Credit Suisse:Kurz mit dem Business-Jet auf die Malediven? Kein Problem!

Credit Suisse: Der Business-Jet vom Typ Dassault Falcon 7X ist nicht irgendeiner: Er fiel in der Vergangenheit vor allem mit Luxus-Eskapaden auf. Jetzt wurde er verkauft.

Der Business-Jet vom Typ Dassault Falcon 7X ist nicht irgendeiner: Er fiel in der Vergangenheit vor allem mit Luxus-Eskapaden auf. Jetzt wurde er verkauft.

(Foto: Joan Valls/imago)

Schluss mit teuren Trips: Die Schweizer Bank UBS verkauft das Eskapaden-Flugzeug, mit dem die Chefetage der früheren Credit Suisse gerne durch die Welt flog.

Von Isabel Pfaff, Bern

Als die Schweizer Großbank UBS im März ihre strauchelnde Konkurrentin Credit Suisse schluckte, war viel von Kultur die Rede. Eine zu risikoaffine Kultur habe die Credit Suisse, kurz CS, zu Fall gebracht, jetzt müsse Schluss sein damit. Stattdessen brauche es eine Kultur der Bescheidenheit, der Sicherheit.

Seither versucht die UBS zu zeigen, dass sie genau für diese Sicherheit steht. Ein guter Plan, immerhin hat sie durch die Fusion den Titel "Monsterbank" verpasst bekommen. Ihre Bilanzsumme übersteigt das Bruttoinlandsprodukt der Schweiz deutlich. Das macht sie zu einem Risiko für das Land, das im März gesehen hat, dass man Großbanken nicht einfach pleitegehen lassen kann.

Die jüngste Nachricht aus dem Hause UBS kommt der Bank deshalb wohl gelegen, obwohl sie sie auf Nachfrage nicht kommentieren will: Sie hat gemäß einer Recherche der Financial Times den Firmenjet der Credit Suisse verkauft. Wie die britische Zeitung schreibt, sei das Flugzeug vom Typ Dassault Falcon 7X in den vergangenen Wochen an eine deutsche Tochterfirma der französischen Bank Société Générale verkauft worden. Kaufpreis unbekannt.

Räumt die UBS hier also mit Luxus-Eskapaden der einstigen Skandalbank Credit Suisse auf? Schließlich ist der Business-Jet nicht irgendeiner. Das Flugzeug diente unter anderem António Horta-Osório, jenem portugiesisch-britischen Manager, der zwischen April 2021 und Januar 2022 Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse war. In seiner kurzen Amtszeit schaffte es Horta-Osório, mehrere Skandale zu produzieren. Und fast jedes Mal, so schreibt die Financial Times, hatten die Probleme mit dem Falcon-Jet zu tun.

Mit den Corona-Regeln nahm es der Manager nicht ganz so ernst

Los ging es im Juli 2021, als Horta-Osório nach England zum Wimbledon-Endspiel sowie zum Finale der Fußball-Europameisterschaft flog. Mit dem Jet der Credit Suisse schaffte er es, beide Events zu besuchen - obwohl er sich eigentlich hätte in Corona-Quarantäne begeben müssen. Ein paar Monate später, im November, brach er ein zweites Mal die Corona-Regeln: Nach einem Flug von Großbritannien in die Schweiz hätte er zehn Tage in Quarantäne bleiben sollen, doch er verließ die Schweiz schon drei Tage später wieder. Beide Vorfälle ließ die Credit Suisse damals untersuchen, schließlich trat Horta-Osório im Januar 2022 nach der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zurück.

Unter Berufung auf Flugdaten berichtet die Financial Times nun über eine dritte Eskapade mit dem Falcon-Jet: Offenbar brachte Horta-Osório die Besatzung dazu, auf einer Geschäftsreise von Singapur nach Zürich einen Zwischenstopp auf den Malediven einzulegen, wo seine Familie gerade Ferien machte. Ein bemerkenswertes Verhalten für einen, der in Interviews von "einer Kultur der persönlichen Verantwortung" sprach und Sätze sagte wie: "Jeder Banker muss im Herzen ein Risikomanager sein."

Jetzt ist dieser berühmte Credit-Suisse-Flieger also Geschichte. Aber auch wenn das sehr gut zum Narrativ einer solide wirtschaftenden UBS passt: Die Entscheidung zum Verkauf des Jets hatten schon Credit-Suisse-Manager getroffen. Aus Kreisen der Bank ist zu hören, dass die Pläne schon lange vor der Übernahme der Credit Suisse durch die UBS gefasst worden waren.

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