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Corona-Krise in den USA:3,3 Millionen Hilferufe

Coronavirus: Geschlossenes Geschäft in Illinois, USA

Viele Bundesstaaten waren zuletzt mit der Flut der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe überfordert.

(Foto: AFP)
  • In den USA ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe rasant gestiegen.
  • Im März ist eine eindrucksvolle Serie von mehr als Hundert Monaten beendet worden, in denen US-Unternehmen durchgehend mehr Jobs schufen.

Das hat es in dieser Form in den Vereinigten Staaten noch nie gegeben: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe hat sich binnen einer Woche fast verzwölffacht - von 282 000 auf zuletzt 3,3 Millionen. Dies teilte das US-Arbeitsministerium am Donnerstag mit. Der bisherige Rekord wurde 1982 mit 695 000 Erstanträgen registriert. Die Erstanträge gelten als wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Lage, da sie nur mit einer Woche Verzögerung veröffentlicht werden. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit rund einer Million Erstanträgen gerechnet, andere Experten wiederum hatten eine noch deutlich höhere Zahl erwartet. Womöglich liegen letztere auch gar nicht so verkehrt: Viele Bundesstaaten waren zuletzt mit der Flut der Erstanträge überfordert. Der Gouverneur von New York etwa, Andrew Cuomo, hatte am Wochenende eingeräumt, dass die Webseite für die Anträge unter der Vielzahl der Besucher immer wieder zusammengebrochen sei. Ein solches Volumen an Anträgen habe der Staat bislang noch nicht erlebt. In der Vorwoche - zu Beginn der Coronavirus-Epidemie in den USA - waren die Erstanträge um 70 000 auf 281 000 gestiegen.

113 Monaten in Folge hatten US-Firmen ihre Jobangebote kontinuierlich ausgeweitet

Die rasante Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 hat das öffentliche Leben in weiten Teilen der USA zum Erliegen gebracht. Fast die Hälfte der rund 330 Millionen Amerikaner unterliegen nun von Bundesstaaten verhängten Ausgangsbeschränkungen. Viele Geschäfte sind geschlossen, Restaurants und Hotels bleiben leer und Fließbänder stehen still. Viele Menschen müssen Arbeitslosenhilfe beantragen, da Entlassungen in den USA viel schneller vollzogen werden können als etwa in Deutschland. Es gibt auch bislang keine Regelungen wie etwa das deutsche Kurzarbeitergeld, die den Arbeitsmarkt in Krisensituationen stabilisieren können.

Im Rahmen des Konjunkturpakets, mit dem der US-Kongress rund zwei Billionen Dollar in die Wirtschaft pumpen wird, dürfte die bislang sehr begrenzte Arbeitslosenhilfe ausgeweitet werden. Zudem soll es Arbeitgebern möglich sein, Angestellte für bis zu vier Monate zu beurlauben anstatt sie zu entlassen. In dieser Zeit würde der Staat für das Gehalt aufkommen. Das gesamte Ausmaß der wirtschaftlichen Verwerfungen der Coronavirus-Pandemie in den Vereinigten Staaten ist freilich immer noch nicht absehbar. Viele Analysten befürchten inzwischen einen dramatischen Einbruch im zweiten Quartal und eine Rezession aufs ganze Jahr betrachtet.

Wie anders sah es noch im Februar aus. Die Arbeitslosenquote lag da bei 3,5 Prozent. Es war das tiefste Niveau seit den Sechzigerjahren. Erstaunliche 113 Monate in Folge hatten US-Unternehmen ihre Jobangebote kontinuierlich ausgeweitet. Die Zahl der Beschäftigen wuchs in dieser Zeit um 22 Millionen. Einen derart anhaltenden Aufschwung am Arbeitsmarkt hatte es in den Vereinigten Staaten nie zuvor gegeben. Nach Angaben des Wall Street Journals lagen die vergleichbaren bisherigen Rekordwerte bei knapp 50 Monaten in Folge.

Die Arbeitsmarktdaten für März kommen am Freitag. Sie werden ernüchternd ausfallen. US-Präsident Donald Trump verspricht aber tapfer, die Wirtschaft werde nach dem Ende der Epidemie durchstarten "wie eine Rakete".

© SZ vom 27.03.2020/hgn
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