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Deutsche Bank und die Politik:Klinkenputzen für die Frankfurter

Jain and Fitschen, Co-Chairmen of the Management board and the Group Executive Committee of Germany's largest business bank, Deutsche Bank AG arrive for the annual news conference in Frankfurt

Deutsche-Bank-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain.

(Foto: REUTERS)

Es gab eine Zeit, da bewegten sich die Chefs der Deutschen Bank in den höchsten Machtzirkeln der Politik - doch seit der Finanzkrise ist das Verhältnis zur Kanzlerin beschädigt. Merkel ist so vergrätzt, dass die jetzigen Chefs Fitschen und Jain es schwer haben, sie zu sprechen.

Nicht alles läuft schlecht, immerhin: Die Linksfraktion hat abgesagt. Wenigstens der Small Talk mit dem Klassenfeind bleibt Jürgen Fitschen an diesem Dienstagabend erspart. Es ist Mitte Februar, der Co-Chef der Deutschen Bank und sein Vorstandskollege Stephan Leithner haben die Mitglieder des Bundestagsfinanzausschusses in die Parlamentarische Gesellschaft gleich gegenüber vom Reichstag eingeladen. Fitschens Amtsvorgänger Josef Ackermann ließ sich und seine engsten "Freunde" einst im Bundeskanzleramt von Hausherrin Angela Merkel bewirten. Heute speisen die Top-Manager des größten deutschen Geldhauses mit Abgeordneten, deren Namen sie teilweise erst mal googeln mussten.

Die Dinge haben sich verändert, und es waren nicht, oder zumindest nicht nur, Fitschen und sein Co-Chef Anshu Jain, die das Verhältnis zwischen ihrer Bank und den Regierenden in Berlin vergiftet haben. Es war vor allem auch der einstige Kanzlerinnenfreund Ackermann. Er brachte auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise Merkel und ihren damaligen SPD-Finanzminister Peer Steinbrück mit der angeblichen Bemerkung gegen sich auf, er würde sich schämen, müsste die Deutsche Bank finanzielle Hilfen des Bundes annehmen. Und das ausgerechnet nachdem er sich selbst massiv dafür eingesetzt hatte, dass die Regierung mit Milliarden wankende Banken stützt. Danach arbeiteten Ackermann und Merkel zwar noch zusammen, aber zähneknirschend.

Hübsche Fassade mit Rissen

Nach außen hin lassen sich beide Seiten nichts anmerken. Die Kanzlerin erscheint pflichtbewusst zur Amtseinführung von Fitschen als Präsident des Bankenverbands, die Vorstände lassen in Hintergrundgesprächen mit Journalisten immer wieder ihre Bewunderung für Merkel durchblicken. Doch die schöne Fassade hat deutliche Risse. Die Kanzlerin ist mittlerweile so nachhaltig vergrätzt, dass die Chefs der Deutschen Bank es schwer haben, sie zu sprechen. Doch langsam baut die Kanzlerin ihr Vertrauen zu den beiden neuen Co-Chefs auf, man hat Hoffnung in Frankfurt.

Doch es gibt keine Fotos mehr, auf denen Banker und Politiker einträchtig beisammenstehen. Die Deutsche Bank wolle nicht mehr "auf Bunte-Niveau" mit der Politik kommunizieren, heißt es. Man will Bescheidenheit und Zurückhaltung demonstrieren. Alles andere käme bei den Abgeordneten auch schlecht an: Sie haben Angst, dass sie für zu engen Kontakt mit der Bank zu Hause im Wahlkreis beschimpft werden. Selbst Minister und Staatssekretäre, die der Bank als Institution nach wie vor gewogen sind, halten Distanz. "Wenn sich ein Geldhaus alle 14 Tage in eine neue strafrechtliche relevante Affäre verstrickt, dann können Politiker gar nicht anders, als sich von dieser Bank fernzuhalten", sagt einer von ihnen.

Weil die Skandalserie des Instituts einfach nicht abreißen will, verfängt auch Fitschens Lamento kaum noch, es habe sich in allen Fällen um das bedauerliche Fehlverhalten Einzelner gehandelt. Wenn Fehlverhalten immer aus demselben System heraus entstehe, dann sei auch das System selbst fehlerhaft, sagt ein Bundestagsabgeordneter.

"Wir sind dabei unsere Beziehung zur Politik neu zu definieren"

Fitschens und Jains Mantra vom "Kulturwandel", der sich derzeit hausintern vollziehe, klingt in den Ohren vieler Politiker entsprechend hohl. "Mag sein, dass Fitschen selbst das ernst meint", heißt es in Regierungskreisen. "Dem angestellten Investmentbanker in Hongkong aber ist dieses Gerede herzlich egal!"

In der Bank versucht man, der Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen: Nach den Erfahrungen der Finanzkrise sei es völlig verständlich, ja, sogar gesund, dass die Bank "einem hohen Maß an kritischer Auseinandersetzung" begegne, heißt es im Führungskreis des Geldkonzerns. Deswegen versuche man aktiv, Aufklärungsarbeit zu leisten. "Wir sind dabei unsere Beziehung zur Politik neu zu definieren. Wir machen weniger direkte Lobbyarbeit, wir sehen uns als Gesprächspartner." Das funktioniere auch, die Politik hätte offene Ohren, auch wenn das keiner an die große Glocke hängen würde. "Wir haben gute Gespräche und Diskussionen auf allen Ebenen", betont eine Sprecherin der Bank.

Und in der Tat gibt es auf der Arbeitsebene noch funktionierende Kontakte zwischen der Bank auf der einen sowie dem Finanzministerium und dem Kanzleramt auf der anderen Seite. Vor der Verabschiedung von Finanzmarktgesetzen spricht man miteinander. Dass die Branche dabei aber wirklich Hand anlegen könne, sei eine Mär, sagen Banker und Politiker unisono.