Britische Währung Pfund bricht ein - aus mysteriösen Gründen

In nur zwei Minuten verlor die Währung mehr als sechs Prozent an Wert. Die Gründe sind bislang unklar.

(Foto: dpa)
  • Die britische Währung ist im asiatischen Handel zeitweise um sechs Prozent abgestürzt. Die Gründe sind bislang unklar.
  • An den Finanzmärkten wird über mehrere Versionen spekuliert, die den Fall ausgelöst haben könnten. Waren es Algorithmen, ein Medienbericht oder ein Tippfehler?
Von Jan Schmidbauer

Es war noch Nacht in Großbritannien, als die britische Währung das nächste Mal zu taumeln begann. Das Pfund brach zu Beginn des asiatischen Handels am Freitag zeitweise um 6,1 Prozent gegenüber dem Dollar ein. Innerhalb von nur zwei Minuten sank der Kurs auf einen Wert von 1,18 Dollar. Es war der deutlichste Rückgang seit dem Tag, an dem die Briten entschieden, die EU zu verlassen.

Wie die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, soll eine Handelsplattform sogar einen Kurs von 1,1378 Dollar registriert haben. Inzwischen hat sich die Währung wieder erholt, allerdings ist sie an den Devisenmärkten noch immer mit fast drei Prozent im Minus.

Die Ereignisse der Nacht sind mysteriös. Denn es ist völlig unklar, was diesen Kurssturz eigentlich auslöste. Britische Medien spekulieren, dass programmierte Algorithmen den schnellen Verkauf der Währung ausgelöst haben könnten. Eine weitere Option, über die an den Finanzmärkten geredet wird: ein sogenannter Fat-Finger-Fehler, also ein Tippfehler, der große Summen bewegt.

Möglich ist aber auch eine andere Version. Einige Händler machen einen Bericht der Financial Times (FT) für den rasanten Kurssturz verantwortlich. Auch das Blatt selbst berichtet von Experten, die so argumentieren. Die FT hatte in einem Artikel den französischen Präsidenten François Hollande zitiert, der sich bei einem Abendessen mit EU-Politikern für harte Verhandlungen mit den Briten aussprach. Diese müssten ihre Entscheidung "ertragen".

Brexit Großbritannien rutscht aus den Top 5 der Weltwirtschaft
Brexit

Großbritannien rutscht aus den Top 5 der Weltwirtschaft

Brexit bis 2019 - diese Ankündigung von Premier Theresa May belastet die britische Wirtschaft. Die Franzosen ziehen im Ranking vorbei.

Bereits am Dienstag stürzte die Währung ab

"Großbritannien hat sich für den Brexit entschieden, ich glaube sogar für einen harten Brexit", sagte Hollande. Und dann, so Frankreichs Präsident, müsse man diesen Schritt nun auch durchziehen. Möglich ist, dass Algorithmen diesen Medienbericht aufnahmen und so den Kurssturz auslösten. Laut FT begann dieser zumindest in derselben Minute, in der auch der Text online ging.

Bereits zu Beginn der Woche hatte die britische Währung zeitweise massiv an Wert verloren. Grund war eine Rede von Premierministerin Theresa May. Sie hatte signalisiert, dass Großbritannien bei den anstehenden Austrittsverhandlungen mit der EU zumindest bei der Einwanderungspolitik keine Kompromisse machen will. Umgekehrt könnte dies auch bedeuten, dass die EU sich auf keine Kompromisse einlassen wird, etwa wenn es um den zollfreien Zugang zum Handel geht.

Die Aussicht darauf verunsicherte die Devisenhändler schon am Dienstag so sehr, dass das britische Pfund tiefer stand, als unmittelbar nach dem Brexit-Votum.

Brexit "Auf Wiedersehen, EU. Guten Tag, Armut"

Cornwall

"Auf Wiedersehen, EU. Guten Tag, Armut"

Die britische Grafschaft Cornwall hat für den Brexit gestimmt. Dabei lebt sie wie keine zweite vom Geld der EU. Wie konnte das passieren?   Von Karl-Heinz Büschemann