostigen Verhältnissen funktionierte keine Heizung mehr, kein warmes Wasser floss aus den Leitungen. Am Mittwochabend hatte ein Krisenstab der Stadt den Katastrophenfall ausgerufen.

Arbeiter waren auch die Nacht über im Einsatz, um unter widrigen Wetterbedingungen die schadhafte Stelle an der Leitung zu finden, freizulegen und zu verschweißen, wie die Stadtwerke mitteilten. Neben etwa 160 Helfern der Stadt, verschiedener Feuerwehren, des Technischen Hilfswerks und der Bundeswehr waren etwa 40 Mitarbeiter der Stadtwerke damit beschäftigt.

"Ursache für die Havarie war ein Riss in der Schweißnaht", sagte ein Sprecher der Stadtwerke. Am Mittwochmorgen war deshalb aus einem unterirdischen Fernwärmebauwerk eine heiße Dampfwolke ausgetreten. Nach der Reparatur konnte der Betrieb der Leitung schrittweise wieder aufgenommen werden.

Etwa ab 8.00 Uhr am Donnerstagmorgen erfolgte die Versorgung der betroffenen 6500 Haushalte wieder auf normalen Temperatur-Niveau in den Fernwärmeleitungen, wie die Stadtwerke mitteilen. Für Nacharbeiten an der Leitungs-Isolierung werde die Baugrube um den reparierten Rohrbruch noch etwa eine Woche offen gehalten.

Wegen des Katastrophenfalls galten nach städtischen Angaben für die von Kälte betroffenen Menschen die Corona-Kontaktbeschränkungen nicht - sie konnten von Angehörigen, Freunden oder Bekannten aufgenommen werden. Auch sechs Pflegeheime und eine Asylbewerberunterkunft waren laut Polizei von der Wärmeversorgung abgeschnitten. Stadtwerke und Feuerwehr versorgten einige der Pflegeheime behelfsmäßig. Mit Heizöl betriebene Notwärme-Container kamen zum Einsatz.

"Wir sind vom Schlimmsten ausgegangen", sagte der Stadtsprecher Kristian Philler. So habe die Stadt Vorbereitungen getroffen, um alle Betroffenen in Notunterkünfte etwa in Sporthallen bringen zu können. Letztlich mussten aber nur Bewohner von etwa 20 Haushalten in Hotels untergebracht werden. Die anderen seien bei Familie und Bekannten untergekommen, oder sie hätten die Nacht doch in den eigenen vier Wänden verbracht. Zudem seien mobile Heizlüfter ausgegeben worden.

"Eine 84-Jährige nahm es ganz pragmatisch und sagte, das kenne sie noch aus Nachkriegszeiten" sagte Philler. Vielen hätten sich gegenseitig geholfen. "Eine alte Dame, die einen afghanischen Flüchtling betreut, brachte ihm ein Heizgerät."

Auch der Leiter des Krisenmanagements der Stadtwerke Energie, Gunar Schmidt, lobte den Einsatz der Arbeiter sowie Helfer und hob auch das Verhalten der Betroffenen hervor: "Die Anwohner in Jena-Nord haben angesichts der außergewöhnlichen Situation nicht nur besonnen, solidarisch und pragmatisch reagiert, sondern den Helfern vor Ort teilweise persönlich für ihren Einsatz gedankt und sie sogar mit warmen Getränken unterstützt." Das sei nicht selbstverständlich.

© dpa-infocom, dpa:210210-99-382865/9

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