Schadenersatzklagen:Bayer wird sein Glyphosat-Problem nicht los

US-Richter sieht Bayers Glyphosat-Vergleich weiter skeptisch

Etwa zweieinhalb Milliarden Euro Umsatz machte Bayer vergangenes Jahr mit dem Unkrautvernichter Roundup.

(Foto: Jeff Roberson/dpa)

Der Leverkusener Konzern scheitert erneut mit einem Vorschlag für einen Vergleich.

Der Bayer-Konzern wird das Streitthema Glyphosat einfach nicht los: Ein wichtiger Teil des milliardenschweren Vergleichs in den USA hängt weiter in der Schwebe. Die Einigung mit Klägeranwälten über den Umgang mit künftigen Glyphosat-Klagen müsse noch einmal nachgebessert werden, erklärte der zuständige US-Bezirksrichter Vince Chhabria. Er bemängelte, dass derzeit gesunde Anwender des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup den Vergleichsvorschlag nicht verstehen könnten, da er "von einem Problem spricht, das zu weit entfernt ist". Der Richter legte dem Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern deshalb nahe, den Antrag auf Genehmigung nochmals zurückzuziehen.

Bereits einmal musste Bayer das Paket nachbessern: Schon an der ursprünglichen Einigung hatte Chhabria, bei dessen Gericht mehrere Verfahren gebündelt sind, im vergangenen Jahr Kritik geübt. Bayer hatte darauf den Antrag auf eine vorläufige Genehmigung zurückgezogen und im Februar ein überarbeitetes Konzept vorgelegt. Es sei üblich, dass Gerichte "gewisse Änderungswünsche" an solchen Vergleichen hätten, sagte ein Konzernsprecher. Man sei aber zuversichtlich, die vom Gericht aufgeworfenen Punkte lösen zu können. Das zwei Milliarden Dollar teure Paket für den Umgang mit möglichen künftigen Klagen ist Teil des umfangreicheren, rund 11,6 Milliarden schweren Glyphosat-Vergleichs, den Bayer im vergangenen Sommer angekündigt hatte.

Den Rechtsstreit hatten sich die Deutschen mit der Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto ins Haus geholt. Die Vorwürfe hat Bayer stets zurückgewiesen, Behörden weltweit haben das Mittel als nicht krebserregend eingestuft. Allein die Krebsforschungsagentur IARC bewertete den Wirkstoff 2015 als "wahrscheinlich krebserregend". Auf diese Einschätzung beriefen sich die Kläger.

Der Umgang mit künftigen Glyphosat-Klagen ist ein entscheidender Teil des Vergleichs, da Bayer das Risiko mindern will, ohne Roundup vom Markt zu nehmen. Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern mehr als die Hälfte seiner Herbizid-Umsätze von rund fünf Milliarden Euro damit. Die Einigung, der Chhabria grünes Licht geben muss, sieht bisher unter anderem einen Fonds vor, aus dem mögliche künftige Kläger in den kommenden vier Jahren Kompensationszahlungen erhalten sollen.

© SZ/Reuters
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