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Einzelhandel - Braunschweig:Bäcker stören sich weiter am "Bürokratiemonster" Bonpflicht

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Braunschweig (dpa/lni) - Die umstrittene Bonpflicht bleibt der Bäckerzunft auch fast ein Jahr nach der Einführung ein Dorn im Auge. "Vieles wird in der aktuellen Krise überlagert, aber diese Maßnahme bleibt ein großes Ärgernis", sagte Jan Loleit von der Bäcker- und Konditorenvereinigung Nord. Es bleibe weiterhin dabei, dass nur maximal drei Prozent der Kunden den Beleg mitnehmen. Die Bäcker kämpfen ihm zufolge weiter mit diesem "Bürokratiemonster".

Seit Jahresanfang müssen Händler mit elektronischen Kassensystemen ihren Kunden bei jedem Kauf unaufgefordert einen Beleg aushändigen. Die sogenannte Belegausgabepflicht ist eine von mehreren Maßnahmen, mit denen der Gesetzgeber Steuerbetrug über Mogelkassen einen Riegel vorschieben will. Dem Bundesfinanzministerium geht es um eine lückenlose Dokumentation und eine verstärkte Transparenz im Kampf gegen Steuerbetrug.

Für den Bäckerverband reichten die zuvor schon bestehenden Kontrollen völlig aus. Viele Kunden reagierten laut Sprecher Loleit auch weiterhin mit Unverständnis auf die sogenannte Belegausgabepflicht. Daran änderten aus Verbandssicht auch technische Lösungen für digitale Bons nicht viel. "Wenn der Kunde keinen Papierbon will, warum sollte er einen digitalen wollen?", hatte der Bäckerinnungsverband Niedersachsen/Bremen schon zur Einführung im Januar gefragt.

In jedem Fall wolle sich die Branche weiter gegen die Maßnahme wehren, kündigte Verbandssprecher Loleit an. Er habe auch das Gefühl, dass der Ärger und die Argumente bei der Politik ankommen und auch verstanden werden. "Es hapert aber noch an der Durchsetzung." Erst vor wenigen Wochen hatte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) auf der Umstellung von Ladenkassen zur Vermeidung von Steuerbetrug beharrt.

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