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Diesel:"Dieses Diesel-Bashing muss aufhören!"

Volkmar Denner

Warnt vor "Diesel-Bashing": Bosch-Geschäftsführer Volkmar Denner.

(Foto: dpa)
  • Das schlechte Image der Diesel-Technologie bedroht aus Sicht des weltweit größten Autozulieferers Bosch Arbeitsplätze.
  • Die Anzahl der Beschäftigten "könnte dieses Jahr schon zum Thema" werden, sagt Vorstandschef Volkmar Denner.
  • Zwar seien die Werke derzeit gut ausgelastet. Dies liege aber an einer hohen Nachfrage aus China.

Der schwäbische Autozulieferer Bosch warnt, das zunehmend schlechte Image des Diesel könnte bereits in diesem Jahr zu einem Stellenabbau im Diesel-Bereich führen. Die Anzahl der Beschäftigten "könnte dieses Jahr schon zum Thema" werden, sagte Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung in Stuttgart. Derzeit seien die allermeisten entsprechenden Werke zwar voll ausgelastet, das hänge jedoch an der guten Nutzfahrzeug-Konjunktur in China.

Die steigenden Absatzzahlen dort übertreffen den Rückgang der Nachfrage bei den Pkw gerade in Europa. Diese Kompensation werde nicht mehr lange gutgehen. Derzeit sehe man bereits in Frankreich die Folgen der sinkenden Nachfrage nach Dieselautos. Die Diesel-Teile aus dem Werk in Rodez würden nicht mehr so stark nachgefragt wie gewünscht; die Bosch-Geschäftsführung rund um Auto-Sparten-Chef Rolf Bulander überlegt deshalb derzeit gemeinsam mit der Belegschaft, ob die Fabrik auch andere Produkte fertigen könnte.

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Bosch ist der größte Autozulieferer der Welt und der größte Entwickler und Lieferant für Dieselkomponenten; ein Viertel der 400 000 Beschäftigten arbeitet in diesem Bereich, etwa zehn Milliarden des Jahresumsatzes von 78 Milliarden Euro (2017) kommen aus diesem Bereich.

"Wir sehen solche Herausforderungen auch in Deutschland", sagt Denner, der eindringlich für eine Trendumkehr wirbt: "Dieses Diesel-Bashing muss aufhören!" Das Vertrauen müsse zurückkehren, dazu benötigten die Verbraucher Rechtssicherheit. Das Problem sei dabei auch die Industrie, die "zu wenig mit einer Stimme" spreche, so Denner. Deshalb sei die Idee eines Forschungsinstituts der Autoindustrie "eigentlich nicht schlecht", sagte der Bosch-Chef. Sofern alles "ganz transparent" ablaufe, in Zusammenarbeit mit NGOs, "und wenn alle Studienergebnisse veröffentlicht werden, nicht nur die gefälligen".

Solche Untersuchungen würden helfen, so Denner, "die übergroßen Emotionen zu mindern und zu einer faktenbasierten Diskussion zurückzufinden". Für die Industrie gelte: "Derzeit haben wir bei dem Thema Diesel gar keinen Kredit mehr in der Öffentlichkeit, dabei kann er ja sehr gut, sehr effizient sein." Bosch war vor zehn Jahren Gründungsmitglied des derzeit umstrittenen EUGT-Instituts, aber hatte sich dort bereits 2013 zurückgezogen.

Eine aktuelle Studie der zivilgesellschaftlichen Forschungsinstitution International Council on Clean Transportation (ICCT) dürfte das Diesel-Image weiter beschädigen. Wie das ICCT feststellt, biete der Diesel aus Klimaschutzsicht "keinen nennenswerten Vorteil mehr". Bestes Beispiel sei der aktuelle VW Golf, der in der Diesel-Variante bei gleicher Motorleistung mitunter sogar mehr CO₂ ausstoße und zugleich über 3000 Euro mehr koste als ein vergleichbarer Benziner. Benzin-Motoren seien immer effizienter geworden, sodass die Unterschiede beim Kohlendioxid höchstens noch fünf Prozent betrügen - oder es eben gar keine mehr gebe. Aus Sicht von Bosch wäre das wohl ein erster Fall zur gemeinsamen Forschung. Dort wie auch bei vielen Autobauern sieht man den Diesel weiter als überlegene Technik an.

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