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Luftverkehr:United Airlines bestellt 200 Elektro-Flugzeuge

Pressebild ES-19 United Airlines

United Airlines über den Wolken: Die US-amerikanische Linienfluggesellschaft hat ihren Sitz in Chicago.

(Foto: OH)

Die Flugbranche steht unter Druck: Sie soll ihre Emissionen verringern. Nun hat die erste große Fluggesellschaft einen Großauftrag für Elektroflugzeuge vergeben.

Von Jens Flottau, Frankfurt

Die amerikanische Fluggesellschaft United Airlines bestellt bis zu 200 Elektro-Flugzeuge beim schwedischen Start-up Heart Aerospace. United und ihr Regionalpartner Mesa Airlines wollen die Maschinen vom Typ ES-19 auf Zubringerflügen auf den wichtigsten Drehkreuzen einsetzen. Rund 100 Strecken sind für die Flugzeuge denkbar, so das Unternehmen.

United ist die erste große Fluggesellschaft weltweit, die einen solchen Großauftrag für Elektroflugzeuge vergibt. Die Flugbranche steht unter enormen Druck, ihre Emissionen zu verringern. Gleichzeitig sind die technologischen Hürden, von herkömmlichem Treibstoff auf umweltverträglichere Antriebe umzustellen, besonders hoch. Wegen der geringeren Energiedichte und des vergleichsweise hohen Gewichts der Batterien sind reine Elektroantriebe nur für kleinere Flugzeuge denkbar.

Heart Aerospace ist einer von mehreren neuen Herstellern, der sich dennoch vorgenommen hat, eine rein elektrisch angetriebene Maschine zu entwickeln. Die ES-19 soll 19 Passagiere befördern und auf eine Reichweite von 250 nautischen Meilen (rund 460 Kilometer) kommen. Zum Vergleich: Ein 50-sitziger Turboprop von ATR schafft maximal 1500 Kilometer. Die ES-19 soll 2026 ihre Zulassung und erstmals ausgeliefert werden.

United Airlines ist Vorreiter für ungewöhnliche Initiativen

United selbst will 100 Maschinen betreiben, 100 weitere soll Mesa Airlines in ihrem Auftrag fliegen. Die Bestellungen sind an vertrauliche Bedingungen geknüpft. Vor allem geht es dabei aber dem Vernehmen nach um technische Garantien, die Heart Aerospace erfüllen muss. "Wir erwarten, dass der Kurzstrecken- und Regionalmarkt eine Schlüsselrolle in der Entwicklung von Elektroflugzeugen spielen wird," so United-Planungschef Michael Leskinen. "Sobald sich die Batterietechnologie verbessert, sollten auch größere Flugzeuge möglich werden, aber wir werden nicht mehr warten, diese Reise zu beginnen." United sieht für die ES-19 vor allem Einsatzmöglichkeiten an den Drehkreuzen in San Francisco und Chicago.

Die amerikanische Fluggesellschaft entwickelt sich immer mehr zu einem Motor für ungewöhnliche Initiativen in der Branche. Zuletzt hatte United ebenfalls einen großen, an ähnliche Bedingungen geknüpften Auftrag für 200 Flugtaxis des kalifornischen Start-Ups Archer vergeben. Diese sollen Passagiere aus einem Umkreis von 60 Meilen an die United-Drehkreuze anbinden und somit ein komplett neues Reiseangebot darstellen, das in Konkurrenz zu Taxis, Autos und Zügen steht. Die Flugtaxis von Archer sollen auch 2026 erstmals ausgeliefert werden.

United will darüber hinaus dem zivilen Überschall zu einer Renaissance verhelfen. 2029 soll Boom Supersonic die ersten seiner Overture-Jets an die Fluggesellschaft ausliefern. Diese sollen zwar herkömmliche Triebwerke bekommen, aber nur nachhaltig produziertes Flugbenzin nutzen.

© SZ/pauw
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