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Corona-Pandemie:Nur 60 Prozent der Beschäftigten werden in der Firma getestet

Coronavirus in Deutschland: Schnelltests beim Maschinenbauer Harro Höfliger

Ein Mitarbeiter eines Maschinenbau-Unternehmens unterzieht sich einem Schnelltest.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Das ist deutlich weniger als von der Bundesregierung anvisiert. Arbeitsminister Heil favorisiert nun die Testpflicht. Die Wirtschaftsverbände sind dagegen.

Von Alexander Hagelüken und Benedikt Müller-Arnold

Nur 60 Prozent der deutschen Beschäftigten haben einen Arbeitgeber, der in der Firma regelmäßige Corona-Tests anbietet. Bei weiteren zehn Prozent hat dies der Arbeitgeber angekündigt. Dies geht aus Erhebungen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hervor. Während Heil jetzt zur Bekämpfung der Pandemie eine Testpflicht favorisiert, ist Altmaier skeptisch. Über das Thema könnten Bund und Länder beim geplanten Treffen am kommenden Montag entscheiden.

Bund und Länder hatten die Unternehmen Anfang März dazu aufgefordert, regelmäßig Mitarbeiter zu testen, die in der Firma arbeiten und nicht im Home-Office. Bei einer Umfrage des gewerkschaftsnahen WSI-Instituts berichtete in der zweiten Märzhälfte aber nur jeder vierte Arbeitnehmer, dass man sich in seinem Betrieb mindestens einmal die Woche testen lassen kann. Die Wirtschaftsverbände behaupteten am Dienstag, dass 80 bis 90 Prozent der Firmen testen oder dies zumindest vorbereiten.

Die Bundesregierung hatte vor Wochen eine Testpflicht anvisiert, wenn nicht mindestens 90 Prozent der Unternehmen regelmäßige Testmöglichkeiten schaffen. Dieser Wert wird nach den Erhebungen deutlich verfehlt, die die Regierung am Donnerstag Abend veröffentlichte. Ein Sprecher Heils sagte auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung, es sei nicht zufriedenstellend, dass rund 40 Prozent der Beschäftigten kein Testangebot bekämen: "Der Minister hat in der Vergangenheit wiederholt deutlich gemacht, dass er für eine verbindliche Regelung ist, falls in der Arbeitswelt nicht ausreichend getestet wird. Das Arbeitsministerium hat entsprechende Regelungen vorbereitet und kann diese zügig umsetzen." Die Entscheidung darüber werde die Bundesregierung zeitnah treffen.

Eine mögliche Corona-Testpflicht für Firmen hatte zuvor ein neuerliches Treffen von Wirtschaftsminister Altmaier mit den Spitzenverbänden der Wirtschaft bestimmt, die gegen eine Pflicht sind. Altmaier äußerte sich dabei nach Angaben von Teilnehmern des Treffens skeptisch zu einer Testpflicht für Unternehmen. Wenn man etwas reguliere, müsse es auch kontrolliert werden, habe er gesagt. Es würde aber Wochen dauern, solche Kontrollen einzurichten - in dieser Zeit werde die Impfkampagne Fahrt aufnehmen. Altmaier sagte nach dem Treffen: "In den vergangenen Wochen konnte das Testangebot der Wirtschaft deutlich ausgebaut werden. Das begrüße ich sehr."

In der Debatte ums Testen meldet sich auch ein Unternehmer zu Wort, der während der Corona-Krise viel Kritik bekam: Clemens Tönnies. In dessen Fleischfabrik hatten sich im vorigen Jahr 1500 Beschäftigte mit dem Virus angesteckt, das Stammwerk musste wochenlang schließen. Der Fall warf ein Schlaglicht auf die Arbeits- und Wohnbedingungen der Mitarbeiter. "Seitdem haben wir über 500 000 PCR-Tests durchgeführt", sagt Tönnies. "Das sind rund 12 000 wöchentliche Testungen allein an unserem Standort in Rheda."

Je nach Standort teste der Fleischkonzern seine Beschäftigten in der Produktion inzwischen mehrmals wöchentlich. So verhindere man, dass Infektionsketten übergreifen. "Wir haben einen zweistelligen Millionenbetrag an unseren deutschen Standorten in Testungen und damit verbundene Hygienemaßnahmen investiert", sagt Tönnies. Diese Erfahrung wolle er gerne an andere Firmen weitergeben. "Wir alle wollen diese Pandemie besiegen", so der 64-Jährige, dafür müssten auch Unternehmen einen wesentlichen Teil beitragen.

Vor dem Treffen mit Altmaier hatten sich mehrere Wirtschaftsvertreter unzufrieden mit der Corona-Politik der Regierung gezeigt. Der Gastgewerbe-Branchenverband Dehoga dringt auf eine Öffnungsperspektive. Bund und Länder sollten beim Treffen am Montag die notwendigen Maßnahmen treffen, die eine Öffnung der Hotels und Restaurants im Laufe des Mai ermöglichten, forderte Geschäftsführerin Ingrid Hartges.

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