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Discounter:Vom Ruhrgebiet in die ganze Welt

Karl Albrecht, der kürzlich verstorbene Chef von Aldi Süd, hatte als Erster erkannt, dass die Discount-Idee exportfähig ist: 1967 übernahm er die kleine österreichische Kette Hofer, baute sie zügig aus und nutzte den Standort in der Alpenrepublik, um Märkte im Südosten Europas zu erschließen. Bruder Theo, der 2010 starb, machte sich mit Aldi Nord in den Siebzigerjahren zunächst in die Niederlande auf, ging dann nach Belgien und Frankreich.

Aldi Von Essen-Schonnebeck in die Bronx
Aldi im Ausland

Von Essen-Schonnebeck in die Bronx

Als Edel-Discounter in der Schweiz, mit nachgeahmten US-Marken oder als günstige Einkaufsalternative der britischen Mittelschicht: drei Beispiele für Aldis Sprung ins Ausland.   Von Kathrin Werner, New York, Björn Finke, London, und Charlotte Theile

In den USA, der Heimat des weltweit größten Handelskonzerns Walmart, engagierten sich beide Aldi-Gesellschaften auch schon Ende der Siebzigerjahre. Und das nicht etwa als Verbündete, sondern als Rivalen. Weggefährten der Handelspioniere berichten, dass es keine Absprachen für die weltweite Expansion gab - ganz anders als in der Heimat, wo der vom Niederrhein über Siegen bis nach Fulda verlaufende "Aldi-Äquator" die Republik in zwei Teile schneidet. Eine Sonderrolle nehmen dabei die östlichen Bundesländer ein. Sie sind überwiegend das Reich von Aldi Nord.

Die anderen deutschen Discounter wagten sich erst sehr viel später in die Ferne als Aldi. Lidl startete 1988 in Frankreich, Norma im Jahr darauf ebenfalls in Frankreich und Penny zeigte erstmals 1994 in Italien außerhalb des Heimatmarktes Flagge.

Mit landestypischen Einkaufsgewohnheiten beschäftigen sich die Aldi-Manager (wie auch ihre Kollegen bei anderen Discountern) bei ihrem Feldzug nur wenig. Sie wollen das Aldi-Prinzip eins zu eins übertragen. "Global" bezeichnet die Managementliteratur diese Strategie, wobei der Begriff nicht auf die geografische Ausweitung zielt, sondern die Art der Internationalisierung beschreibt. Das Format der Geschäfte wird im Ausland kaum verändert. Auch der Marktauftritt ist ähnlich, ebenso die Sortimente. Viele Eigenmarken-Produkte werden identisch in mehreren Ländern verkauft. Das spart Kosten bei der Beschaffung und erlaubt es, auch mit einem kleinen Marktanteil profitabel zu arbeiten - Aldi ist nicht auf große Einkaufsmengen in den einzelnen Märkten angewiesen, um günstige Konditionen zu erhalten.

100-jähriges Jubiläum

Zehn Dinge, die Sie noch nicht über Aldi wissen

Nicht überall hatte Aldi mit seinem Konzept des Klonens vom Start weg Erfolg. Die Dänen etwa taten sich lange Zeit schwer, bei einem ausländischen Unternehmen einzukaufen. Auch die Amerikaner hatten anfangs Probleme mit der deutschen Einkaufskultur. Sie waren es nicht gewohnt, ihre Einkäufe selbst einzupacken und auch noch Geld für eine Tüte bezahlen zu müssen. Das übernehmen in den USA üblicherweise Supermarktangestellte, gratis und ohne Extra-Preis für die Tüte. In Großbritannien beging Aldi zunächst den Fehler, seine Läden in Problemvierteln anzusiedeln, was ihnen den Ruf von "Poor Man's Stores" einbrachte - Armeleuteläden.

Aber bei Aldi haben sie einen langen Atem. Sie wissen, dass sie auf einen starken Verbündeten setzen können: die Rezession. Wann immer die Konjunktur stockt und die Verbraucher sparen müssen, geraten sie ein wenig mehr in Versuchung, bei dem Billiganbieter reinzuschauen.