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Monsanto-Übernahme:Der Bayer-Chef bringt seinen Konzern in Gefahr

Bayer AG Holds Annual Shareholders Meeting

Der von Bayer-Chef Baumann versprochene Wertzuwachs durch Monsanto ist bis heute ausgeblieben.

(Foto: Maja Hitij/Getty)

Die Monsanto-Übernahme bleibt ein Makel. Und je stärker der Aktienkurs einbricht, desto größer wird das Risiko für Bayer.

Kommentar von Elisabeth Dostert

Fünf Komma null vier Prozent. So stark brach der Aktienkurs des Agrochemie- und Pharmakonzerns Bayer am Donnerstag ein. In der Nacht hatte Vorstandschef Werner Baumann verkündet, dass der Konzern nicht mehr mit dem zuständigen Richter in den USA über die Beilegung künftiger Klagen verhandeln will, sondern nun einen eigenen Weg sucht. Einen Fünf-Punkte-Plan lieferte er mit. Was die Investoren davon halten, zeigten sie Baumann deutlich: nichts.

Dieser Fünf-Punkte-Plan ist ein Affront gegen den Richter, aber auch gegen das gesamte US-Rechtssystem. Das ist nicht sonderlich klug von Baumann und wirkt arrogant, denn in diesem System eines demokratischen Staates bewegt sich Bayer als international tätiger Konzern nun mal. In Sachen Glyphosat laufen in eben diesem Rechtssystem noch Klagen und Berufungsverfahren, das kann Jahre dauern.

Aktienkurse und Zahlen sind Maßstäbe, die Baumann leiten. Er ist Diplom-Kaufmann und war lange Finanzchef des Konzerns. In die Bewertung von institutionellen Investoren und Aktionären fließt mittlerweile viel mehr ein: Zum Beispiel, wie sozial und nachhaltig ein Konzern wirtschaftet. Kritik, Ängsten und Sorgen begegnet Baumann mit Fakten - mit Tausenden Seiten wissenschaftlicher Studien. Bei sachgerechter Anwendung sei das glyphosathaltige Mittel Roundup sicher, ist sein Mantra. Das wirkt überheblich, so nach dem Motto: Lest doch die Anleitung, dann passiert nichts.

Beim sachgerechten Einsatz von Messern, Glühbirnen und Stehleitern würden auch weniger Unfälle im Haushalt passieren, beim sachgerechten Fahren von Autos weniger Unfälle im Straßenverkehr. Sie passieren aber, weil sich Menschen öfter mal und häufig ohne böse Absicht nicht sachgerecht verhalten. Das sollte Baumann wahrnehmen, darauf eingehen - und das Gift nicht mehr anbieten oder nur mit deutlichen Warnhinweisen in einfachen Worten und Bildern und vielen Sprachen, sodass sie jeder versteht.

Bayer AG Holds Annual Shareholders Meeting

Der von Bayer-Chef Baumann versprochene Wertzuwachs durch Monsanto ist bis heute ausgeblieben.

(Foto: Maja Hitij/Getty)

Baumann hat den Konzern in große Gefahr gebracht. Er ist jetzt an der Börse gut 50 Milliarden Euro wert, das entspricht in etwa dem Preis, den Bayer 2018 für Monsanto zahlte. Zugegeben, der Vergleich hinkt etwas. Der Konzern hat sich von Geschäft getrennt. Das Saatgut für Gemüse ging an BASF, die Tierarzneimittel an Elanco, die Fußpflegemarke Dr. Scholl's an einen Finanzinvestor und so weiter. Und das wirtschaftliche Umfeld hat sich durch die Corona-Pandemie gewaltig verändert. Dennoch: Der von Baumann versprochene Wertzuwachs durch Monsanto ist bis heute ausgeblieben. Auf dem Konzern lasten durch den Kauf milliardenschwere Rechtsrisiken. Investoren mögen es nicht, wenn Versprechen gebrochen werden.

Je billiger der Konzern wird, desto stärker mutiert er zum Übernahmekandidaten und zum Angriffsziel aggressiver Investoren. Sollte es so weit kommen, droht Bayer die Zerschlagung mit unabsehbaren Folgen für Beschäftigte und Standorte. Anders als Baumann könnten die Aggressoren weniger Synergien sehen zwischen Agrochemie- und Pharmageschäft und den Wert der Einzelteile höher bemessen als den des Konzerns als Ganzes.

Es reicht eben nicht, das zeigt sich immer deutlicher, den Namen Monsanto abzulegen. Das schlechte Image des US-Konzerns klebt an Bayer, es mindert seinen Wert. Baumann hat fünf Jahre nach Ankündigung der Übernahme von Monsanto und knapp drei Jahre nach deren Vollzug die Risiken immer noch nicht im Griff. Er hat den Nachweis nicht erbracht, dass der Nutzen größer ist als die Risiken. Er sollte Konsequenzen ziehen.

© SZ
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