bedeckt München 21°

China:Ein Land macht sich billiger

Ein Mann vor einer Wechselstube in Hongkong. Der chinesische Währung leidet unter den Handelsspannungen mit den USA.

(Foto: Kin Cheung/AP)
  • Zum ersten Mal seit elfeinhalb Jahren war am Montag ein Dollar zeitweise mehr als sieben Yuan wert.
  • Die Befürchtungen wachsen, dass China seine Währung als Waffe in der Auseinandersetzung mit Trump einsetzen könnte - an der Börse brechen die Aktien ein.

Kein Land der Welt treibt US-Präsident Donald Trump wohl so sehr um wie China. Kaum eine Wahlkampfrede, in der er nicht auf die Volksrepublik eindrischt. Peking manipuliere seine Währung, ist eines seiner Lieblingsargumente. Der Yuan sei ein Kunstprodukt, viel zu schwach, behauptet Trump. Lange Zeit war das eher ein modernes Märchen, die Chinesische Volksbank stützte in Wahrheit den Kurs des Yuans. Und jetzt? Zum ersten Mal seit elfeinhalb Jahren war am Montag ein Dollar zeitweise mehr als sieben Yuan wert - präzise 7,0424 Yuan. Der US-Präsident fühlt sich bestätigt: "China senkte den Kurs seiner Währung auf ein fast historisches Tief", twitterte er. "Man nennt es Währungsmanipulation. Hören Sie zu, Federal Reserve? Dies ist ein schwerwiegender Verstoß, der China im Lauf der Zeit erheblich schwächen wird!" Aber nicht nur das - China hat im Handelsstreit auch den Kauf von US-Agrarprodukten ausgesetzt, wie das Handelsministerium in Peking am Montag mitteilte. Die Einfuhren hatte China vor einiger Zeit als Zugeständnis zugesagt, um den Konflikt etwas zu entschärfen. Zudem erwägt Peking nachträgliche Zölle auf seit dem 3. August erworbene Erzeugnisse aus den USA. Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners erklärte laut Reuters dazu: "China trifft genau die Stelle, an der US-Präsident Donald Trump besonders verwundbar ist. Bisher hat er sich als Schutzpatron der US-Agrarindustrie präsentiert."

Die Finanzmärkte reagierten auf die Eskalation prompt. Der Dow Jones und der S&P 500 rutschten jeweils um 2,9 Prozent ab, der von Technologiewerten geprägte Nasdaq 100 brach sogar um 3,4 Prozent ein. Eine Abwertung des Yuan verbessert zunächst einmal die Wettbewerbschancen chinesischer Firmen und federt damit die Folgen des Zollstreits mit den USA ab. Erst vergangene Woche hatte Trump Strafabgaben in Höhe von zehn Prozent auf chinesische Waren im Wert von weiteren 300 Milliarden Dollar angekündigt. Von September an wären dann fast sämtliche chinesischen Ausfuhren in die USA mit Zöllen belegt. Die Pekinger Zentralbank nennt als Grund für den Kursrückgang ganz offen "Handelsprotektionismus". Jeden Morgen setzt die Bank den Wechselkurs fest und erlaubt dann im Tagesverlauf Schwankungen des Yuan zum Dollar von zwei Prozent.

Mitte der Neunzigerjahre hatte China damit begonnen, seine Währung an den Dollar zu koppeln. Bis Juli 2005 lag der Wechselkurs bei 8,28 Yuan pro Dollar. Seitdem wird behutsam aufgewertet. Die Sieben-Yuan-Marke wurde im Jahr 2008 kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise geknackt, dann jedoch eingefroren. Im Jahr 2010 wurde der Handel mit dem Zwei-Prozent-Korridor aufgenommen - auf dem Papier orientieren sich die chinesischen Währungshüter an einem Devisenkorb, in der Praxis achten sie vor allem auf den Dollar und seit gut fünf Jahren zunehmend auch auf die eigenen Währungsreserven.

Im Juni 2014 war Chinas angehäuftes Fremdkapital mit knapp vier Billionen Dollar der mit Abstand größte Devisenschatz der Welt. Seitdem ist der Betrag allerdings um etliche Milliarden abgeschmolzen. Allein im August 2016 musste die Zentralbank 107 Milliarden Dollar veräußern, um den Yuan zu stabilisieren. Denn: Die chinesische Führung hat Schwierigkeiten, die Kapitalflucht in den Griff zu bekommen. Viele Chinesen wollen ihr Geld lieber im Ausland anlegen. Da sind die Renditen höher, Immobilien gehören einem tatsächlich - keine Pachtverträge über 70 Jahre, wie sie in China üblich sind. Vor allem aber besteht in den Vereinigten Staaten oder Europa Rechtssicherheit, die Gerichte sind unabhängig, man muss nicht befürchten, im schlimmsten Fall enteignet zu werden.

Beliebtes Schlupfloch: der Import-Export-Trick

Als die Devisenreserven im Herbst 2016 unter die Drei-Billionen-Grenze zu rutschen drohten, schritt die Regierung ein. Den Yuan abzuwerten, schied damals aus, damit hätte man dem damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump den vermeintlichen Beleg für Währungsmanipulation geliefert, also verschärfte Peking die ohnehin schon strengen Kapitalverkehrskontrollen noch einmal drastisch.

Als erstes untersagten die Behörden es, mit chinesischen Kreditkarten in Hongkong Lebensversicherungen in Millionenhöhe abzuschließen. Innerhalb eines Jahres waren die Umsätze der Versicherer um 160 Prozent gestiegen. Natürlich wurden nicht auf einmal so viele Policen benötigt, aber man konnte sie als Sicherheit für einen Bankkredit hinterlegen. 80 Prozent bekam man ausbezahlt. Einen Monat später schränkte der Staatsrat die Auslandsinvestitionen chinesischer Unternehmen ein. Übernahmen, die mehr als zehn Milliarden Dollar kosten, sind seitdem genehmigungspflichtig, bei Zukäufen in fremden Branchen liegt die Hürde bei einer Milliarde Dollar.

Zudem müssen Firmen alle Zahlungen ins Ausland von mehr als fünf Millionen Dollar der Devisenaufsicht in Peking vorlegen. Damit soll ein beliebtes Schlupfloch, der sogenannte Import-Export-Trick, verkleinert werden. Bis Ende 2016 war es beinahe üblich, dass zum Beispiel ein Unternehmen Waren im Wert von 20 Millionen Dollar im Ausland bestellte, allerdings nur Güter für zehn Millionen geliefert wurden, der Rest des Geldes floss auf ein Konto im Ausland, für das die Zentralbank wiederum Reserven veräußern musste, um den Yuan stabil zu halten.

Die Kapitalausfuhren haben in den vergangenen knapp drei Jahren merklich abgenommen, die Maßnahmen der chinesischen Regierung wirken. Der Kurs des Yuan sinkt jedoch. Offenbar ist es Peking inzwischen egal, was Donald Trump behauptet.

Wirtschafts- und Finanzpolitik Trump hilft mit seiner Drohung ausgerechnet Xi

Handelsstreit mit China

Trump hilft mit seiner Drohung ausgerechnet Xi

Der US-Präsident ist kein genialer Dealmaker, auch wenn sich diese Vorstellung mancherorts hartnäckig hält. Seine Politik nützt seinem Rivalen - und schadet den Amerikanern.   Kommentar von Jan Schmidbauer