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DIW: Prognose erhöht:Aus Forschern werden Optimisten

Der Aufschwung 2010 wird zwar zaghaft vonstatten gehen - aber dennoch stärker als erwartet. Das DIW schraubt seine Konjunkturprognose nun nach oben.

Die Halbwertszeit von Prognosen ist nicht gerade lang. Noch Ende Juli hatte Klaus Zimmermann, der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), im Gespräch mit sueddeutsche.de für das kommende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent vorhergesagt.

Zweieinhalb Monate später hat sich die deutsche Konjunktur offenbar so stark aufgehellt, dass diese Vorhersage gleich wieder kassiert werden kann. Jetzt rechnet das DIW bereits mit einem Ansteigen der deutschen Wirtschaft um 1,3 Prozent.

Stabil sei die Belebung allerdings noch nicht, warnten die Konjunkturforscher in ihrer Herbstprognose. Der jüngste Einbruch werde auch nicht annähernd überwunden: "Ende 2010 wird gerade einmal wieder die Wirtschaftsleistung von Anfang 2006 erreicht sein", schrieben die Experten.

Und doch: Die Prognose liegt 0,5 Prozentpunkte über dem Wachstum, das für den gesamten Euroraum erwartet wird. "Nach einem beispiellosen Absturz der Produktion kehrt die Wirtschaft in Deutschland wieder auf einen Wachstumspfad zurück", heißt es in der Mitteilung.

Haushaltsloch von 125 Milliarden

Noch stärker wird die Weltwirtschaft im kommenden Jahr jedoch in den asiatischen Schwellenländern wachsen, die bisher nicht zu den Hauptabsatzgebieten deutscher Exporte zählen. Somit dürften sich die deutschen Exportzahlen der Prognose zufolge zunächst nur schwach entwickeln.

Auch die Arbeitslosigkeit wird wohl nicht so stark steigen, wie das die Experten noch vor Monaten erwarteten. Das DIW sagt für 2010 einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf etwas mehr als vier Millionen Erwerbslose voraus. Noch Ende Juli hatte Institutsleiter Zimmermann im sueddeutsche.de-Interview für 2010 mit durchschnittlich 4,8 Millionen Arbeitslosen gerechnet.

Zusätzliche Konjunkturmaßnahmen hält das DIW momentan nicht für notwendig. Ein großer Teil der Investitionsimpulse laufe gerade erst an. Die Forscher bezweifeln jedoch, "ob alle Projekte mit den erklärten Zielen der Politik vereinbar sind, nachhaltig die Wachstumskräfte zu stärken oder zur Reduzierung des Energieverbrauchs beizutragen". Die Produktionseffekte seien wegen "beachtlicher Sickerverluste" oft gering.

Trotz der sich abzeichnenden Erholung sind die staatlichen Haushalte in diesem und nächsten Jahr mit Defiziten in bisher ungekannter Höhe konfrontiert. Nach einem nahezu ausgeglichenen Hauhalt 2008 wird das Defizit in diesem Jahr rund 75 und im nächsten 125 Milliarden Euro betragen. Die Defizitquoten erreichen damit 3,2 beziehungsweise 5,2 Prozent des nominalen Bruttoinlandsproduktes. "Die Maastricht-Kriterien einer maximalen Nettoneuverschuldung von drei Prozent und einer Schuldenquote von höchstens 60 Prozent rücken damit in weite Ferne", teilten die Forscher mit.