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Luftfahrt:Bundesregierung will Condor mit Millionenkrediten stützen

  • Die Fluglinie Condor erhält vom Bund und dem Land Hessen Kreditbürgschaften in Höhe von rund 400 Millionen Euro.
  • Condor-Chef Ralf Teckentrup sagte am Abend, der Kredit werde über sechs Monate laufen und damit die Liquidität bis zum Sommer 2020 absichern.
  • Ein möglicher Verkauf an die Lufthansa wird vorerst nicht mehr weiterverfolgt.

Die Ferienfluggesellschaft Condor bekommt Kreditbürgschaften der Bundesregierung und des Landes Hessen in Höhe von 380 Millionen Euro. Condor-Chef Ralf Teckentrup sagte am Dienstag Abend, der Kredit werde über sechs Monate laufen und damit die Liquidität bis zum Sommer 2020 absichern. Die Europäische Kommission muss dem Vorhaben noch zustimmen. "Wir sind ein operativ gesundes und profitables Unternehmen, auch im laufenden Geschäftsjahr", sagte Teckentrup. "Aber unsere Liquidität wurde von unserer insolventen Muttergesellschaft Thomas Cook in London verbuddelt." Condor plant, einen Antrag auf ein sogenanntes Schutzschirmverfahren zu stellen. Es soll laut Teckentrup sicherstellen, dass die deutsche Airline komplett unabhängig von der Thomas Cook Group wird und diese auf keinen Fall Zugriff auf Werte und Geld der Condor bekommt. Der Geschäftsbetrieb werde ganz normal weiterlaufen. "Wir werden das meistern, aber es liegt auch eine Menge Arbeit vor uns", so Teckentrup.

Das Schutzschirmverfahren ist eine Besonderheit des deutschen Insolvenzrechtes. Dabei kann das Unternehmen den Verwalter selbst vorschlagen, das Management ist aber weiter in der Verantwortung. Voraussetzung ist unter anderem, dass das Unternehmen noch nicht zahlungsunfähig ist und gute Chancen auf Rettung bestehen. Innerhalb von drei Monaten muss ein Insolvenzplan vorgeschlagen werden. Das Schutzschirmverfahren unterscheidet sich von der Insolvenz in Eigenverwaltung und dem regulären Insolvenzverfahren. Das Unternehmen befindet sich zudem in Verhandlungen über den Einstieg eines großen Finanzinvestors. Die Gespräche sind Branchenkreisen zufolge offenbar weit fortgeschritten. "Ich erwarte, dass das in den nächsten sechs bis acht Wochen über die Bühne geht," so Teckentrup.

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Schon Anfang 2019 habe es intensive Kontakte mit möglichen Interessenten gegeben. In den vergangenen zwei Tagen hätten sich diese wieder gemeldet, sie seien "seriös und potent". Ein möglicher Verkauf an die Lufthansa wird vorerst nicht mehr weiterverfolgt. Die im Vergleich sehr große Bürgschaft gibt Condor mehr Zeit, einen neuen Eigentümer zu finden. Auch die deutschen Reiseveranstalter des Konzerns suchen händeringend nach neuen Geldgebern, um eine Insolvenz zu vermeiden und haben ihrerseits staatliche Bürgschaften beantragt.

"Wir ermöglichen wir den Erhalt Tausender Arbeitsplätze", sagt Bundesfinanzminister Scholz

Condor kämpft ums eigene Überleben, nachdem die britische Muttergesellschaft Thomas Cook in der Nacht auf Montag den Geschäftsbetrieb eingestellt hat. Im Gegensatz zu den anderen Fluggesellschaften des Konzerns hat Condor den Flugbetrieb bislang aufrechterhalten. In der Branche hieß es, Condor habe sich zuletzt ein finanzielles Polster zugelegt, als sich abzeichnete, dass der Rettungsplan für die Gruppe scheitern würde. Die Barreserven helfen Condor nun, alle Flüge weiter anzubieten, obwohl die Lieferanten für ihre Dienste sofortige Zahlung verlangen und rund ein Drittel der Kunden wegfallen, nachdem die Airline keine Thomas-Cook-Gäste mehr in den Urlaub befördert.

"Mit dem begrenzten Überbrückungskredit ermöglichen wir den Erhalt Tausender Arbeitsplätze", sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). "Außerdem schützen wir unzählige Reisende davor, im Ausland zu stranden."

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte: "Condor hat eine Perspektive." Condor sei durch die Schwierigkeiten der Muttergesellschaft in die aktuelle Lage geraten. "Es sind keine hausgemachten Probleme", so Altmaier. Rolf Mützenich, Fraktionschef der SPD, hatte im Vorfeld der Entscheidung Zustimmung signalisiert.

Die Bundesregierung hatte im August 2017 während des Air-Berlin-Insolvenzverfahrens für einen Kredit in Höhe von 150 Millionen Euro gebürgt, damit die Airline weiterfliegen konnte. Diese stellte den Flugbetrieb dann im November 2017 ein, große Teile wurden aber von anderen übernommen.

Ein Einstieg der Lufthansa bei Condor ist offenbar in weite Ferne gerückt. Dem Vernehmen nach finden angesichts der Verhandlungen mit dem Finanzinvestor keine Gespräche statt. Lufthansa hatte im Frühjahr ein unverbindliches Angebot für Condor abgegeben, bevor Thomas Cook den Verkaufsprozess stoppte und sich für ein Rettungspaket unter der Führung des chinesischen Konzerns Fosun entschied.

Der Reiseveranstalter Thomas Cook GmbH bestätigte am Dienstag, auch er sei "in intensiven Gesprächen mit möglichen Kapitalgebern und allen zuständigen Gremien auf Regierungsebene in Berlin und Wiesbaden". Stefanie Berk, die Vorsitzende der Geschäftsführung, sagte: "Wir tun alles in unserer Macht Stehende, um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern." Man habe zwar auf Notgeschäftsführung umgestellt, aber noch keinen Insolvenzantrag gestellt.

Es sei auch ein staatlicher Überbrückungskredit beantragt worden.

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