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Handelsstreit mit China:Trump hilft mit seiner Drohung ausgerechnet Xi

Ein Reisender läuft in Shanghai an einem Auto der US-Botschaft vorbei.

(Foto: Ng Han Guan/AP)

Der US-Präsident ist kein genialer Dealmaker, auch wenn sich diese Vorstellung mancherorts hartnäckig hält. Seine Politik nützt seinem Rivalen - und schadet den Amerikanern.

Kommentar von Jan Schmidbauer

Wie die Verhandlungen mit China so liefen? "Konstruktive" Gespräche hätten die Vertreter seiner Regierung in Shanghai geführt, schrieb Donald Trump, als er am späten Donnerstagabend seinen Twitteraccount öffnete. Nur Sekunden später ließ der US-Präsident dann eine Ankündigung folgen, die alles andere als konstruktiv anmutete. Mit angekündigten Strafzöllen auf chinesische Importe im Wert von 300 Milliarden Dollar pro Jahr hat Trump den Handelsstreit ein weiteres Mal eskalieren lassen. Das könnte auch die amerikanischen Verbraucher treffen: Spielzeuge, Kleidung und auch die in China hergestellten iPhones sollen vom 1. September an mit einer Strafabgabe von zehn Prozent belegt werden.

Trump beweist nicht nur zum wiederholten Male, dass er ein unberechenbarer Verhandler ist. Er beweist vor allem: Er ist kein besonders guter Verhandler. Trump, der geniale Dealmaker - das ist nur eine Legende, auch wenn sie sich mancherorts hartnäckig hält. Seine jüngste Volte im Handelskonflikt schadet nicht nur der Weltwirtschaft im Allgemeinen und im Besonderen den amerikanischen Verbrauchern, welche die neuen Zölle schon im Herbst zu spüren bekommen könnten. Sie nutzt auch noch ausgerechnet dem chinesischen Präsidenten: Xi Jinping.

Die Trump-Regierung verfolgt mit ihren Maßnahmen gegen China durchaus auch legitime Interessen. Es geht in diesem Konflikt zweier Weltmächte längst nicht nur um Zollsätze und Handelsbilanzüberschüsse. Es geht darum, wer in Zukunft die wirtschaftliche Vormachtstellung haben wird: China oder die USA. Dass China seinen Aufstieg auch mit unerlaubten Mitteln wie dem Diebstahl geistigen Eigentums verfolgt, das kann und sollte die US-Regierung nicht hinnehmen. Doch indem Trump den Streit mit neuen, gigantischen Zöllen weiter eskalieren lässt, stärkt er Xis Position. Den vorläufigen Handelsfrieden, auf den sich beide Seiten noch im Juni beim G-20-Gipfel verständigten, hat Trump vor den Augen der Weltöffentlichkeit gebrochen. Seht her, kann der chinesische Präsident nun sagen: Mit dem Mann im Weißen Haus lässt sich beim besten Willen nicht verhandeln.

Trump denkt, China würde einknicken

Trump gibt China so die Möglichkeit, von eigenen Verfehlungen abzulenken, und verpasst damit eine Chance. Auch andere Industrienationen wie Deutschland hätten ein Interesse, gegen Chinas unsaubere Methoden vorzugehen. Doch Peking gemeinsam zum Entgegenkommen zu bewegen, scheint ausgeschlossen zu sein, solange Trump auch Europa fortwährend mit Strafzöllen auf Autos und andere Dinge droht und die USA damit weiter isoliert.

Es gibt allerlei Spekulationen, welche strategischen und taktischen Absichten hinter Trumps neuer Drohung stecken. Aber die traurige Wahrheit ist wohl: Der US-Präsident glaubt immer noch daran, dass er am längeren Hebel sitzt, und dass die chinesische Führung irgendwann doch einknicken wird. Doch das dürfte sich als Trugschluss erweisen. Bislang schadet Trumps Politik amerikanischen Verbrauchern und Unternehmen mindestens so sehr, wie sie China schadet.

Donald Trump, der geniale Dealmaker? Sollten seine nun angekündigten Zölle wie geplant in Kraft treten, könnten sich in den USA die Zweifel mehren. Wenn das iPhone plötzlich teurer wird, hört der Spaß ja vielleicht auf.

© SZ vom 03.08.2019/lüü
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:Geht Trumps Strategie auf?

Die erneute Eskalation durch den US-Präsidenten im Handelsstreit zeige, was für ein schlechter Verhandler Trump sei und wie sehr er den USA schade und den Rivalen helfe, kommentiert SZ-Autor Jan Schmidbauer.

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