Berliner S-Bahn-Netz Gemeinsam zum Zug

S-Bahn-Netz in Berlin: Die Bahn hat aus Pannen gelernt und will sich nun gemeinsam mit zwei Zugherstellern um eine neue Ausschreibung bewerben.

Defekte Züge, Vertragsstrafen und Schäden in dreistelliger Millionenhöhe: Das Engagement der Deutschen Bahn im Berliner Nahverkehr ist schon einmal gefloppt. Daraus hat der Staatskonzern gelernt. SZ-Informationen zufolge will die Bahn sich nun gemeinsam mit zwei Zugherstellern um eine neue Ausschreibung bewerben.

Von Daniela Kuhr, Berlin

Im Kampf um schwindende Marktanteile im Nahverkehr probiert die Deutsche Bahn ein neues Modell aus: Bei der laufenden Ausschreibung eines Teils des Berliner S-Bahn-Netzes will sich das Unternehmen erstmals mit zwei Zugherstellern zusammentun: mit Siemens und Stadler. Das geht aus Unterlagen für die nächste Aufsichtsratssitzung des Konzerns Ende Januar hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen. Das Kontrollgremium muss den Plänen des Vorstands allerdings erst noch zustimmen.

Vorgesehen ist, dass die Bahn mit Siemens und Stadler ein Gemeinschaftsunternehmen gründet, das sich um den prestigeträchtigen Verkehrsvertrag in der Hauptstadt bewirbt. Das Unternehmen könnte aus einer Hand sowohl den Betrieb des Netzes anbieten als auch die Lieferung neuer Züge und deren Instandhaltung. Bislang hatte sich die Deutsche Bahn immer als Einzelunternehmen um regionale Verkehrsverträge beworben. Erhielt sie den Zuschlag, bestellte sie anschließend die dafür benötigten Züge bei einem Hersteller.

Diese Vorgehensweise hatte aus Sicht der Bahn jedoch zwei Nachteile: Zum einen musste sie die teuren Züge allein kaufen. Außerdem stand sie dem auftraggebenden Verkehrsverbund gegenüber ebenfalls allein in der Haftung, wenn die Züge nicht rechtzeitig geliefert wurden oder Mängel aufwiesen. In Berlin etwa waren 2009 derart gravierende Mängel an den S-Bahn-Zügen aufgetreten, dass teilweise nur noch ein Drittel im Einsatz war. Für die S-Bahn Berlin, eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Bahn, hatte das geringere Fahrpreis-Einnahmen und Vertragsstrafen zur Folge, die an das Land Berlin zu zahlen waren. Insgesamt entstanden Schäden in dreistelliger Millionenhöhe.

Daraus hat die Bahn gelernt. Mit dem neuen Modell ließen sich die Haftungsrisiken besser verteilen. Die Hersteller würden die Funktionsfähigkeit der Fahrzeuge über die gesamte Lebensdauer von etwa 40 Jahren hinweg "garantieren", heißt es. Und an der Wartung verdienen. Die Bahn wäre nur noch für den reibungslosen Betrieb und für einen Teil der gemeinsam betriebenen Instandhaltung verantwortlich. Nachteil ist, dass der Gewinn auch entsprechend kleiner ausfällt. Die Bahn aber, die zuletzt nur noch jeden zweiten Verkehrsvertrag erhalten hat, ist vermutlich schon froh, wenn sie in Berlin überhaupt wieder zum Zug kommt.