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Bernd Lange, Landrat im Landkreis Görlitz:Lange hofft darauf, dass Bund und Land eingreifen

Sehen Sie Chancen, das Werk doch noch zu retten?

Man sagt, dass Siemens ein innovativer Technologiekonzern sei. Ich verstehe nicht, dass das hier vorhandene Engineering-Wissen einfach weggeworfen wird. Hier könnten neue Technologien entwickelt werden, die man sicher auch bei Siemens gebrauchen kann. Wir werden darum kämpfen, dass das Werk hier eine Chance bekommt.

Haben Sie selbst schon mit Siemens gesprochen?

Gestern mit dem Betriebsleiter und dem Betriebsrat. Es hatte sich ja angedeutet, dass eine Entscheidung kommen würde. Es gab hier vor anderthalb Wochen schon Proteste mit 2000 Teilnehmern. In den nächsten Tagen werden wir uns auch noch bei Siemens in Berlin und München zu Wort melden.

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War die Entscheidung jetzt nochmal ein Schock für Sie oder hatten sie mit den Schließungen in dieser Form gerechnet?

Dass man die Entscheidung nicht nochmal überdacht hat, war für alle hier ein Schock. Und dann lässt die Konzernleitung den Betriebsleiter die Entscheidung verkünden. Ich fordere das Management auf, selbst den Hintern zu heben und nach Görlitz zu kommen. Die sollen sich mal das Engagement der Leute ansehen.

Wie geht es nun weiter?

Wir haben Briefe an die Politik versandt und Appelle losgelassen. Nun werden wir den Kontakt zum sächsischen Wirtschaftsministerium intensiver suchen. Wir müssen auch mit dem Bund reden, wie man mit strukturschwierigen Räumen wie Görlitz umgeht. Wir haben Ideen, zum Beispiel vereinfachte Ansiedlungsmöglichkeiten für Unternehmen. Die Politik kann schon etwas machen, um den Strukturbruch, der sich hier andeutet, zu verhindern. Aber das muss bald passieren, sonst ziehen die Menschen hier weg, weil sie sich anderswo Arbeit suchen. Das wäre die nächste Katastrophe.

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