Deutsche Bahn:Bahnstreik trifft Reisende am Wochenende hart

Lokführer-Streik im Personenverkehr - Hamburg

Hamburg: Eine leere Anzeigentafel ist im Bahnhof Altona zu sehen. Die Lokführergewerkschaft GDL hat ihre Mitglieder zum Streik bei der Deutschen Bahn aufgerufen.

(Foto: Bodo Marks/dpa)

Der Ausstand der Lokführer soll noch bis Dienstagmorgen andauern. Die Bahn empfiehlt, Fernverkehrsreisen wenn möglich zu verschieben.

Nach erheblichen Ausfällen im Bahnverkehr auch am Wochenende setzt die Lokführergewerkschaft GDL ihre Streiks trotz wachsender Kritik fort. Die mittlerweile dritte Streikrunde im laufenden Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn soll noch bis Dienstagmorgen (2 Uhr) andauern. Weder von der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) noch vom Bahn-Konzern gab es am Wochenende Signale für einen Kompromiss.

Erstmals waren mit der dritten bundesweiten Streikrunde Fahrgäste auch an einem Wochenende von dem Ausstand betroffen. In Thüringen und Sachsen war es das letzte Reisewochenende vor Beginn des neuen Schuljahres. Der Streikschwerpunkt liege weiter in ostdeutschen Bundesländern sowie Metropolregionen, so die Bahn.

Das Unternehmen konnte nach eigenen Angaben das Grundangebot im Fernverkehr am Wochenende etwas aufstocken. Rund jeder dritte Fernzug sollte trotz des Arbeitskampfs fahren. An den ersten beiden Streiktagen im Personenverkehr am Donnerstag und am Freitag war es demnach nur jeder vierte. Im Regional- und S-Bahnverkehr hatten laut Bahn bundesweit unverändert etwa 40 Prozent des sonst üblichen Angebots Bestand, allerdings mit regionalen Abweichungen.

Auch am kommenden Montag will die Deutsche Bahn eigenen Angaben zufolge das Angebot im Fernverkehr bei 30 Prozent halten. Im Regionalverkehr sind etwa 40 Prozent des regulären Fahrplans unterwegs. Die S-Bahnen in München und Nürnberg sollten mindestens im Stundentakt fahren. Aktuelle Verkehrsmeldungen gibt die Bahn auch online bekannt. Sie empfiehlt, bis 6. September geplante, nicht zwingend nötige Fernverkehrsreisen zu verschieben, die Ticketgültigkeit werde ausgeweitet.

Gewerkschaft gegen Gewerkschaft

Kritik am Ausstand kommt nicht nur aus der Wirtschaft. Auch aus dem Gewerkschaftslager ist Kritik zu vernehmen. DGB-Chef Reiner Hoffmann warf der GDL Partikularinteressen vor und forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Was wir kritisch sehen, ist, dass hier eine Berufsgruppe wie die Lokführer ihre partikularen Interessen gegen das Gesamtinteresse aller anderen Bahn-Beschäftigten durchsetzt", sagte Hoffmann der Rheinischen Post.

Die GDL fordert 3,2 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 28 Monaten sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro. Zum Streikauftakt hatte die Bahn ein verbessertes Angebot vorgelegt. Der Konzern stellt etwa eine Corona-Prämie für 2021 von bis zu 600 Euro in Aussicht sowie eine Tarifvertrags-Laufzeit von 36 Monaten. Die Löhne sollen in zwei Stufen um 3,2 Prozent steigen.

Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky hatte das Bahn-Tarifangebot zurückgewiesen, weil es nicht für alle GDL-Mitglieder gelten solle. Nach seiner Darstellung verlangt der Staatskonzern, den Geltungsbereich eines neuen Tarifvertrags wie bislang auf das Fahrpersonal zu begrenzen. "Damit wird klar erkennbar, dass die DB einem Teil der GDL-Mitglieder ihre verfassungsgemäßen Rechte entziehen will", sagte der Gewerkschafter dem Spiegel. Damit drohe eine Spaltung der Gewerkschaft mit Mitgliedern erster und zweiter Klasse.

© SZ/dpa/rroi/cvei
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Auch in zweiter Instanz bekommt das Unternehmen nicht Recht, der Streik der Lokführergewerkschaft GDL ist rechtlich zulässig. Deren Chef Weselsky fordert von der Bundesregierung, den Konzern "zur Vernunft" zu bringen.

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