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Geldanlage:Schaut auf diesen Hund - wie brav!

Close Up Head Snout Of Beautiful Young Red Shiba Inu Puppy Dog Staying Outdoor. (Ryhor Bruyeu)

Da gibt's keine zwei Meinungen: Die beste Stupsnase des Internets trägt die Hunderasse Shiba Inu.

(Foto: Ryhor Bruyeu/imago)

Eigentlich war sie als Witz gedacht. Nun legt die Kryptowährung Dogecoin um mehr als 8000 Prozent zu.

Von Victor Gojdka, Frankfurt

Vielleicht ist die Finanzwelt in der Pandemie einfach auf den Hund gekommen. Genauer, auf einen japanischen Shiba Inu mit orangem Deckhaar, treuen Knopfaugen und einer kleinen Stupsnase. Der ist nicht nur süß, sondern gleichzeitig das Maskottchen der wohl kuriosesten Kryptowährung im Netz - die in den vergangenen Tagen zu einem großen Sprung angesetzt hat.

Als zwei Softwareentwickler vor einigen Jahren die Digitaldevise Dogecoin programmierten, war sie eigentlich bloß als Scherz gedacht. Doch nun ist daraus über das Wochenende eine ernstzunehmende Größe in der Finanzwelt geworden: Der gesamte Wert aller Dogecoin-Münzen summiert sich inzwischen auf rund 50 Milliarden Dollar, damit ist die Währung ungefähr so viel Wert wie der mehr als 150 Jahre alte Chemiekonzern Bayer. "Das ist schon eine Form der Realsatire", sagt Andreas Lipkow von der Direktbank Comdirect.

Anfang des Jahres war eine Einheit Dogecoin schließlich bloß einen halben Dollarcent wert, nun sind es bereits 38 Cent. Wer in einer Silvesterlaune also Dogecoin gekauft hätte, stünde nun mit einem Gewinn von 8100 Prozent da. Vielen Zockern war das allerdings noch nicht genug: Sie verabredeten sich in Internetforen zum "Dogeday". Am Dienstag dieser Woche wollten sie den Wert der Währung über die Marke von einem Dollar treiben.

Dabei hat der Dogecoin eigentlich kaum sinnvolle Anwendungsfälle. Nutzer können virtuelle Zahlungen mit ihm zwar schneller abwickeln als mit Bitcoin, einen echten Nutzen in der Praxis gibt es aber kaum. Viele Onlineversender oder Läden akzeptieren die Digitaldevise noch nicht.

Außerdem ist Dogecoin nicht einmal besonders selten. Während die Zahl der Bitcoin-Einheiten auf maximal 21 Millionen beschränkt ist und die wichtigste Kryptowährung damit rar macht, können bei Dogecoin jedes Jahr neue Einheiten geschaffen werden - und Druck auf den Preis ausüben. Das merkten die Anleger an diesem Dienstag deutlich: Anstatt weiter in die Höhe zu schießen, sank der Wert der Digitaldevise um mehr als zwei Prozent.

Eine Währung für den Mars

Doch schon in der Vergangenheit hatten beim Dogecoin die Rechnung viele ohne den bekennenden Riesen-Fan Elon Musk gemacht: Auf Twitter schwärmt der Tesla-Chef immer wieder vom Dogecoin. Mal bezeichnet der die Währung als "Volkswährung", mal als offizielle Währung auf dem Mars. Immer mit einem Augenzwinkern.

Manche Anleger entscheiden sich dennoch mit vollem Ernst für die riskante Zockerei. Viele Privatanleger in den USA investieren in diesen Tagen zum Beispiel ihre Corona-Hilfsschecks, die sie finanziell mitunter gar nicht brauchen. In einer Umfrage der Deutschen Bank gaben US-Anleger zu Protokoll, im Durchschnitt 37 Prozent der Hilfsmittel an den Börsen investieren zu wollen - mitunter auch riskant.

Die ersten Gewinner lassen sich bereits ausmachen, im Internetforum Reddit gab ein Nutzer zu Protokoll, mit den Dogecoins Millionär geworden zu sein. Daneben postete er als Beweis ein Foto seines Depotauszugs. Und natürlich einen virtuellen, orangefarbenen Hund.

© SZ
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