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Danyal Bayaz:Grüner Überflieger mit Wirtschaftskompetenz

Dr. Danyal Bayaz, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Obmann im Untersuchungsausschuss Wirecard, Deutschland, Berlin, Bundes

Wirtschaftskompetenz vorhanden: Danyal Bayaz war Chef des grünen Wirtschaftsbeirats in der Bundestagsfraktion.

(Foto: Metodi Popow/imago images)

Der als Wirecard-Jäger bekannte Grünen-Finanzexperte Danyal Bayaz wird an diesem Mittwoch als Finanzminister in Stuttgart vereidigt. Das könnte ihn für künftige Aufgaben im Bund empfehlen.

Von Cerstin Gammelin, Berlin

Zwei Stunden braucht es von Stuttgart nach München und bald wird Danyal Bayaz jeden Baum auf dieser Strecke kennen, so oft, wie er sie wird fahren müssen. Das Leben des Bundestagsabgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen ändert sich gerade in geballter Form - und erfreulich. An diesem Mittwoch geht's los. Da wird der bislang vor allem als ehrgeiziger Wirecardskandal-Aufklärer bekannte Bayaz in Stuttgart vereidigt werden, als Landesfinanzminister im Kabinett Winfried Kretschmann III. Damit verbunden ist natürlich der Umzug aus Berlin in die Regierungszentrale nach Stuttgart.

Und im Juni wird sich sein Leben dann ganz grundsätzlich ändern - wenn sein erstes Kind geboren werden soll. Seine Lebensgefährtin ist die Fraktionschefin der Grünen im Bayrischen Landtag in München, Katharina Schulze. Ihr Babybauch ist schon unübersehbar. Neuer Job, neues Familienleben, das muss zusammengehen, da kann Bayaz gleich mal zeigen, wie und ob das geht mit der Vereinbarkeit von Karriere und Kindern.

Danyal Bayaz stammt aus Heidelberg, Jahrgang 1983, seine Mutter ist Deutsche, der Vater Türke. Man hat ihn erstmals Ende 2017 im Bundestag antreffen können, es ist seine erste Legislaturperiode, die er mit dem Umzug nach Stuttgart anders beendet als er selbst bis vor Kurzem geplant hatte. Er hatte sich für ein Mandat im nächsten Bundestag beworben und damit rechnen können, in die engere Auswahl für einen Regierungsjob genommen zu werden - falls die Partei von Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock wie angestrebt in der nächsten Koalition vertreten wäre.

Bayaz hat Wirtschaftswissenschaften studiert und als Unternehmensberater gearbeitet

Ein Überflieger war Bayaz schon immer. Er hat in Stuttgart und New York Wirtschaftswissenschaften studiert und als Unternehmensberater gearbeitet. Wirtschaftskompetenz ist also vorhanden, seine Fraktion hat ihn als Chef des grünen Wirtschaftsbeirats geschätzt. Richtig bekannt geworden ist er als Chefermittler der Grünen bei der Aufklärung des Betrugsskandals von Wirecard. In einer Art fraktionsübergreifender Boygroup hat er zusammen mit dem Linken-Fraktions-Vize Fabio De Masi und FDP-Finanzexperten Florian Toncar die Zeugen des größten Betrugsfalls in der jüngeren deutschen Geschichte hart rangenommen. Einige der Verantwortlichen in der deutschen Finanzaufsicht und unter den Wirtschaftsprüfern mussten ihren Chefsessel räumen. Er hat auch Olaf Scholz befragt und Angela Merkel, die zwar seine Fragen professionell parierten, aber seine Erfahrung im Umgang mit harten Verhandlungspartnern deutlich ausgebaut haben. Die Erfahrung wird er brauchen können, wenn er demnächst als Landesfinanzminister an den Bund-Länder-Verhandlungen das Beste für Baden-Württemberg herausholen muss.

In seinem neuen Job hat er ordentlich Holz vor der Hütte, eine Budget von 52 Milliarden Euro und einen ambitionierten Koalitionsvertrag mit den "Schwatten", wie De Masi ironisch-freundlich angemerkt hat. Denn auch das ist neu: Dass der Grüne Bayaz sich mit einem CDU-Koalitionspartner ins Benehmen setzen muss. Offenbar traut ihm sein Chef das zu. Kretschmann war der Grüne im Bundestag aufgefallen, er hat ihn angesprochen, man hat geredet, erst einmal ergebnisoffen, das Kabinett musste ja paritätisch und ausgewogen besetzt sein. Nach der Vereidigung am Mittwoch ist die Amtsübergabe am Freitag dieser Woche. Gedanklich hat sich Bayaz schon verabschiedet aus Berlin. Wobei der Abschied nicht für immer sein muss. Wer im Ländle den Haushalt führen kann, wird das auch in der Bundeshauptstadt können.

© SZ
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