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Botschafter für Russlands Gasindustrie:Gazprom will in Europa überzeugen

Beckenbauer kann da sicher mit Leichtigkeit helfen. "Für das russische Gasgeschäft in Europa dürfte sich das auszahlen. Beckenbauer wird die Gasgesellschaft einem breiteren Publikum bekannt machen, vor allem in den Massen- und in den Lifestyle-Medien", sagt Ilja Rettere, Marketing-Experte bei Brand-Jet in Moskau. Auch wenn der Vertrag die RGO einiges kosten dürfte. Die Summe verrät Jasew nicht. "Beckenbauer wird es vermutlich wenig erscheinen", sagt er. "Es wird viel sein", sagt dagegen eine Quelle, die Gazprom nahesteht. "Aber dass sich nun deshalb die Nachfrage nach russischem Gas erhöht, bezweifle ich."

Die Gasgesellschaft hat zunächst auch an andere gedacht: an Führungspolitiker, an Künstler. Aber sie blieb bei Beckenbauer. Jasew hat ihn als "sehr sympathischen Menschen" kennengelernt, aber es hat doch eine kleine Weile gedauert, bis Beckenbauer in das Geschäft einwilligte. "Nicht dass er uns gleich in die Arme gefallen wäre. Er hat es sich eben eine gewisse Zeit überlegt", sagt Jasew. Dass der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder beim ersten Kontakt eine Rolle gespielt haben könnte, der als Vorsitzender des Aktionärsausschusses der Ostsee-Pipeline-Gesellschaft Nord Stream mit Gazprom zusammenarbeitet, weist der RGO-Präsident zurück. "Wir brauchten da keine Hilfe."

Die RGO umfasst insgesamt etwa 120 Firmen. Gazprom, unter anderem Hauptsponsor von Schalke 04, ist die mit Abstand wichtigste. Warum Russlands größter Konzern nicht selber als Vertragspartner von Beckenbauer auftritt, obwohl Gazprom-Chef Alexej Miller in Slowenien den Abschluss verkündete, ist unklar. Nur so viel: "Er hat die Kontakte zwischen der RGO und Beckenbauer begrüßt", sagt Jasew.

Gazprom kämpft gegen negatives Image

"Formal ist die Gasgesellschaft unabhängig, aber jeder weiß, dass Gazprom die Fäden in der Hand hält", sagt Renata Jambajewa, Wirtschaftsredakteurin bei der Zeitung Kommersant. "Vielleicht wäre Gazprom wegen seines Images im Westen nicht so ideal gewesen." Vor allem im zurückliegenden Streit mit der Ukraine, als diese zum Verdruss Moskaus noch zielstrebig in die EU und in die Nato strebte, galt der Konzern als verlängerter Arm des Kremls. Als er später im Westen seinen Ruf verbessern wollte und als Sponsor bei Schalke einstieg, war das Unbehagen zunächst groß in Deutschland. Dies hat sich weitgehend gelegt, aber auch Beckenbauers Engagement sehen manche kritisch. "Wer sich zum Botschafter von Gazprom machen lässt, manövriert sich ins politische Abseits und hilft nur dem Regime von Wladimir Putin", sagt der Europaabgeordnete Werner Schulz.

Für Gazprom geht es derzeit jedenfalls um viel in Europa, das seine Abhängigkeit von russischem Gas gern verringern will. Die EU kämpfe gegen das russische Gas wie Don Quichotte gegen die Windmühlen, klagte Gazprom-Chef Miller kürzlich. Er selber wiederum kämpft um mehr Einfluss in Deutschland, seinem wichtigsten Markt auf dem Kontinent. Der russische Gas-Monopolist will nicht länger nur den Rohstoff liefern, sondern auch in Deutschland selber Strom herstellen und die Kunden direkt beliefern, als Konkurrent der heimischen Konzerne RWE und Eon. Die Strategie der russischen Gaspolitik ist also komplex, und sogar mit Franz Beckenbauer muss sie nicht gleich spielend aufgehen.

© SZ vom 09.07.2012/infu
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