Jahresbilanz der Bahn Der Gewinn sinkt, die Schulden steigen

Die Lampen leuchten rot: Die Deutsche Bahn versucht, ihre zahlreichen Probleme zu lösen.

(Foto: REUTERS)
  • Die Deutsche Bahn machte 2018 weniger Gewinn, obwohl sie einen neuen Fahrgast-Rekord erzielte.
  • Das Ergebnis drückten unter anderem Investitionskosten und hohe Zinsen für die Schulden des Konzerns.

Für die Deutsche Bahn war 2018 kein gutes Jahr. Zugausfälle, Verspätungen und diverse andere Probleme - das zeigt sich nun auch in den Jahreszahlen: Obwohl der Konzern einen scharfen Sparkurs verfolgte und einen generellen Ausgabenstopp verhängte, verfehlte er sein mehrfach heruntergesetztes Gewinnziel knapp. Das bereinigte Ergebnis sank um etwa 1,9 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg dagegen um drei Prozent auf gut 44 Milliarden Euro.

Geholfen hat der Bahn dabei auch ein neuer Passagierrekord mit erstmals mehr als 150 Millionen Fahrgästen in IC und ICE, der allerdings mit zahlreichen Sonderangeboten erkauft wurde. Nach Abzug von Steuern und Zinszahlungen auf die fast 20 Milliarden Euro Schulden bleibt der Bahn allerdings nur noch ein Nettogewinn von 542 Millionen Euro. Das sind fast 30 Prozent weniger als im Vorjahr und reicht nicht einmal, um die Dividende von 650 Millionen Euro an den Bund zu zahlen.

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Die gestiegenen Fahrgastzahlen brächten "Nebenwirkungen in Form von Wachstumsschmerzen" mit sich, sagte DB-Chef Richard Lutz in Berlin. Dazu zähle die "nicht zufriedenstellende Pünktlichkeit". Im vergangenen Jahr war im Durchschnitt jeder vierte ICE, Intercity und Eurocity verspätet. Als verspätet zählt die Bahn nur Züge, mindestens sechs Minuten später zum Stehen kommen, als im Fahrplan vorgesehen.

Um den Anstieg der Schulden zu begrenzen, treibt die Deutsche Bahn einen möglichen Verkauf der profitablen Auslandstochter Arriva voran. Am Mittwoch beauftragte der Aufsichtsrat den Vorstand, verschiedene Verkaufsoptionen zu prüfen. Schon seit längerem ist ein möglicher Verkauf oder Teilverkauf im Gespräch. DB Arriva mit Sitz im nordenglischen Sunderland betreibt mit mehr als 50 000 Beschäftigten Busse und Züge in 14 europäischen Ländern, etwa in Großbritannien, Polen und Italien. Bahnchef Lutz hatte dem Bund im Januar vorgeschlagen, Arriva zu verkaufen. Damals hieß es, das könne rund 4 Milliarden Euro einbringen. Nach Bahnangaben erzielte die Auslandstochter im vergangenen Jahr einen Umsatz von 5,44 Milliarden Euro.

Grüne fordern Pünktlichkeits-Pflicht

Die Deutsche Bahn nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen auch 17 Züge der österreichischen Westbahn kaufen, um ihre Flotte im Fernverkehr zu stärken. Das werde etwa 300 Millionen Euro kosten. Die ersten Züge aus dem Kauf könnten zum nächsten Fahrplanwechsel Ende des Jahres verfügbar sein.

Die Grünen pochen auf eine Pünktlichkeits-Garantie von Konzernchef Richard Lutz: "Wir fordern die Deutsche Bahn auf, ihren Fahrgästen ein ernsthaftes Pünktlichkeitsversprechen zu geben. 2030 sollen 97 Prozent der Züge ihr Ziel pünktlich erreichen - das ist realistisch und angemessen", sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter der Neuen Osnabrücker Zeitung (Donnerstag). "Dafür braucht es eine ordentliche Finanzspritze durch den Bund, um das Schienennetz auszubauen, mehr Züge aufzugleisen und mehr Fachleute einzustellen."

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