Zug fahren Was Sie zur Deutschen Bahn wissen müssen

ICE 4 vor Hamburger Kulisse

(Foto: Deutsche Bahn AG)

Ist die Bahn wirklich so oft zu spät? Woran liegt das? Und sind andere Verkehrsmittel pünktlicher - und umweltfreundlicher? Antworten in elf Grafiken.

Von Sven Lüüs, Grafiken von Julian Hosse

Die Deutsche Bahn wollte eigentlich pünktlicher werden. Tatsächlich ist sie in den vergangenen drei Jahren immer unpünktlicher geworden. Dies ist nur ein Aspekt des komplexen Systems Bahn. Ein Überblick über die wichtigsten Statistiken.

1. Wann gilt ein Zug als verspätet?

Die Bahn zählt einen Zug als zu spät, wenn er mindestens sechs Minuten später als vorgesehen im Bahnhof eintrifft. Alle Zwischenhalte fließen in die Statistik mit ein. Für 2018 hatte sich die Bahn vorgenommen, dass nur noch 18 Prozent aller Fernzüge verspätet sein sollen. Das hat nicht geklappt, ein Viertel der Züge kam zu spät. Nun hat das Unternehmen das 18-Prozent-Ziel auf 2025 verschoben.

Die Bahn begründet Verspätungen oft mit "höherer Gewalt", also mit Ereignissen, an denen sie nicht direkt Schuld trägt - wie etwa Suizide, Brände oder Kabelklau. Auch das Wetter hat 2018 nach Angaben der Bahn im Vergleich zu anderen Jahren eine größere Rolle gespielt: Erwähnt werden das Sturmtief Friederike im Januar und die Dürre im Sommer. Die Folgen von Friederike sind in der Statistik allerdings nicht zu sehen: Im Januar waren nur 18 Prozent der Fernzüge verspätet, das war der beste Monatswert des Jahres. Der Grund: Wegen des Sturms fielen viele Züge komplett aus - entfällt ein Zug aber ganz, zählt die Bahn ihn in ihrer Statistik nicht als verspätet.

2. Gründe für Verspätungen

Häufig ist schlicht die Infrastruktur kaputt. Schäden und technische Störungen verursachen fast vierzig Prozent der Verspätungsminuten.

3. Entwicklung Umsatz

Wer auf die Umsatzentwicklung des gesamten DB-Konzerns schaut, kann nicht viel über den Personenfernverkehr in Deutschland lernen. Denn die Bahn ist in den vergangenen 20 Jahren ein international tätiger Logistikkonzern geworden. Menschen von Köln nach Hamburg zu fahren, trägt einen viel geringeren Teil zum Konzernumsatz bei, als viele vermuten.

4. Umsatz nach Sparten

Für Fernfahrten ist die Konzerntochter "DB Fern" zuständig, für Regionalzüge und das S-Bahn-Geschäft die "DB Regio". Nur ein Zehntel des Konzernumsatzes entfällt auf den Fernverkehr. Auch zusammen mit dem Nahverkehr sind es weniger als ein Drittel. Die meisten Einnahmen bekommt die Bahn durch ihre Logistik-Tochter "DB Schenker", die Kunden komplette Transportleistungen weltweit anbietet - mit Bahn, Lkws und Flugzeugen. "DB Arriva", das Auslandsgeschäft der Bahn, betreibt Busse und Regionalzüge in anderen europäischen Ländern, etwa in Großbritannien, Polen oder Italien. "DB Cargo" bündelt den nationalen und internationalen Güterverkehr der Bahn auf der Schiene.

5. Leistung im Personenverkehr

Die Bahn berichtet gern, dass immer mehr Menschen das DB-Angebot im Fernverkehr nutzen. Aussagekräftiger ist die Anzahl der Personenkilometer. Wenn ein ICE mit 300 Passagieren 100 Kilometer weit fährt, verbucht die Bahn das in ihrer Statistik mit 30 000 Personenkilometern. Wenn ein Auto mit zwei Insassen 100 Kilometer auf der Autobahn fährt, sind das 200 Personenkilometer. Seit einigen Jahren schafft die Bahn hier steigende Werte, aber das ist bei der Konkurrenz genauso: Menschen fahren auch immer mehr mit dem Auto.

6. Vergleich mit dem Auto

Die Bahn verliert gegen das Auto - und zwar deutlich. Sie erreichte rund 13 Prozent mehr Personenkilometer im Jahr 2017 im Vergleich zu 2010. Doch das Verkehrsaufkommen auf den Autobahnen nahm noch stärker zu, und das auf viel höherem Niveau.

7. Emissionen

Die Bahn ist ein umweltfreundliches Verkehrsmittel, um lange Strecken zurückzulegen. Wie viel CO₂ pro Personenkilometer ausgestoßen wird, wird unterschiedlich berechnet. Es kommt darauf an, welche Annahmen der Berechnung zugrunde liegen. Die Bahn kommt auf weniger als ein Gramm CO₂ je Personenkilometer - sie gibt an, im Fernverkehr nur Ökostrom zu nutzen. Das Umweltbundesamt kommt auf 36 Gramm pro Personenkilometer, weil die Behörde mit dem durchschnittlichen deutschen Strommix rechnet.

8. Strommix

Der DB-Konzern hat eine bessere Klimabilanz beim Strom als Deutschland im Durchschnitt. Den Ökostrom, den die Bahn einkauft, setzt sie vor allem im Fernverkehr ein - und wirbt dort auch damit, besonders klimafreundlich zu sein. Im Güterverkehr geht es etwas dreckiger zu. Aber unterm Strich nutzt die Bahn viel weniger Braunkohle als Deutschland insgesamt.

9. So pünktlich sind Flugzeuge

Nicht nur die Bahn wird unpünktlicher, auch die Flugzeuge haben Probleme. 18 Prozent aller Flugzeuge, die an deutschen Flughäfen starten, kamen 2018 laut Flugsicherung zu spät an ihr Ziel. Das ist der höchste Wert seit 2010. Die Flugsicherung zählt einen Flug dann als verspätet, wenn er mindestens 15 Minuten zu spät kommt. Zur Erinnerung: Ein Zug gilt schon nach sechs Minuten als verspätet. Flüge kommen vor allem deshalb zu spät, weil Fluglotsen fehlen. Auch im Autoverkehr ist die Lage nicht besser. Die Staus nehmen von Jahr zu Jahr zu: 2018 zählte der ADAC fünf Prozent mehr Staukilometer als im Jahr davor.

10. In welchen Ländern wird wie viel Bahn gefahren?

Im Vergleich mit anderen Ländern fahren die Deutschen eher wenig Bahn. Japaner fahren sogar fast dreimal so viel Bahn wie die Deutschen. Japan hat viel Geld in sein Zugnetz investiert. Im Jahr 1976 kam der Schnellzug zwischen Osaka und Tokio, der Tokaido-Shinkansen, im Durchschnitt 20 Minuten zu spät, vor allem wegen Schnees. Mittlerweile sind die Shinkansen fast immer pünktlich, durchschnittlich ist ein Zug weniger als eine Minute zu spät. Japan hatte eine neue Schneeräumtechnik finanziert und außerdem die Gleise des Shinkansen eingezäunt und erhöht, damit es dort weniger Suizide gibt. Auch die Schweizer fahren mehr als doppelt so viel Bahn wie die Deutschen.

11. Investitionen

Könnte die Schweiz also ein Vorbild sein, wenn mehr Bahn gefahren werden soll? Das Alpenland investiert viel mehr in die Bahninfrastruktur als Deutschland, wenn man es pro Kopf der Bevölkerung berechnet. Als Investition in die Bahninfrastruktur zählt, wenn zum Beispiel Gleise, Oberleitungen und Bahnhöfe erneuert, ausgebaut oder saniert werden. Neue Züge gehören nicht dazu. Es fällt auf, dass Deutschland auch im Vergleich mit anderen Ländern relativ wenig in seine Bahninfrastruktur investiert.

Investitionen in die Infrastruktur können die Bahn wieder pünktlicher machen, sagen Branchenkenner. Die Bahn will auch mehr Personal einstellen und für mehr als zehn Milliarden Euro Gleise sanieren, damit die Züge wieder pünktlicher werden. Die Mittel dafür stellt der Bund bereit. Es kommt also auch auf den politischen Willen an, um Deutschland zum Bahn-Land zu machen.

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